Dienstag, 25. Juni 2013

Vom Untergang des Abendlandes

Wie eine Sintflut Zeichen setzt

Kaum gehen die Fluten zurück gehen wir wieder zur Tagesordnung über soweit wir nicht noch mit dem dort irgendwie überleben beschäftigt sind. Genug der Bilder und Nachrichten, die Schlagzeilen machen morgen schon wieder andere kleine oder große Katastrophen wo auch immer und im übrigen haben wir noch die Wahl, freuen wir uns also, wenn der feuchte Grund zur Profilierung endlich weg fällt.

Die jedesmal Jahrhunderte übertreffenden Ereignisse werden langweilig, wenn sie sich häufen, wir sind längst gesättigt von Bildern, auch wenn jetzt erst die Arbeit beginnt, die des Wiederaufbaus. Nur ist die Beseitigung von Dreck wenig schlagzeilenträchtig, Gift ist unsichtbar und wirkt langsam, nichts, was sich filmen ließe.

Wir nennen unsere Kultur gerne abendländisch, erinnern an unsere auch christlichen Wurzeln, als eine Kultur die auf Büchern fußt. Bücher aus einer Zeit als die großen Fluten noch für göttlichen Fluch gehalten wurden, Eingang in die heiligen Bücher fanden, den Menschen eine Lehre sein sollten. Sie mahnten zu maßvollem Leben und der sagenhaft einzig überlebende baute keine Mauern sein Gut zu retten, zog nicht in höhere Lagen, sondern baute ein Boot.

Der biblische Noah hatte begriffen, dass er der Natur nicht gegen sie trotzen konnte, sondern nur mit ihr.  So hat ihm die Anpassung das Leben gerettet, er fügte sich den Umständen und rettete, so geht die Sage, Natur und Kultur nicht indem er sie abschirmte, sondern mit den größeren Kräften respektvoll leben lernte.

Wir dagegen bejubeln Deiche, die noch halten, auch wenn sie so Druck und Welle noch erhöhen. Das einzige, was unsere Kultur bis zur Besinnungslosigkeit noch beherrscht, ist höher und höher zu bauen. Noch im Untergang halten wir uns an diese letzte Fähigkeit, um uns zu retten, die wir längst wissen, dieser Weg ist eine Einbahnstraße mit immer fataleren Folgen.

Aus der Geschichte unserer Welt wissen wir, jede Kultur trieb, was sie meinte besonders gut zu können, kurz vor ihrem Untergang noch zu besonderen Höhen, achtete nicht auf dem etwa entgegen stehende Zeichen von Natur oder Menschen, sondern betonte, dass, was sie schon immer und immer besser konnten, sie auch am Ende retten würde. Ihr immer wieder Untergang bewies das Gegenteil.

Wir sehen unser Scheitern bei der Beherrschung der Natur immer wieder, doch statt eine Arche zu bauen, planieren wir den Grund, bauen höhere Mauern, meinen beim nächsten mal, genug getan zu haben, wenn noch mehr Wasser den Nachbarn trifft.

Ohne ganz zu wissen, was wir tun, greifen wir klonend in die Tiefe der Natur ein, erzeugen Leben und können doch die Folgen kaum abschätzen.

Blind für die Folgen wollen wir, fasziniert von den riesigen Kräften, Atome spalten. Die Folgen dieses Prozesses übersteigen die Dauer aller menschlichen Kultur auf diesem Planeten. Wir wissen weder, wie wir die strahlenden Reste beseitigen, noch was aus diesen je werden wird, wie kommende Generationen mit ihnen überleben sollen uns wenn wir langsam unsere Unfähigkeit bei etwas einsehen, wird es noch genug geben, die uns den Gewinn entgegen halten, ganz menschlich kürzer kalkulieren, denn von nichts, käme bekanntlich keine Energie.

