Mittwoch, 22. Juli 2020

Liebesarten

Lange glaubte ich an die große Liebe
Als einzig wirkliche und taugliche Art
Die alles in einer zugleich erfüllen soll
Sehnsucht Erfüllung Lust Zuneigung
Liebe am besten ein Leben lang noch
Als sei ich naiv und ohne Erfahrung
Musste wieder Rudolf Borchardt lesen
Eines besseren belehrt zu werden
Dessen Weltpuff Berlin ein Fundus ist
Es gibt unendlich viele Arten davon
Jede auf ihre Art kann erfüllend sein
Manche mehr körperlich andere dafür
Auf geistiger Ebene eher konzentriert
Ein Narr wer alles von einer erwartet
Statt alles dort zu genießen wo es
In seiner schönsten Form vorkommt
Natürlich gegeben statt gezwungen
So gelebt wird wie es eben passt
Was vor Enttäuschung bewahrt 
Die uns der Wahn der Ausschließlichkeit
So gerne vorgauckelt auf christlicher
Basis moralischen Lebens das alle
Zum Betrug einlädt weil keiner stets
Alles sein kann sondern viele mehr
Warum es viel weiser wohl wäre
Wir lebten alles beizeiten dort
Wo es sich gerade zeigt und passt
Liebten den Moment miteinander
Statt mit schlechtem Gewissen
Nichts wirklich genießen zu können
Von Angst und Missgunst dabei bestimmt
Die nur zu Todessehnsucht uns verführt
So können sich viele lieben auf ihre
Je eigene Art die keine Ausschließlichkeit
Begehrt sondern viel lieber ganz genießt
Was ist auf seine je eigene Art
Brauche nicht viele auf einmal
Wird in der Lust dann nur sportlich
Am liebsten immer nur dann eine
Zumindest für das eine oder andere
Möchte voller Gefühl lieben auch
Gerne beieinander ankommen um
Für sein Wesen geliebt zu werden
Aber bitte nie die pflichtbewussten
Reste von Liebe in der Ehe leben
Sondern jede auf ihr Art ganz
Glücklich machen wie befriedigen
Von schönen Musen lyrisch inspiriert
Statt an eine nur Traumprinzessin 
Für immer mit allen Fehlern gebunden
Die sich bei mir in Beziehungen stets
Offenbaren die unzumutbar sicher sind
Wie keine mit all ihren Macken ertragen
Sondern lieber Arten der Liebe zulassen
Die nicht konkurrieren müssen sondern
Auf ihre Art nebeneinander stehen um
Wie es passt glücklich sein zu können
Scheint mir mit Vernunft und Erfahrung
Als die bessere Form des Lebens nun
Denn dies überholte Liebesmodell der
Relativen Ausschließlichkeit mit der ihr
Innewohnenden ständigen Frustration
Mit dem wir schon zu lange leben
Das einzige was darüber sterben wird
Ist der Geist der Familie als Kontinuum
Der auf Paarbeziehungen eben beruht
Wie der Traum von der großen Liebe
Um letzteren ist es nicht sehr schade
Hat genug mich frustriert im Leben
Mit der Familie ist es etwas anderes
Aber fraglich ob eine historische Form
Es wert ist ein frustriertes Leben dafür
Die längste Zeit zu führen nur damit
An Familienfesten geglänzt wird
Vielleicht finden sich auch für diese
Art der Liebe in der Familie künftig
Neue Bahnen jenseits der Konvention
Rudolf Borchardt liegt ganz richtig
Es gibt viele Arten der Liebe die
Alle auf ihre Erfüllung finden können
Wo Liebe nicht ausschließlich mehr ist
Kann sie das Leben vielfältig bereichern
Wir könnten alle auf ihre Art lieben
Wären jeweils glücklich miteinander
Statt teilweise permanent frustriert
Warum ich inzwischen entschieden
Für viele Liebesarten plädiere nicht
Mehr nur die eine für alles suche
Die es niemals im Leben geben kann
Merke wie glücklich es mich macht
Viel weniger Zwang und Erwartung
In sich und andere noch zu setzen
Dafür das mögliche zu genießen
Weil es mit der Liebe wie immer
Eben ist wie es ist kommt es
Am Ende doch anders

