Montag, 2. November 2020

Coronasophie Tag 4

Eine Runde allein um den Platz
Flaniert zwei Zigaretten geraucht
Vorbeilaufende Bekannte gegrüßt
Kurz einem Künstler gelauscht der
Vor einer Galerie sitzend ein Gedicht
Rezitierte an das er sich erinnerte was
Der seltsamen Stimmung etwas sehr
Schönes für einen Moment gab auch
Wenn ich noch nicht weiß ob ich der
Aufforderung des kurdischen Freundes
Der auch dort saß folgen werde morgen
Als Kiezdichter eines über die von hier
Zu rezitieren weil ich ungerne nach
Auftrag schreibe und lieber frei bin eine
Verabredung zum Happening gerade
Doch etwas unpassend noch finde aber
Es zeigt wie besondere Situationen auch
Manchmal besondere Momente gebären
Alle sonst auf den Straßen schienen sehr
Vorsichtig hielten Abstand und grüßten
Weit mehr als sonst hetzten sogar weniger
Dieses Moment des Innehaltens gefällt mir
Am gerade Lockdown besonders gut
Es könnte diese Krankheit nebenbei
Vielen etwas schenken was schon lange
Verloren schien die Entdeckung der
Langsamkeit als schöner Luxus wäre
Besser als Jammern und Klagen wie es
Überall im Land nun Wirte bis Bordelle
Versuchen ihren Verdienst zu sichern
Es mag ungerecht und willkürlich scheinen
Warum es nun diese Berufsgruppen trifft
Jene aber weniger doch wer heute
Den erstaunlich emotionalen Erklärungen
Der Kanzlerin zuhörte um was es geht
Las was Drosten über die Triage sagte
Während ich zeitgleich darüber schrieb
Was eine zufällige Koinzidenz war aber
Doch zeigt wie naheliegend gerade jetzt
Bestimmte Gedanken sind und wie froh
Sein kann wer vorausschauend regiert
Wird statt planlos im Chaos zu landen
Es ist noch nicht alles so schlimm hier
Wie in Italien Frankreich oder Spanien
Von Britannien lieber nur zu schweigen
Was gute Gründe in der Vorsicht hat
Warum wir noch ohne Hausarrest hier
Leben dürfen und dabei relativ frei
Sogar die relative Ruhe genießen
Können wenn wir sie erkennen was
Vermutlich noch einigen schwer fällt
Zwar halte ich Weihnachten mit der
Familie wie die Kanzlerin hoffte für
Völlig illusorisch aber es gibt eine
Echte Chance die Triage doch noch
Zu vermeiden damit hier keiner über
Das Leben der anderen entscheidet
So kritisch ich Merkel früher auch sah
So positiv finde ich ihre nur Appelle an
Den Gemeinsinn und die Verantwortung
Die vor Kampf oder Verordnung kommen
Wie sie andernorts verkündet werden
Es bestätigt die Haltung der Freiheit als
Beste Möglichkeit der Gestaltung weil es
Auf die einzelnen und ihre Haltung ankommt
Jeder möglichst frei mitgestalten kann den
Schlimmsten Fall zu verhindern um lieber
Zu retten was zu retten ist statt sich einfach
Autoritären Auflagen nur zu fügen was
Völlig unaufgeklärt wäre im Sinne einer
Befreiung aus der selbstverschuldeten
Unmündigkeit über die ich nun schon
Genug die Tage vorher auch schieb
Es bleibt richtig und fühlt sich gut an
Aber dauernde Wiederholung macht
Nichts besser sondern nervt alle die
Vermutlich schon genervt genug sind
Auch wenn Zeit genug zur Entspannung
Für alle Gestressten jetzt sich fände
Aber schön ist es doch festzustellen
Wenn die Regierung wie du begründet
Was ethisch geboten und gut wäre
Sehe mich also am Ende des vierten
Tages bestätigt und freue mich dass
Auch die Regierung mir nun folgt oder
Etwas weniger anmaßend lieber denn
Bescheidenheit ist preußische Tugend
Sagen wir hier gern die Sparsamkeit
Die Fontane hässlichen Geiz nannte
Von dem er schöne Geschichten uns
Etwa in den Wanderungen überlieferte
Als hehre Tugend noch gut zu tarnen
Jedenfalls an dieser Stelle irgendwie
Über sich lachend nun auf den gleichen
Philosophen aus Königsberg setzt
Eine moralische Pflicht zu begründen
Womit auch am Ende dieses Tages
Alles gut scheint und der gerade
Stürmische Regen draußen es nicht
Reizvoll macht noch rauszugehen
Es sind keine wirklich guten Zeiten
Aber es könnte wesentlich schlimmer
Noch sein denke ich beim Blick über
Den großen Teich und was hoffentlich
Bald ein demokratisches Ende findet
Die Welt auch in diesen Zeiten noch
Wieder ein Stück besser machte