Vor allem gäbe es einen Markt, der ein Funktionieren fordert, dessen kühle Kalkulation sich nicht mit Ideen umgehen ließe, alles müsse sich eben rechnen und so fügen wir uns dessen Zwängen, um zu überleben. Jeder tut es auf seine Art, auch die radikalsten Verweigerer bieten sich auf ihrem Markt an, konsumieren und verkaufen sich und ihr Gut und sei es nur auf dem ältesten Marktplatz, dem der Begattung, bei dem wir dem gewählten Partner gefallen, ihn vom Angebot überzeugen wollen, auch wenn die Paarung in den allermeisten Fällen eher eine Auswahl derer ist, die sich scheinbar wählen lassen aber diese Feinheiten des menschlichen Paarungsverhaltens sind völlig irrelevant für die Tatsache, dass es sich hierbei um ein Verhalten am Markt handelt, das eben diesen Regeln folgt.

Was hat der also natürliche Markt mit dem Untergang zu tun, wird sich nun fragen und muss, was scheinbar natürlich ist, darum unbeschränkt werden?

Die Folgen der Flut und unser Wahn immer höher und weiter zu bauen, sind das Ergebnis einer auf Wachstum ausgelegten Ökonomie, in der untergeht, wer sich nicht ständig übertrifft, weiter wächst, auch wenn wir längst wissen, dass dem Wachstum in unserem begrenzten Umfeld naturgemäß enge Grenzen gezogen sind. Unter dem Druck größtmöglicher Effektivität handeln wir auch gegen jede Vernunft und halten unser Verhalten, da effektiv, für dennoch nötig und vernünftig. Wir beten unseren Guru, das Wachstum, an, als böte es uns einzig Glück.

Dem Diktat der Ökonomie folgend verhalten wir uns also nur formal rational, eben rationell, ohne uns noch Gedanken über die Wurzeln dieses Verhaltens machen. Betrachten wir die Wurzeln dieses Treibens genauer müssen wir feststellen, es ist nur die Gier nach mehr und die These, mehr zu haben, würde unser Glück mehren, ist so irrational wie ihre Wurzeln in einer Variante des Pietismus, der eben göttliche Gnade, also etwas höchst irrationales am ökonomischen Erfolg maß.

Eine auf ständiges Wachstum angelegte Kultur ist auf notwendig begrenztem Raum zum Scheitern verurteilt. Das wissen wir, dennoch ändern wir nichts an unseren Zielen oder den Methoden ihrer Erreichung. Im Gegenteil, wir gaben der globalen Ökonomie zu Beginn dieses Jahrtausends noch mehr Macht, weil der freie Markt, diese nur scheinbar demokratische Götze des kapitalistischen Systems, es schon richten werde, für gerechten Ausgleich sorgen würde.

Leider nur war der Markt nie frei, noch hatten seine Teilnehmer je die Chance dazu. Vielmehr sorgte die zunehmende Liberalisierung dafür, dass die Inhaber der Monopole auf Kosten der Mehrheit noch stärker wurden, ihre Position erfolgreich ausbauten.

Die Regierungen der nur noch vermeintlich demokratischen Staaten unterstützen diesen Vorgang, beraten von den besten Ökonomen, die eben im Dienst derer standen, die am meisten zahlen konnten und so regelte sich der Markt, in der Hand derer die ihm kontrollierten, selbst. Nicht umsonst sind die Chef Volkswirte des größten deutschen Bankhauses, um nur ein Beispiel zu nennen, immer Berater der jeweiligen Kanzler gewesen.
Eine eigentlich irrationale Ideologie im Kleid des Rationellen sorgte so für den immer weitergehenden Ausverkauf der Staaten die sich mit ihren Maßstäben messen ließen. Die polis begab sich in die Hand eines Klientels von Geldverleihern und spielte über ihre eigenen Institute auch ein wenig auf dem großen Markt mit. Verluste wurden sozialisiert und Gewinne privatisiert, der nur scheinbar demokratische Maßstab ökonomischer Notwendigkeit begann, Europa zu regieren.

Regierungen regierten nicht mehr, auch wenn sie dazu den demokratischen Auftrag vom eigentlich Souverän bekamen, sondern reagierten nur noch auf Notwendigkeiten. Das Wort der Stunde im politischen Handeln wurde  "alternativlos".