jens tuengerthal 22.7.20

Dienstag, 21. Juli 2020

Antikapitalistisch

Nun werden auch Fridays For Future
Antikapitalistisch und wenden sich
Dabei erstaunlich kurzsichtig gegen
Das System was sie erst hervorbrachte
Das von der Freiheit des Einzelnen lebt
Wollen werbestrategisch profitieren von
Der typisch linken Kapitalismuskritik
Die so falsch ist wie nicht zielführend
Denn was wäre für wen die Alternative
Im Gegenteil sorgt dies nur dafür
Dass eine Bewegung intstrumentalisiert
Wird die zuvor unparteiisch noch war
So berechtigt alle Kritik an Auswüchsen
Wie ungerechten Folgen sein kann
So falsch ist die Systemkritik hier weil
Nichts als die Freiheit kann die Freiheit
Für alle verteidigen denn auch eine
Gutgemeinte Ökodiktatur wäre keine
Taugliche Alternative für die Zukunft
Vielmehr muss die Bewegung im System
Das sie erst groß werden ließ wirken
Also reformerisch statt revolutionär
Sich antikapitalistische Sprüche nun
Auf die Fahnen zu schreiben ohne
Den Hauch einer tauglichen Alternative für
Dieses naturgegebene System zu haben
Weil der Markt den Bedürfnissen entspricht
Menschen dort ihren Erfolg suchen werden
Warum es zwar richtig ist auch ökologisch
Global in Zusammenhängen zu denken
Notwendigkeiten zu benennen zur Reform
Aber falsch ist das System anzugreifen
Das diese tragen und bezahlen soll
Damit weiter mehr Menschen in möglichst
Großen Wohlstand weltweit leben können
Dabei selbst moralisch und ökologisch
Verantwortlich handeln lernen damit die
Moral einen kategorischen Wert hat da
Jede andere untauglich wäre und nie
Den Prinzipien des kategorischen Imperativ
Genügen könnte nur eine unfreie Diktatur
Einer Überzeugung hervorbringen kann
Die nicht zu mehr Verantwortung führte
Sondern im Gegenteil die Deantwortung
Der Mehrheit zur Folge hätte was nie
Eine konstruktive Alternative ist
Kritik im System ist gut und nützlich
Für mehr Gerechtigkeit kämpfen verdienstvoll
Infragestellung der Natur ohne Alternative
Dagegen bleibt leichtsinniger Unsinn
Vielleicht verzeihliche jugendliche Träumerei
Aber kritisch betrachtet schädlich da es
Einer überholten politischen Ideologie
Aus der Mottenkiste noch huldigt ohne
Dafür konstruktive Alternativen zu haben
In einer Zeit in der sich auch die ehemals
Sozialistische oder gar kommunistischen 
Länder dem Markt zugewandt haben
Führt diese Systemopposition auf Abwege
Die besser genutzt würde um Zukunft
Gemeinsam konstruktiv zu gestalten
Nur dann können wir das System
In sich menschlicher gestalten
Was mehr Freiheit statt Staat braucht
Mehr Eigeninitiative statt Anklage
Um zu zeigen nur der Markt kann
Die Zukunft verantwortlich gestalten
Im nötigen vernünftigen Rahmen

jens tuengerthal 21.7.20

Freizeitidioten

Nun fahren die Menschen
Wieder in Urlaub wie immer
Aber klagen über Beschränkung
Bei der gewohnten Entspannung
Wundern sich wenn Corona
Danach wieder aufflammt
Dabei sind sie ein Teil des
Problems was durch dies
Idiotische Freizeitverhalten
Noch potenziert wird weil
Alle jedes Jahr in Urlaub
Fliegen wollen wie immer
Trotz Corona und Klimakrise
Fern liegt es mir eigentlich
Irgendwem den Tod zu wünschen
Aber täte es der Welt nicht gut
Würden diejenigen quasi gerecht
Von Corona dahingerafft denk ich
Sehe ich diesen wieder Wahnsinn
Der verantwortungslos weitermacht
Statt innezuhalten und nachzudenken
Liegt scheinbar vielen weniger
Sind und bleiben Freizeitidioten
Gut wenn das alles endet

jens tuengerthal 21.7.20

Montag, 20. Juli 2020

Liebeseinfach

Eigentlich ist die Liebe
Ganz einfach zumindest
Wo geteilt sollte sie es sein
Täten wir was wir wollten
Könnten wir gemeinsam
Glücklich und zufrieden
Sein und bleiben doch
Leider neigen wir dazu
Es uns unnötig kompliziert
Dabei immer zu machen
Weil wir noch dazu denken
Was der andere denkt
Denken könnte oder noch
Schlimmer sollte um dann
Logisch stets enttäuschte
Erwartungen zu haben
Was ich eigentlich weiß
Dennoch zu gerne doch
Mit erwartbarem Ergebnis
Wieder falsch mache weil
Gefühle selten von Vernunft
Allein gesteuert werden
Und so geht es immer weiter
Bis es ein Ende findet dabei
Wäre die Liebe so einfach
Trauten wir nur unserem
Gefühl mit mehr Vernunft

jens tuengerthal 20.7.20

Sonntag, 19. Juli 2020

Familiengen

Hat die Kenntnis der Gene das Bild der Familie und vom Mensch geändert?

Nach der Zeit des Glaubens, kam die Wissenschaft und ersetzte die alten Wahrheiten durch ihre Logik, die auf Naturbeobachtung beruht, wurde langsam zur herrschenden Überzeugung, der sich der Aberglaube beugen, anpassen oder verschwinden musste, weil alles andere nicht mehr in die auf wissenschaftlicher Beweisführung fußende Welt passte, die es immer schneller ganz genau wissen wollte.

Durch die wissenschaftliche Kenntnis der Fortpflanzung und der Rolle auch der Frau dabei, hat sich, zumindest in der westlichen Welt, die nicht mehr so stark vom Aberglaube dominiert wird, schon etwas verändert, die Gleichberechtigung wurde langsam zumindest formal, auch wenn manche darin noch hinterherhinken, ist sie doch inzwischen relativ normal geworden und hat in den letzten 50 Jahren rasantere Fortschritte gemacht als in den 2000 Jahren davor.