jens tuengerthal 2.11.20

Menschennatur

"Der Mensch ist darum unglücklich, weil er die Natur verkennt."

Paul-Henry Thiry D'Holbach in System der Natur, Frankfurt und Leipzig 1791, Erster Theil. Vorerinnerung des Verfassers. S. XI.
(Original frz.: « L'homme n'est malheureux que parce qu'il méconnaît la nature. » - Système de la nature. Londres 1770, Préface de l'auteur)

Was tun wir also um mit unserer Natur
Glücklich zu sein statt sich darüber
Zu grämen dass es ist wie es ist
Was kann uns helfen dieses Glück
Für ein Leben zu erhalten um so
Das beste aller Leben zu führen
Wie zufrieden damit zu sein dass
Alles seinen natürlichen Gang geht
Wir nur entscheiden können ob wir
Dabei glücklich und zufrieden sind
Oder nicht weil die Fähigkeit zur
Destruktion auch zu unseren
Natürlichem Begabungen zählt
Welche die Natur die ist was sie ist
Ohne jede Bewertung ignoriert
Viele Menschen hadern mit ihrer
Natur die manche Verrückte sogar
Einem anderen Ideal entsprechend
Operativ anpassen wollen was das
Unglück im Verkennen der Natur
Besser beschreibt als viele Worte
Welch unaufgeklärte Haltung eines
Sich entfremdeten Menschen treibt
Narren zu solchem Denken bei dem
Sie Normen der Ästhetik lieber
Entsprechen wollen als mit ihrer
Glücklich zu sein was als Beispiel
Der Erläuterung nur gedacht doch
Besser den Geist der Zeit trifft
Die sich auf Instagram in Selfies
Auf bearbeiteten Bildern präsentiert
Auch wenn sie in Happenings 
Sich ungeschminkt präsentiert
Nie mit ihrer Natur zufrieden ist
Wie kaum Befriedigung findet je
Weil von Selbstzweifeln zerfressen
Statt die Natur zu nehmen wie sie
Eben ist als Mittel zum Genuss
Träumen viele junge Menschen heute
Von Operationen dem Ideal des
Durchschnitts besser zu genügen
Weil sie mit ihrer Natur unglücklich
Sie wie deren Wert verkennen
Dabei heißt aufgeklärt befreit leben
Die Natur erkennen und akzeptieren
Was ist um damit glücklich zu sein
Wovon viele Menschen heute noch
Weiter entfernt sind als zu der Zeit
Als Baron Holbach seine damals
Revolutionär atheistischen Gedanken
Im vorrevolutionären Frankreich der
Enzyklopädisten im Kreis jener die
Les philosophes genannt wurden
Veröffentlichte was allerdings um
Ihm die Bastille zu ersparen noch
Unter Pseudonym in Leiden geschah
Während sein Salon in dem sich
Die großen Geister der Zeit von
Diderot über Rousseau Hume bis
Zu Sterne und Voltaire trafen der
Im Paris der Aufklärung berühmt
Als Gemeinschaft der Atheisten war
Zu der auch der Abbé Galiani als
Italienischer Gegenpol gehörte
Und der Geist von Facebook bis
Instagram mit seiner bilderseligen
Oberflächlichkeit zeigt uns wie nötig
Aufklärung heute wieder ist statt
Sexueller Selbstreflexion allein die
Mit sich meist unglücklich bleibt
Weil sie fern ihrer Natur doch sind
Außer es gäbe nicht mehr dort zu
Erkennen als hohlen Anschein
Den zu ändern höchste Zeit ist
Um sich selbst zu befreien aus
Dieser naturfernen Unmündigkeit
Ein aufgeklärtes Leben zu führen