Logisch gehorchte die Planung nun kurzfristigen Zwängen des Marktes und konnten langfristige Vorhaben ohne vordergründige Effektivität nicht mehr realisiert werden.
Da stehen wir nun, elf Jahre nach der letzten Jahrhundertflut mitten in der nächsten, haben nur einige Dämme und Mauern erhöht, statt der Natur den notwendigen Auslauf zu geben, den sie unstrittig braucht. Wir haben den Druck also nur erhöht und im übrigen den Gesetzen des Marktes gehorcht. Es verschiebt und potenziert die Katastrophe, weil wir unfähig sind, am Markt zu lernen, dem wir immer nur hinterherlaufen und der doch kurzsichtig bis zum Selbstmord bleibt.

Positiv daran ist jedoch, bei aller Schwarzmalerei, dass wir über die Fähigkeit uns und unser Leben aufzugeben, die höchste und letzte Verfügbarkeit der Freiheit wach halten. Vielleicht überleben wir all dies verzweifelt nicht, machen dem Grauen angesichts unserer blinden Hybris ein Ende, aber zumindest wissen wir dann jedesmal, wenn es gelingt, wir können uns weiterhin der Illusion hingeben, wir seien frei und könnten etwas ändern. So sind die Selbstmörder wohl die wahren Helden einer Zeit, die beständig an ihrem umgehend arbeitet. Sie zeigen, jedenfalls etwas können wir ändern und verändern und werden so zu den wahren, ungläubigen Märtyrern einer Zeit, die glaubt, sie sei Geld, der Sand im Getriebe der Betriebsamkeit, sich der steten Beschleunigung entgegen stellend.

Es ändert nichts, sich umzubringen, es beendet nur ein eigenes Leben endgültig und unwiderruflich und es stellt sich einfach der Zeit entgegen, entschleunigt, was doch ein deutlicher Mehrwert gegenüber weiter kopfloser Teilnahme ist. Um so mehr es sich überlegen, um so weniger Probleme hätten wir noch.

Lausche dem Regen im Sommer, weiß nicht, was wird oder wie es sein soll. Zu wissen, wir könnten auch anders und es zumindest beenden, hat doch sein Gutes, ein wenig Sonnenschein an trüben Tagen.
jt 25.6.13

Montag, 24. Juni 2013

Mal wieder Montag?

Montagmorgenunruhe

Im Urlaub sein wo andere
Arbeiten schafft eine immer
Lustige Dialektik zwischen
Wollen und Wirklichkeit

Ausschlafen ist unüblich
Seine Ruhe finden während
Andere noch voller Energie
Das Bruttosozialprodukt

Steigern ist unüblich
Zumindest auffällig hat es
Die Tendenz ein schlechtes
Gewissen zu verursachen

Der Flaneur ist hier außer
Am Sonntag keine übliche
Gangart hart am Ziel des
Wohlstands dagegen normal

Manchmal fragt sich wohl
Einer oder eine wozu doch
Der Rhythmus der überall
Baumaschinen ist der Puls

Herzschlag einer fleißigen
Welt den Schwaben direkt
Benachbart ist das Geld
Was immer der Gewinn ist

Erschöpft sinken sie dann
Am Ende ihres Lebens in
Ihren Sessel betrachten was
Sie geschafft es zu bewerten

Lohnendes Leben scheint
Hier ein quantitativer nur
Maßstab zu sein zwischen
Zielerreichung und Frist

Fragt sich nur wieviel Ruhe
Findet wer all dies nur noch
Beobachtet oder ob der vom
Gewohnten abweichende

Zum Störer hier wird gar
Die Frage nach Ziel am Ende
Sogar Zweck des Tempos
Zum Terroristen gegen die

Gewohnheit macht aber
Manchmal scheint das
Risiko des Bombenlegers
Geringer als der Anpassung
jt 24.6.13

Sonntag, 23. Juni 2013

Vorm Untergang des Abendlandes

Nur ein Roman?