Die Gentechnik schien diese inzwischen auch normative Gleichheit zu bestätigen, auf ein breiteres wissenschaftliches Fundament zu stellen, da wir uns nur in einem halben Chromosom unterscheiden, ein y von einem x, und Männer erkennen mussten, Frauen sehen nicht nur besser aus, sie sind auch genetisch quasi vollständiger, dahingestellt ob diese verkürzte Zuspitzung so ganz richtig ist, sie drückt zumindest Bewunderung und Zuneigung aus, die viel komplexer ist, als Gene je erfassen können.

Es geht in diesem Essay nicht um die neuesten Erkenntnisse der Gentechnik, ob wir nun Menschen machen können, also quasi gottgleich wirken, wie früher geglaubt wurde, den gemachten Menschen auch noch bestimmte Eigenschaften schenken können oder bessere Varianten, von uns designen könnten, gar Ersatzteillager für unser Alter uns klonen sollten und wie solches ethisch zu bewerten wäre, was ein Urteil sicher sehr schwer macht, sondern um die Frage, wie sich die Gentechnik auf unser Denken und unsere Sprache auswirkt, welche Sprache diese Variante der Biologie gefunden hat und was sie ausmacht.

Die Gentechnik knüpft wie alle Wissenschaft an die patriarchal dominierte Sprache der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts an, wie Christina von Braun in ihrem Band Blutsbande sehr gut darlegt. Entsprechend auch das Denken der sich als neue Schöpfer gerierenden Gentechniker, die aus ihrem überschaubaren Bereich heraus nun denken, das Leben und seine Entstehung vollständig mechanistisch verstanden zu haben und alles über den Menschen zu wissen. Wie mit dem Aufkommen der Rassentheorien und ähnlicher abwegiger Forschungen, gingen auch die Gentechniker vielfach davon aus, Voraussagen über die Verbrechensneigung eines Menschen machen zu können, wie seine sozialen Fähigkeiten nach ihrer Überzeugung auch genetisch determiniert sein müsste.

Auch hier möchte ich nicht zu dem alten Streit zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft Stellung beziehen, ob der Mensch als weißes Blatt oder genetisch determiniert auf die Welt kommt, halte nur jede absolute Überzeugung, die meint, alles erkannt zu haben, für so falsch, dass eine weitere Diskussion mir entbehrlich scheint. Der Mensch ist eher weder noch und vermutlich meist auch beides, als nur eines von beiden. Soziale Eigenschaften können sich nicht ohne soziale Gemeinschaft formen aber dennoch gibt es Menschen, die dabei eine unterschiedliche Begabung zeigen. Manche sind sogar sozial behindert und darum aber häufig nicht weniger intelligent, manchmal sogar im Gegenteil und manches heute normales Sozialverhalten lässt eher eine geistige Störung vermuten, betrachteten wir es kritisch mit Kant, doch auch darum geht es mir hier nicht.

Spannend aber ist die Überzeugung der Gentechnik, das menschliche Sein in ihrem beschränkten Horizont vollständig erfassen zu können und verstanden zu haben. Sie entspricht vollständig den materialistischen Denkstrukturen des 19. Jahrhunderts, die zutiefst patriarchal sind. Der Mensch als Maschine, die nach berechenbaren Funktionen gleich einem Roboter programmiert ist, erscheint hier vor meinem geistigen Auge und diese eigentlich beschränkte Anmaßung lässt mich lächeln.

Warum meinen Menschen immer noch, ihr Bereich und ihre gerade Entdeckung, erfasse die ganze Welt, würde zur berechenbaren Formel des Universums, dem doch ein von menschlicher Logik erfassbarer Plan zugrunde liegen muss?

Der Plan als Bild zeigt, wie sprachlich nah die Gentechnik am Vokabular der Kreationisten ist, auch wenn sie natürlich wissenschaftlich exakt arbeitet, beweisen kann, was sie tut und doch ist ihre Selbstüberschätzung grenzenlos, als ginge es um einen göttlichen Plan, den wir nur mit ihrer Methode aufschreiben müssten.

Natürlich können sie bei ihrer Sicht der Welt nur berücksichtigen, was sie bisher wissen. Wie sehr und rasant sich unser Wissen von der Welt und ihren Zusammenhängen allein in den letzten 100 Jahren verändert hat, könnte sie, dächten sie kritisch, ein wenig Bescheidenheit auch für ihr ohne Frage großartiges Fach lehren, was nur eine Art der Informationsweitergabe betrifft, die sie aber für die Festplatte des menschlichen Computers halten, das Programm, was jeder Zelle eingespielt sei und wohl auch nach momentanen Wissensstand ist.

Wie stark die Biochemie und die Physik etwa der neuronalen Netzwerke als lebendiges Organ dabei noch wirken, berücksichtigen diese Biologen nur begrenzt. Ist auch wichtig aber logisch für sie nachrangig, weil es um ihr Primat der Betrachtung geht. Diese Art der Durchsetzung ähnelt der männlicher Tiere im Rudel, sie ist nicht kooperativ sondern konkurrent und verursacht dadurch häufiger mehr Schaden als sie Nutzen bringt. 