jens tuengerthal 2.11.20

Triagedrohung

Damit Medizin auch in der
Katastrophe einer Pandemie
Noch effektiv funktioniert muss
Wenn Personal oder Betten fehlen
Entschieden werden wer noch
Weiterleben darf und wer nicht
Diese Fälle waren bisher nur
Theoretisch werden aber bald
Auch in Deutschland ganz real
Fraglich ist wer entscheiden darf
Ob es Ärzten nach Sachverstand
Überlassen bleiben soll oder dazu
Ein Gericht über den Tod verfügt
Der beim Ende der Beatmung die
Nur mangels Kapazität unmöglich
Wurde sicher erfolgt und ob das
Eine Tötung durch Unterlassung ist
Über die nach dem Grundgesetz
Keiner verfügen darf weil irreversibel
Die Todesstrafe abgeschafft sowie
Leben und Würde geschützt sind
Warum diese Entscheidung auch
Von egal wem getroffen nie legitim
Wird aller Ethik-Erklärungen zum
Trotz die rechtlich wirkungslos sind
Angesichts des hohen Wertes des
Hier gefährdeten Rechtsgutes womit
Mediziner die retten wollen wie im
Notfall entscheiden müssen sich
Dem Risiko hoher Strafbarkeit
Aussetzen die nicht verhinderbar
Weil Leben nicht relativierbar ist
Diese Bedrohung schien vielen als
Bloßes Horrorszenario weil doch
Deutschland gut gerüstet wäre
So verlor sich die Diskussion über
Die Triage über den Sommer wieder
Nun kehrt sie bedrohlich zurück weil
Es zwar vielleicht genug Betten gibt
Aber viel zu wenig Personal für sie
Eine mehrwöchige Beatmung bei
Hohem eigenen Risiko nicht mehr
Real zu leisten ist für alle vermutlich
Ab Ende November bis Dezember
Wer übernimmt dann die Verantwortung
Ein kriminelles Verhalten was aber
Die Umstände nötig machen noch
Zu legitimieren wenn es zu spät ist
Juristisch wäre jedem Arzt zu raten
Die Anästhesie nun zu vermeiden
Welche aber am dringendsten doch
Unterstützung braucht weil es keine
Rechtssicherheit für sie geben kann
Wie ein Staat funktionieren soll der
Retter zu Tätern macht bleibt dabei
So unklar wie vieles in diesen Zeiten
Auch darum ist es nun so nötig die
Zahl der Infektionen zu reduzieren
Wieder die Kontrolle zu bekommen
Um das Damoklesschwert der Triage
Noch möglichst zu verhindern auf
Das wir im Augenblick zurasen
Wer das verhindert sollte sich auch
Als Täter einer Tötung verantworten
Aber die Ärzte werden bestraft 
Nicht die Leichtsinnigen