1984 war noch nur ein Roman aus einer anderen Zeit und ist längst Vergangenheit, Big Brother ist längst Realität und schreibe ich jetzt nur die Worte Al Quaida oder Bombe, kann ich sicher sein, dass die elektrischen englischen und amerikanischen Schwestern meine Nachricht filtern werden und ich frage mich, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Vermutlich ist es am klügsten, so über die Lächerlichkeit der totalen Kontrolle zu spotten, als sich die Illusion von Freiheit nehmen zu lassen, denn was wäre die Alternative?

Ob das Abendland ohne Verteidigung seiner Freiheit untergeht oder infolge der Art der Verteidigung seine Werte verkauft, ist eigentlich egal, wichtiger ist vermutlich, dass wir bis dahin möglichst viel Spaß haben und nicht den Traum von Freiheit aufgeben, vielleicht erhalten wir uns dann überraschend mehr, als wir je hatten. Lebt es sich doch gelassener am Rande des Abgrunds.
jt 24.6.13

Donnerstag, 20. Juni 2013

Hilferuf Menschenwürde

Was sind wir uns noch wert?

Wir veräußern unsere Würde täglich meistbietend auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten, auf dem wir uns feilbieten, um beachtet und anerkannt zu werden. Das ist schlimm genug aber vermutlich normal, jedenfalls menschlich. Wir begeben uns dorthin und könnten vielleicht anders, theoretisch jedenfalls, so wir frei sind, in dem was wir tun.

Noch müssen wir von dieser Freiheit des Einzelnen ausgehen, um ihm die Verantwortung für sein Handeln zu geben. Leugnen wir sie, entmündigen wir die Menschen faktisch, auch wenn wir, parallel zum Erstarken der Psychologie in gerichtlichen Verfahren als Gutachter höherer Wahrheit, die Entmündigung offiziell abschafften, ist die Pathologisierung ein noch grausamerer Schritt kollektiver Entmündigung.

Ohne Freiheit der Entscheidung kann keiner Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Es gibt komplexe Gründe, die gegen die Möglichkeit einer freien Verantwortung sprechen, auch Hirnforschung, Jurisprudenz und Politik streiten darüber, von den Bürgern weitgehend unbemerkt, dabei geht es um den Kern dessen, was unser Menschsein ausmacht.

Heute setzt sich der profilierte Liberale und Verteidiger der Bürgerrechte Gerhart Baum in der FAZ in einem dramatischen Hilferuf für die Menschenwürde ein, die in unserer digitalen Welt immer mehr gefährdet werden. 

Gerhart Rudolf Baum ist ein deutscher Politiker (FDP) und Rechtsanwalt. Er war zwischen 1972 und 1978 zunächst Parlamentarischer Staatssekretär bei den damaligen Bundesministern des Innern Hans-Dietrich Genscher und Werner Maihofer, ehe er von 1978 bis 1982 selbst das Amt des Bundesminister des Innern bekleidete. Baum gilt neben Burkhard Hirsch und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als profiliertester Vertreter des linksliberalen Flügels der FDP, der sich für den Schutz von Bürgerrechten einsetzt und deren Einschränkung durch staatliche Überwachungsmaßnahmen zu verhindern sucht.

Sein Aufruf kann nur jedem empfohlen werden, der sich im Netz bewegt und dort sein Leben auf die eine oder andere Art preisgibt. Wir sollten dringend über diese Frage mehr nachdenken, bevor es zu spät ist.

Was ist uns unsere Würde noch wert und was tun wir für ihren Erhalt?

http://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/grundrechte-im-netz-wacht-auf-es-geht-um-die-menschenwuerde-12235479.html
jt 20.6.13

Mittwoch, 19. Juni 2013

Erwartungsgemäß normal

Die Zeit der Wunder ist vorbei, wer heute Politik macht, zelebriert die Kunst des Machbaren. Wenn die Visionen nicht nur zum Arzt führen, sondern über das eigene Ego hinaus reichen, ein Politiker sich auf Kant beruft, globale Zusammenhänge skizziert, dann können wir uns eigentlich freuen.