Interessanterweise hat sich unter Kanzlerin Merkel ganz langsam ein stärker weiblicher Führungsstil durchgesetzt, der mehr kooperativ als konkurrent arbeitet. Die Wissenschaft hinkt dem, trotz führender weiblicher Forscherinnen, die sich auch nach oben beißen mussten, in vielem noch hinterher, weil das übergreifende Denken zwar schön geredet wird, solange es nicht die eigene Disziplin und ihre Führungsrolle infrage stellt, die sich auch sprachlich immer weiter im Alltag durchzusetzen versucht.

Als Anhänger der Aufklärung war ich von der Gentechnik wie von aller vernünftigen Naturwissenschaft zunächst ohne Vorbehalte begeistert, sah die Ängste vieler Menschen als übertrieben und vorgestrig an. Denke immer noch, der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten und die Chancen, die in der Gentechnik auch etwa in der Tumorbehandlung liegen könnten, sollten wir unbedingt nutzen. Sehe auch das Klonen von Lebewesen nicht als problematisch an,  es gleicht der künstlichen Befruchtung und greift nur an einem anderen Punkt ein, der viele Vorteile bringen könnte.

Nachdenklich machte mich mein Vater, der als Mediziner eigentlich immer ein klarer Naturwissenschaftler war und der Technik gegenüber zumindest aufgeschlossen blieb, der die Gentechnik mit dem Zauberlehrling Goethes verglich, ohne zu sagen, wer nun der alte Meister sein soll, der sich fortbegeben hätte, machte ihm die Gentechnik und die Unbeherrschbarkeit der Risiken, die daraus resultieren könnten, deutlich Sorgen. 

Wir wissen zu wenig meinte er, um in den großen Plan so aktiv einzugreifen, und ich halte ihn nicht für einen besonders gläubigen Menschen, sehe ihn eher als kritischen Agnostiker meist aber in der Gentechnik schien ihm plötzlich der Mensch respektlos gegenüber der Natur und das machte auch mich nachdenklich.

Glaube zwar an keinen Schöpfer oder Meister hinter der Natur, die einfach im Zusammenspiel funktioniert, aber das auch sprachliche Selbstverständnis der Gentechnik, die nun Leben machte, den Schöpfer durch Spezialisten eines Fachbereichs ersetzten, von dem sie glaubten, er würde alles übersehen und verstehen, ist mir verdächtig und genau da fangen meine Zweifel an.

Wir können Leben schaffen und seine Eigenschaften beeinflussen. Sofern es uns dadurch gelingt furchtbare Krankheiten auszurotten, wunderbar. Alles was hilft und heilt, soll willkommen sein, wie froh wäre ich selbst, wenn ich etwa durch einen kleinen genetischen Eingriff meine lästigen Allergien los würde.

Fraglich aber scheint mir, ob wir mit unserem beschränkten Wissen von allen unser Sein betreffenden Einflüssen bereits an unserer Festplatte herumlöten sollten. Käme nicht auf die Idee, meinen Computer auseinander zu schrauben, um darin von außen Dinge zu verändern, weil ich viel zu wenig Ahnung davon habe. Es gibt Spezialisten, die können das und sollen es  tun aber diese Spezialisten würde ich nun nicht bitten, dieses Essay für mich zu schreiben, weil es nicht ihre Spezialität ist, sich abwegig Gedanken über die Welt zu machen, sondern eben meine. Auch käme ich nicht auf die Idee, mich von einem Genetiker in Liebesdingen beraten zu lassen, sondern folge hier konsequent meinem Gefühl, das sich aus mehr Dingen zusammensetzt, als ich begreifen kann und was größeren Einflüssen unterliegt, als ich je werde überschauen können.

Das Genom ist sicher für sehr viele Dinge einflussreich und ich bin dringend dafür, es weiter zu erforschen, um damit so gut wie möglich arbeiten zu können, weil es gut und nötig ist, doch erfasst es nur einen relativ starren Bereich der im Genom durch die Zeugung programmiert wurde. Teile manche Teile davon mit meiner Familie, durch die erbbedingte Verwandtschaft aber kann genauso sicher davon ausgehen, dass es nur einen Teil meines Wesens ausmacht, das im Laufe meines Lebens durch viele Faktoren weiter geprägt und verändert wurde. Bestimmte Dinge bleiben oder tauchen immer wieder auf, sie mögen anlagebedingt sein, andere, sogar felsenfeste Überzeugungen verändern sich mit der Zeit und unterliegen verschiedensten Einflüssen, die ich nicht überblicken kann.