Gute Absichten sind viel nach zu vielen Jahren Bush und dem Symptom kollektiver Verblödung. Wer wollte sich da über einen lockeren Redner beschweren, der wirklich die Ärmel angemessen  hochkrempelte und allen zu rief, lasst uns unter Freunden locker sein, es ist heiß in Berlin.

Wir können ja auch alle verstehen, warum er nicht alles von dem schafft, was er gerne will, der Präsident hinter Panzerglas. Wir wollen ihn gerne wieder mögen, den Helden im Weißen Haus, der so wunderbar reden kann.

Ja, es gab keine großen Überraschungen, es war zu heiß für vieles und dennoch, da war nichts schlechtes an dieser Rede, ein sympathischer Mann, ein mitreißender Redner, wie es unter den Beamten der deutschen Politikverwaltung nicht einen gibt. Eigentlich beruhigend zu sehen, dass die große Weltmacht in der Hand eines so weitsichtigen Mannes liegt, könnten wir glatt meinen.

Er steht in Zwängen, die ihn daran hindern, vieles von dem, was er gern wollen würde, umzusetzen. Die alte normative Kraft des faktischen, sollten wir Deutschen doch gerade gut verstehen können. Zu gern verzeihen wir diesem lieben Mann und glauben ihm seine gute Absichten, was bleibt uns auch, wer wenn nicht er, sollte noch etwas bewegen wollen oder können - vergleicht die Reden von Merkel und  Wowereit und ihr seid alle bereit, dem einzigen Politiker etwas zuzutrauen, er kann es und er wagt es in großen Feldern zu denken, ohne nur festzustellen dass manche Felder eben weit sind.

Ist diese Kritiklosigkeit gegenüber BigBrother aus Washington nun neue Verblendung, schlichtes Schwarmverhalten oder hielte es auch einer kritischen Prüfung stand?

Er hat nahezu keines seiner Ziele erreicht, er erneuert nur Versprechen, lässt weiter überwachen, will nur Guantanamo schließen, wie vor 5 Jahren und lebt sichtbar gefährdet, noch ist Amerika im Krieg gegen den Terror, den seine Vorgänger begannen.

Aber eines unterscheidet ihm deutlich von anderen Staatsoberhäuptern und lässt die infolge faktische Unfähigkeit, die Welt real merklich zu verbessern, gerne verzeihen. Er sucht den Dialog, will gemeinsame Lösungen, strebt nach Vereinbarungen und so scheint es der besten Absichten eben Schicksal, dass es in einer komplexer gewordenen Welt keine einfachen Antworten mehr gibt.

Dies zu erkennen, das Richtige zumindest zu wollen, ist wohl viel längst.  Die Sachwalter managen ein komplexes Gebilde und wer da, wie Obama heute noch Zusammenhänge erkennt, die großen Aufgaben benennt und Kant im Kontext kennt, der hat wohl schon viel und ist ein Glück, auch wenn sich am Ende nicht riesig viel ändern wird, wie auch?

Fast sind wir sogar geneigt, ihm diese verfluchte  amerikanische dreifache Segensformel wieder zu verzeihen, die den Schluss der Rede bildete. Auch wenn sie uns kultivierten Europäern eher atavistisch vorkommt und diese Anrufung von Segen irgendwelcher erdachter höherer Wesen nach einer komplexen weltpolitischen Rede, dem vorigen wieder den Hauch von Lächerlichkeit und Aberglauben gibt. Wen kann in einer  multikulturellen Welt noch ernst nehmen, der mit einem Hokuspokus Segen schließt, wären wir logisch geneigt zu denken, aber auch diesen wohl  amerikanischem Lokalkolorit geschuldeten Unsinn verzeihen wir diesmal gerne.

Vielleicht bleibt die wichtigste Frage nach diesem Besuch, was tun wir, damit sich etwas ändert und warum hat Deutschland so gnadenlos schlechte Redner und wenig inspirierte Denker in der Politik.
jt 19.6.13

Dienstag, 18. Juni 2013

Im Berliner Ensemble

Schweijk im 2. Weltkrieg

Am warmen Sommerabend spielt das BE die Geschichte vom braven Soldaten Schweijk, wie er in den 2. Weltkrieg kam.