Vielleicht hat das Genom sogar Einfluss darauf, in wen ich mich verliebe und wie eng ich eine Bindung fühle, doch zeigt die Erfahrung wie viele äußere Einflüsse diese Neigung mitprägen und auch wenn ich mir des starken Einflusses meiner Familie und ihrer Sitten auf mein Wesen bewusst bin, auch erschreckenderweise manche Neigungen über Generationen wiederauftauchen sehen - so betrachtet hat die Großfamilie auch einen Vorteil im Sinne der Selbsterkenntnis - was im Guten wie im Schlechten gilt, etwa bei der gelegentlichen cholerischen Neigung, die ich schon früh erstaunt auch bei meinem Großvater, aber nicht nur bei ihm, beobachten konnte oder der starken Neigung zu emotionaler Hingabe und Rührung, die in der ganzen Familie verbreitet ist.

Wie stark diese Neigung durch Vorbilder geprägt ist, was in meinem Genom davon angelegt ist, wann welcher Einfluss stärker ist, weiß ich nicht zu unterscheiden und denke, Elemente davon sind jeweils in unterschiedlichem Maße vorhanden. Dazu kommt noch der völlig unberechenbare Teil des Gegenübers und der verschiedenen Einflüsse genetischer und sozialer Art, die ihn geprägt haben, bis zu psychischen Krisen oder Krankheiten, die möglicherweise auch bleibende Spuren im Körper hinterlassen, auch wenn das Genom davon unberührt bliebe. Konnte diese Erfahrungen schon sehr intensiv machen und habe ihre emotionalen Auswirkungen, natürlich ohne jeden objektiven Anspruch, wie auch als Beteiligter, beobachtet und erlitten, so lange ich lebe.

Der Mensch mag eine komplexe Maschine sein, die aber eben lebendig ist und sich ständig verändert und anpasst. Bestimmte Dinge bleiben und tauchen immer wieder auf, auch bei der emotionalen Neigung, warum bestimmte Menschen mich stärker berühren als andere, doch sind die Frauen, denen ich nah kommen durfte, teilweise so unterschiedlich, dass ich mir nicht zutraue irgendein Muster dabei noch erkennen zu können. Es mag dies an Einflüssen liegen, von denen ich noch nahezu nichts weiß, wie der gegenseitigen Biochemie oder auch am zufälligen Zeitpunkt gelegen haben, der es gerade für beide passend erscheinen ließ oder an ganz anderen Dingen, deren Komplexität meinen Horizont bei weitem übersteigt.

Egal was es also im Kern ausmacht, dass zwischen zwei Menschen ein großes Gefühl wachsen kann oder eine Familie sich über viele Generationen eng verbunden fühlt, gehe ich davon aus, es ist mehr als nur ein Punkt und keiner kann alles überblicken, sondern immer nur auf kleine Ausschnitte schauen, die er dann für die Welt hält.

Die Neigung sich für die Welt und allwissend zu halten, ist in der Genetik und ihrer Tendenz zur Schöpfung besonders stark ausgeprägt, was mich besonders misstrauisch macht. Dazu kommt, dass sie sich des technischen Vokabulars bedient, was ihrer Profession entspricht, die eben auch nur einen Teilabschnitt der Welt anschaut, was aber völlig den gewachsenen patrilinearen Strukturen entspricht, die mit dem Christentum aufkamen und so setzt das scheinbare Gegenteil das vorige Denken zumindest sprachlich fort. Gerade diesen Punkt kritisch zu betrachten und die Ausschließlichkeit stärker infrage zu stellen, scheint mir sehr nötig, weil wir Menschen immer dann, wenn wir von etwas völlig überzeugt waren, am blindesten wurden und den größten Unsinn machten, weil wir den Rest völlig ausblendeten. Die Kernenergie ist hier ein beredtes Beispiel.

Denke inzwischen, die Sorge meines Vaters ist gut begründet, er war ja auch immer ein großer Naturwissenschaftler für mich, der zumindest so tun konnte, als hätte er von allem in der Natur irgendwie Ahnung, was sicher auch durch die ewige familienbedingte Konkurrenz begründet war. Wir arbeiten als Zauberlehrlinge am Leben, von dem wir nur ganz wenig überhaupt in seinen großen Zusammenhängen verstanden haben. Das halte ich für nicht ungefährlich. Finde es dennoch richtig auf diesem Gebiet weiter zu forschen, um mehr erkennen zu können, doch wünschte ich mir dabei mehr preußische Bescheidenheit als die eher amerikanische Neigung zum Blenden als Bester, um die höchsten Fördermittel zu erhalten. 

Familie hat viel auch mit Genetik und der natürlichen Verwandtschaft zu tun, aber nicht nur und ist weit mehr als diese. Sie ist geprägt durch Erlebnisse, Gefühle, Reflektion von Erfahrung und vielem mehr, was ich nie ganz überblicken werden. Menschen können Roboter bauen und Maschinen, die immer besser werden, deren Funktionen sie berechnen und überschauen können aber Menschen sollten sich beim Umgang mit lebendigen Organismen immer bewusst sein, wie wenig sie noch wissen, um lieber weiblich kooperativ statt männlich konkurrent nach Erkenntnis zu streben. Das Risiko anmaßend mehr zu zerstören, als erreichen zu können, scheint mir zu hoch. Sein wir achtsam und vorsichtig, bei dem was wir tun, es könnte allen besser tun.

jens tuengerthal 19.7.20

Liebesversuch

Ein Versuch über die Liebe als Lebensmittel

Ist die Liebe überhaupt ein Lebensmittel, etwas, was wir zum Überleben brauchen oder gönnten wir uns diesen Luxus nur satt, verlieren sich die großen Gefühle beim Kampf ums Überleben wieder, überlegte ich und hatte wie auf so vieles bei diesem Thema keine rasche Antwort.

Bei Facebook gibt es den Beziehungsstatus “es ist kompliziert” und das ist vielleicht eine der besten und kürzesten Beschreibungen der Liebe überhaupt, wo sie von großen Emotionen getragen wird. Zwei können nicht ohne einander sein, halten es aber auch mit kaum aus und das sie sich nicht täglich den Schädel einschlagen oder wüst beschimpfen, liegt weniger am großen Gefühl als einem Mindestmaß an Anstand, den es noch zu wahren gilt, auch wenn er der Größe der Gefühle am ehesten entgegenwirkt. Für manche Lieben ist das große Drama Alltag und Normalität, kannte mehr als eine Drama-Queen mit hohem Betreuungsaufwand in meinem Leben, für andere scheint eine solche Gewichtung undenkbar,

Manchmal sind Paare zu beobachten, die diese Grenze fallen lassen, sich auf offener Straße anschreien, Szenen veranstalten, übergriffig werden und ähnliches mehr und die Beobachtung solcher Fälle hat mich immer so sehr abgeschreckt, dass ich alles tat, öffentliche Szenen noch zu vermeiden, zumindest ein wenig Contenance im brodelnden Kessel zu wahren, was vermutlich auch nicht immer gelang, es ist ja auch nie nur die Entscheidung von einem, ob es explodiert oder nicht und meine Fähigkeite zur Selbstbeherrschung ist in emotionalen Dingen nur bedingt gut ausgeprägt, wie es dem kantschen Anspruch genügen würde, aber zumindest bin ich mir sicher, dass es immer mein Bedürfnis war, so etwas möglichst in Ruhe und unter vier Augen zu klären.

Mehr oder weniger große Dramen habe ich aus den längeren Beziehungen teils noch in sehr lebendiger Erinnerung. Sofern so etwas alle paar Monate mal vorkam, war es zwar anstrengend aber verkraftbar, da die vollständige Infragestellung der großen Liebe das Leben für mich immer im Grundsatz erschütterte und mich auch geistig tagelang lahm legen konnte, in einem Fall sogar noch viel länger völlig lähmte, auch wenn es mir immer unerklärlicher erscheint,  vernünftig und mit Abstand betrachtet.

Erinnere mich auch an Streitigkeiten zwischen meinen Eltern und wie mich dann die Furcht umtrieb, sie könnten sich trennen und wie sehr ich diesen Zusammenbruch meiner Welt fürchtete. Dieses Damoklesschwert des Endes der Familie, die doch alles war, was wir hochhielten, schwebte über manchem meiner kindlichen Alpträume und schien mir unvorstellbar schrecklich, warum ich den Wechsel oder das Ende, wenn ich es nicht selbst wollte, was zum Glück häufiger vorkam, sehr schlecht vertrug und ewig nach einer vernünftigen Erklärung dafür suchte, die es natürlich nie gab, weil Liebe eben da ist oder verschwindet und dann ist es Zeit zu gehen, wie ich es ja von mir selbst auch kannte, der dann sehr entspannt und locker gehen konnte, auch alle vernünftig zu begründen verstand. Natürlich war jede dieser Begründungen wohl durchdacht und dennoch nichts als eine floskelreiche Umschreibung dafür, dass eben das Gefühl verloren gegangen war.

Bei meinen Eltern hielt es, überstand einige Höhen und Tiefen, hat im Alter eine neue liebevolle Form gefunden, die manchen langjährigen Beobachter eines gelegentlich rauheren Tones angenehm erstaunte. Es ist also Bewegung und Veränderung in Beziehungen möglich und kann der Traum von der Liebe für ein Leben gelebt werden, auch wenn es zwischendurch drammatisch zuging. Dieser Traum ist für mich immer das wichtigste in der Liebe gewesen. Natürlich ist toller  Sex auch was schönes aber er wird blass gegen das Gewicht der Kontnuität und Zuverlässigkeit die eine alte Liebe in einer Familie bedeutet und die für mich das entscheidende Ideal war, was ich auch immer leben wollte und so habe ich auch viele Versuche dazu begonnen, mal mit schnellerer mal langsamerer Einsicht, warum genau dieser Versuch natürlich nicht gut gehen konnte, was am leichtesten war, wenn er erfolgreich durch den nächsten ersetzt wurde. Kein Raum für Leere in mir blieb.

Dabei ist der Ersatz völliger Unsinn, weil jede Beziehung anders und keiner ersetzbar ist. Doch genügt die Ablenkung durch den nächsten mehr oder weniger glücklichen Versuch vollkommen vom unerträglichen Unglück über den Verlust der einen Liebe abzulenken, den ich immer nur dann vernünftig vertragen konnte, wenn ich meine Liebe schon vorher verloren hatte, während es mir bis zum tauglichen Ersatz unterschiedlich stark unvorstellbar schien, ohne die gewohnte Konstellation zu leben.