Mit dem SS Mann am Tisch vorsichtig plaudernd und die wunderbare Antoni dazwischen singend, nimmt Brecht mit Weil die alte Geschichte wieder auf, die er schon im Exil schrieb.

Schnell geht es um die Liebe, die sich am möglichen Fleisch misst. Das gerade gemeldete Attentat auf den Führer wird zum Grund eleganter Doppeldeutigkeiten. Die Welteroberung als Ziel führt den armen Schweijk zur Gestapo.

Nun im Hauptquartier beginnt das Verhör des Schweijk. Es geht um Geständnisse und die tatsächliche Blödheit des Schweijk. Über die Hundeliebe ändert sich das Gespräch und der für blöd gehaltene wird mit der Aufgabe entlassen, der Frau des Kommandeurs einen Spitz zu besorgen.

Zart mit ihrer Weiblichkeit spielend singt die große Antoni uns von der Ernte des Obstes und der Lust daran. Der zurückgekehrte Schweijk verhandelt über seine Zukunft. Im Handlesen wird die Zukunft des SS Mannes gelesen, bis der aus Furcht flieht. Der nach dessen Abgang wiederkehrende SS Spion versucht erneut einen der Gäste zu überführen.

Weiter nehmen die Ereignisse zu Prag ihren Lauf. In den Moldauanlagen geht es um den Spitz und ein Lied von den reifen Pflaumen, das die Chance zum Hundediebstahl gibt.

Die Verhaftung zum Dienst an der Heimatfront führt auf neue Wege. Als Waggonschieber tun sie ihren Dienst und er handelt mit der SS. Dann geht es um Gulasch und neue Berechnungen, die zu vollständiger Verwirrung führen.

Das folgende Tanzvergnügen zur Übertönung des Londoner Senders tarnt die Wirtin, als die unsere geschätzte Antoni brilliert.

Klarinette und Klavier begleiten dann die erwartbar moralischen Gesänge von Brecht und Weil im üblichen Schema.

Als der Gestapo Chef kommt, den Spitz zu holen, ist der schon geschlachtet und als Gulasch Grundlage gebracht worden. Wieder wird Schweijk abgeführt und im verbliebenen Kneipraum singt die Antoni von den drei Kaisern in Prag und gibt dem wie üblich durchsichtigen Brecht noch zarten Tiefgang. Sie allein macht diesen netten Abend wirklich groß in ihrer just  geprügelten Größe.

Nun im Gefängnis trifft der brave Soldat auf den Eigentümer des Spitz und singt ihm eine neue Variante des Horst Wessel Liedes vor über die geschlachteten Viecher die der Metzger die Augen fest geschlossen an seiner Schlachtbank anmarschieren lässt.

Als nun endlich der brave Soldat als verdonnerter Freiwilliger allein gen Stalingrad marschiert trifft er auf die singende Truppe in russischem Schnee, die vom irgendwie Überleben in typisch durchsichtig brechtscher Moral tönen.

Rudolf darf dann noch die Liebe mit genug Fleisch beweisen und die auch im Winkel noch Raum füllende Antoni küssen, die nun im Schleier das Lied vom Kelch singt, während der brave Soldat im Schnee marschiert und dort auf seinen zwergenhaften Führer trifft und sich nur entscheiden muss, ob er auf ihn schießt oder scheißt.

Der am Ende aufbrausende große Applaus trotzt der großen Hitze und ganz angemessen kommen die Antoni und der brave Soldat als letzte zur Krönung. Ein trotz säuerlicher Brechtscher Moral lachender Abend.
jt 18.6.13

Montag, 17. Juni 2013

Einige zuviel

Vom ehrenvollen Abgang auf gekenterten Schiffen

Die Sozialdemokratie hat derzeit zuviele und nichts wirklich, was es bräuchte, um erfolgreich zu sein.

Sie hat einen Kandidaten, hinter dem zuviele in der Partei nicht stehen, unter ihnen auch mehr oder weniger der Vorsitzende, der sich nur noch nicht im Wahlkampf verbrauchen wollte.

Dann hat sie eine graue Eminenz, der heute noch eine große Mehrheit angeblich hätte, die er als Kanzler nie hatte.

Die drei Spitzen verbindet wenig, außer die Generalsekretärin, die keiner von ihnen in irgendeiner Verantwortung sehen möchte, jedenfalls nicht mehr als sie hat.

Am Erfolg ihres  Vorhabens hat keiner so ein wirkliches Interesse, im Gegenteil, wie der unerwünschte Kandidat deutlich machte, der zeigte, dass er zumindest mit Würde zu verlieren gedenke.

Warum nun diese Farce der uneinigen Partei, die sich  bequemt, dem Wunsch der grauen Eminenz zu folgen aber alles nur mögliche tut, den von Instituten neuerdings zumindest für möglich erklärten Sieg zu verhindern, konnte mir noch keiner vernünftig erklären.

Drei sind zwei zuviel, um die Führung im Land zu übernehmen. Solange sich die Partei zwischen rechts und links weiter aufreibt, ist sie nicht wirklich wählbar, denn welcher Bürger gäbe dem uneinigen Haufen einen Auftrag über vier Jahre, bei dem schon unklar ist, ob er sich überhaupt auf eine einzige Linie einigen könnte, wenn schon der Vorsitzende alles tut eine mögliche Mehrheit und die Teilen seiner Partei nicht vermittelbare dann Politik des Kandidaten zu verhindern.

Mit dieser Truppe wäre es vermutlich am besten, wenn die Kanzler wie Beamte auf Zeit abwechselnd bestellt werden, dann müssten sie sich nicht mehr ewig intern rechtfertigen, sondern bekämen zugeteilt.

Nicht ersichtlich wird dabei leider, um welche Politik es geht, warum Peer Steinbrück der kompetentere Kanzler wäre und warum Europa nun einen einenden Kopf braucht, statt einer sparsamen Märkerin, über die ja schon Fontane schrieb, sie halten ihren Geiz für Großzügigkeit und halten sich diese noch ein Leben lang zu Gute, statt etwas zu bewegen.

Warum nun tut sich einer, der erfolgreich genug war, anerkannt ist, als kompetenter gilt, denn die Kanzlerin diese Tortur an, sich von einer uneinigen Partei nie tragen zu lassen?

Kann dem Kandidaten nur raten, entweder im Handstreich diese Partei zu übernehmen, oder auch alles weitere zu sparen, mit dieser Truppe im Rücken, die den Kandidat zu Teilen bis heute absägen will, sollte er seine Energie sinnvoller für unser Land nutzen, um gute Vorträge zu halten, die auch weiter so gut bezahlt würden, weil er einfach gut ist, was in der deutschen Sozialdemokratie noch nie ein Kriterium der Anerkennung war.

Lieber sollen bis heute die Unterschiede eingeebnet werden, zwanghaft in den Schulen und im übrigen nach jeweiliger Mode.

Die SPD hat den in der Krise kompetentesten  Kandidaten, den Retter in der ersten Phase, einen mit viel Erfahrung, aber solange diese Partei alles tut, Kompetenz zu verhindern, um Ideologie mehr Raum zu geben, ist es doch beruhigend, dass sie so nie eine Mehrheit finden wird in diesem Land und so gesehen, ist wenig ersichtlich, was dafür spräche, sich dafür zu engagieren, dass ein Mann, wie die heutige graue Eminenz damals selbst,  öffentlich von seiner eitlen Partei demontiert wird.

Solange es so ist, sollte die SPD in einem Akt nationaler Solidarität auf jeden Wahlkampf verzichten, das Geld den Flutopfern und den besonders schweren Fällen von Hartz IV spenden, vermutlich brächte es mehr Stimmen als dies Theater.
jt 17.6.13