Mag Veränderungen nicht besonders und lasse am liebsten alles beim alten, weil es so gut passt, auch wenn es vielleicht gar nicht so gut passte, wann passen Männer und Frauen schon wirklich zusammen, es doch besser ist, es dabei zu belassen, weil Veränderung nur von wesentlichen Dingen ablenkt, neue aufwendige Suche bedeutet, was eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen der Singles in den Großstädten wurde, zumindest, wenn du alle Dates in den Cafés beobachtest oder seit Corona auch auf den Bänken im Park.

Welche Veränderung sich gelohnt hat und welche ich lieber unterlassen hätte, wäre eine eigene Geschichte, die hier aber nur am Rande eine Rolle spielt, zumindest fällt mir als nach scheinbarer Objektivität strebender Beobachter meiner selbst doch auf, wie sehr das Streben nach Kontinuität den Drang nach neuem immer mehr überwog, warum mir die Furcht der einen, ich könnte sie verlassen oder betrügen so absurd schien und mit zunehmenden Alter hat das Bedürfnis nach Kontinuität das nach Abwechslung weit hinter sich gelassen, auch wenn ich es, seltsam genug, in den letzten zehn Jahren auch ungewollt immer wieder anders gelebt habe auf der Suche nach großer Liebe, kleinem Glück oder zumindest einem tragfähigen Kompromiss.

Kann für mich sagen, dass Bestand und Kontinuität in der Liebe bei nebenbei irgendwie vorhandener Sexualität, die Ansprüche sinken ja wie die eigene Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter ein wenig, mir am wichtigsten waren, um ein gutes Leben zu führen und leistungsfähig zu sein, während der Mangel an dieser Kontinuität, mich immer wieder umtrieb und aus der Bahn warf, weil ich doch das Ideal der Familie leben, selbst eine gründen wollte. Die Versuche dabei und Versprechungen dazu summieren sich inzwischen und mehr als einmal war ich mir sicher, es nun ein Leben lang zu wollen, was als Anspruch schon manch vermeintlich große Liebe erschlagen hat und klein werden ließ, was nüchtern betrachtet eigentlich ziemlich schade ist.

Dennoch tauchten immer wieder Fälle auf, die vom irgendwie gleichen Traum besessen waren, es vielleicht auch aus ihrer Kindheit kannten und darum sich mit ähnlicher Begeisterung hinein stürzten wie ich, selten ohne baldige Enttäuschung, weil nichts so schön wird wie gehofft und wir uns nur gelegentlich dabei noch übertreffen, während die erwartungslos begonnenen Kompromisse eher dazu neigten, die nicht vorhandene Erwartung noch angenehm zu übertreffen.

Wann aber hat mich die Liebe am glücklichsten gemacht und welche hatte den größten Erfolg, fragte ich mich, um eine Maßstab dessen, was gut sein könnte im Gegensatz zu dem, was mich quälte zu finden und schon bei der Fragestellung fiel mir auf, wie schwer die Antwort werden würde. In unserer alles quantifizierenden und vermessenden Zeit, die schon an sich angezählt immer vom Wesen her ist, wird Wertigkeit numerisch meist bestimmt. Doch scheint reine Dauer eher ungeeignet als Maßstab des Glücks.

Auch unglückliche Beziehungen können besonders lange dauern, weil beide darin gefangen sind, was inzwischen die Erfahrung bestätigt und auch ein tragisches unverstandenes Ende, kann vor neuem Glück zu nichts werden, sogar, wenn es wie das Ende des Lebens zuvor noch schien. Was zumindest die physikalische Weisheit, dass eben alles relativ ist, im emotionalen Bereich erneut bestätigt. Zumindest weist es darauf hin, dass alleine die zeitliche Dauer nichts über die Qualität und Intensität der Nähe sagt, die sich manchmal sogar umgekehrt proportional verhält.

Dachte lange, weil es auch so von mir erwartet wurde, die letzte große Liebe sei die bedeutendste gewesen, weil sie am intensivsten war und die größten emotionalen Extreme hervorbrachte, immer wieder in Todesnähe shakespearesk schwankte, doch relativiert sie sich mit der Zeit immer mehr und die Realität des täglichen Leidens an Launen, das mich lange deformierte, hebt das scheinbare Ideal völlig auf, da bleibt sehr wenig übrig. Dennoch ist es naheliegend, dass immer die letzte große Liebe als die bis dato größte erscheint, weil sie eben auch zeitlich am nächsten liegt und was gäbe es schon für Gründe den ganzen Unsinn noch einmal zu wagen, wenn nicht jeder neue Versuch der allerbeste endlich werden sollte.

Heute, ein wenig neben mir stehend, um die Illusion der Objektivität wach zu halten, scheinen mir die großen leidenschaftlichen Lieben eher als erschöpfend und anstrengend, während die kleinen zarten, die zuverlässig blieben, mir in vielem idealer erscheinen als manche Göttin um die ich ewig meinte trauern zu müssen, was ich etwas ermüdet nur noch belächeln kann. Wo ich unbedingt wollte, voller Begeisterung und Gier war, habe ich auch den Sex zwar irgendwie aufregend in Erinnerung aber letztlich nicht so befriedigend, wie in den ruhigeren Fahrwassern, die ohne große Stromschnellen zum Ziel führten, auf denen nicht ständig neues Kentern drohte.

Wo sich Dramen abspielen, ist viel Gefühl dabei, wird der Sex meist großartig, echtes Theater eben, aber weniger der Sache als der Aufregung drumherum wegen. Auf Dauer ist guter Sex eben auch ein feinmechanisches Handwerk, was Erfahrung und Kontinuität braucht, um sich gut aufeinander einzuspielen, was manche nie ganz schaffen aber noch seltener darüber reden, zumindest miteinander, seltsamerweise. Aber warum und wie der Sex funktioniert oder die Lust sich verliert, ist eine andere Geschichte, die bei diesem Versuch über die Liebe weniger verloren hat, bei der Sex ja nur eine der Ausdrucksformen der Zuneigung und des Vertrauens ist aber eben nicht die einzige und meinem Gefühl nach auch nicht die entscheidende.

Ohne ein Verfechter arrangierter Ehen zu sein, wie gut dass dieser Zwang überwunden wurde, Gefühl entscheiden kann, wer sich bindet, scheint mir doch heute das Element der ruhigen Vernunft viel wichtiger als alle übrigen. Es sollte eben auch vernünftigerweise irgendwie passen. Wo geistige Welten passen, zwei miteinander reden können, sich ohne zu große Dramen verstehen, vieles auch ungesagt klar erscheint, die Umstände passen, sie nicht nur miteinander sondern vor allem auch beieinander schlafen können und sich dabei Kraft geben, ist schon die beste aller möglichen Konstellationen gefunden und klug ist, wer nicht mehr erwartet sondern damit glücklich leben kann und es zu würdigen weiß.

So schön der Traum von großer Leidenschaft, ewig wildem Sex und dem lodernden Feuer der Liebe ist, schöner noch lebt sich mit Zuverlässigkeit, Vertrauen, ruhiger Liebe und dabei natürlich schönem Sex, der sich aus der Harmonie von alleine ergben sollte, hier immer noch nicht Thema wird, das Produkt einer gelungenen Beziehung ist, nicht ihr Inhalt. Die Liebe als Lebensmittel taugt nichts, wo sie nur leidenschaftlich brennt, uns täglich verrückt macht, statt für ruhige sichere Versorgung der emotionalen Grundbedürfnisse zu sorgen, ein sicherer Leuchtturm zu sein, der Orientierung gibt.

Es ist schön sich gelegentlich feine Delikatessen zu gönnen, aber täglich möchte ich mein Roggenbrot mit Butter haben. Natürlich möchte ich meine Liebste nie einem Roggenbrot zu vergleichen, so sehr ich dieses liebe, doch eine vernünftige Basis, die als festes Fundament Grundlage auch emotionaler oder erotischer Höhenflüge sein kann, gefällt mir heute und mit Blick auf alle Erfahrung viel besser als jede verrückte Leidenschaft. Es ist vieles gut und leichter zu ertragen, wenn die Basis voller Vertrauen stimmt. Wo an ihr immer wieder gezweifelt wird, bleibt nicht viel übrig.

Das Roggengraubrot mit Butter oder nach Laune belegt, ist die Basis eines guten Lebens für mich. Schwarzbrot und Toast dazu sind netter kleiner Luxus. Dazu ein guter Tee, Wasser oder ein zuverlässiger Wein ohne Aromastoffe, manchmal noch ein Käse, genügen zum guten Leben, wie es Epikur als Ideal beschrieb. Dies im Bewusstsein, scheinen mir viele Ausflüge im wilden Wald von Liebe und Lust heute eher überflüssig. Wie ich eine gute Brotzeit als wichtigste Mahlzeit über alles schätze, möchte ich auch meine Liebe so leben. Klar und offen in der Basis, im Wissen um den verbindenden Kern, der einander gut tut und das auch nach seiner Natur kann. Dann wäre alles bestens und ich völlig erwartungslos glücklich und irgendwann findet sich genau das, denke ich, die Dinge sind ja nicht so kompliziert, lassen wir mal weg dass neben Roggenbrot auch Bücher zu meinen Grundnahrungsmitteln gehören uns es natürlich schön ist, auch gelegentlich gemeinsam zu essen.

jens tuengerthal 18.7.20

Samstag, 18. Juli 2020

Klüger

Klüger zu sein macht
Immer einsamer darum
Stellst du dich lieber dumm
Gemeinsam mit anderen
Sein zu können wie ihre 
Anerkennung zu finden
Die lieber alle übersehen
Was mehr als sie je ist
So dümpelt die Welt aus
Angst vor Einsamkeit nur
Weiter in Grenzen herum
Die beschränkt nur sind
Aber mehrheitsfähig damit
Mehr ist es meist nicht
Darum wünsche dir nie
Klüger zu sein als wer
Bringt nur Ärger mit sich
Lebe bescheiden lieber
Denn mehr war es auch
Am Ende nie wert und
Lächel darüber

jens tuengerthal 18.7.20