jens tuengerthal 2.11.20

Sonntag, 1. November 2020

Coronasophie Tag 3

Am dritten Tag des Lockdown
Der offiziell in einer Viertelstunde
Für alle beginnt den ich aber um
Der Freiheit willen vorzog nur zwei
Runden um den Platz gedreht wo
Sichtbar wie hörbar noch einige
Abschied von der Freiheit feierten
Dabei sich etwas versprechend
Um die vier Wochen durchzuhalten
Denen sie sich ausgeliefert fühlen
Im Gegensatz zu mir der nur tut
Was nötig und angemessen ist
Seinem Gewissen dabei folgt
Bei der letzten Runde gerade eben
Um Viertel nach elf waren schon
Alle Bars weitgehend geschlossen
Hielten sich an die Vorschriften
Vor einigen tummelten sich noch
Menschen bis die schon hörbare
Polizei kommen wird um dem dort
Treiben ein Ende zu setzen dem
Die meisten dann wohl murrend
Folge leisten werden die sich dabei
Über die lästige Gängelei wie sie es
Empfinden ein wenig schimpfend
Noch aufregen aber im ganzen war
Die Stimmung sehr ausgelassen
Vor einer Bar in der sonst Live-Musik
Zu hören ist spielten Musiker inmitten
Einer Traube Menschen noch weiter
Was zugegeben sehr schön klang 
Guter Jazz mit feinem Swing aus den
In die herbstliche Luft dort gespielten
Instrumenten luden auch mich zum
Stehenbleiben und zuhören eigentlich
Ein während meine Füße bereits im Takt 
Wippten kostete es etwas Überwindung
Daran einfach lächelnd vorbeizugehen
Die Bekannten freundlich zu grüßen
Im Wissen es würde nicht mehr lange
Gehen dann aber Wochen dauern bis
Wieder Musik hier zu hören sein wird
Leichter fiel es mit in dem Wissen dass
Diese noch kurze Veranstaltung bald
Von der Polizei aufgelöst werden wird
Nicht aus Missgunst im Gegenteil denn
Die Musik war sehr gut und schön die
Gute Stimmung auf der Straße lud ein
Dort zu verweilen und es zu genießen
Solange es noch möglich ist und ich will
Über diejenigen die es tun keinesfalls
Moralisch urteilen sondern verstehe sie
Zu gut mag diese spontanen Konzerte
Doch wollte ich aus freien Stücken gehen
Obwohl ich es sehr schön fand auch
Viele sympathische Menschen da waren
Die für ihre Musik sogar eine Strafe noch
Riskierten die ich nicht fürchtete sondern
Es war mir wichtig nicht in den vernünftigen
Wie nötigen Lockdown gezwungen zu werden
Sondern ihn freiwillig zu wählen womit es
So schwer es zugegeben fiel nicht der Lust
An der Stimmung nachzugeben sondern
Aus freien Stücken gegangen zu sein um
Nach meinem Gewissen dem zu folgen
Was ich nötig und richtig gerade finde so
Fragwürdig es im Detail auch sein mag
Gerade im speziellen Fall scheint auch
Eine bestimmte Festlegung willkürlich 
Besonders Musik heilsame Wirkung hat
Menschen verbindet ihnen gut tut wohl
Sein könnte denke ich dennoch es ist nötig
Nun zu handeln und das Leben für eine
Zeit zu unterbrechen um damit die hohen
Infektionszahlen zu unterbrechen und so
Die Überforderung des Systems noch zu
Verhindern wie wir sie schon kennen
Wünschte mir es geschähe im ganzen
Freiwillig ohne staatliche Kontrolle wie
Strafen bin jedoch nicht naiv genug zu
Glauben die Gesellschaft sei bereits
Aufgeklärt und vernünftig genug so zu
Reagieren wie es Vernunft und Gewissen
Fordern wie es sich gerade wieder zeigte
Wenn noch auf der Straße gefeiert wird
Bis die Polizei kommt und es verbietet
Sich Menschen damit freiwillig lieber der
Staatlichen Autorität unterwerfen lassen
Um über die Gängelei zu klagen der sie
Dann doch nicht wirklich widerstehen wollen
Was eine gewisse Inkonsequenz wie auch
Paradoxie mit sich bringt die im Ergebnis
Nur unzufrieden machen kann weil leider
Nicht alles vernünftig abläuft sondern die
Meisten Menschen lieber dem Gefühl oder
Der Stimmung in einer Situation folgen
Die ich zu gerne geteilt hätte jedoch das
Gefühl daran vom Staat gehindert zu werden
Sich dann dieser Autorität beugen zu müssen
Viel schlimmer finde als vernünftig zu sein
So fühle ich mich letztlich besser wenn ich
Dem Gefühl der Freiheit folge als dem des
Widerstandes gegen das was ich richtig finde
Und so spielen bei dem kategorischen Entschluss
Den ich nach kantschen Grundsätzen fällte doch
Gefühle eine größere Rolle mit denen ich mich
Besser fühle auch wenn ich dafür einem Trieb
Die Situation zu genießen widerstehen muss
Weil natürlich beide Elemente in mir sind aber
Das Gefühl mit gutem Gewissen zu handeln
Letztlich stärker war als die Lust am Moment
Langfristig größere Befriedigung mir beschert
Denke ich während ich nun darüber schreibe
So ist auch eine vernünftige Entscheidung die
Das Gewissen mir vorgab eine Gefühlssache
Ist für mich das Gefühl der Freiheit wichtiger
Als die Sehnsucht nach dieser Stimmung die
Mit Musik viel schönes auch bewegt es leicht
Wäre sich dort zu solidarisieren mit den Opfern
Über den bösen Staat zu schimpfen um dann
In der Gemeinschaft noch zu feiern statt schon
Vorgezogen allein zuhause zu sitzen wieder
Aber im Ergebnis fühle ich mich so viel besser
Weil ich tue was ich gut und richtig finde damit
Verhindern kann ein Opfer zu werden sondern
Lieber als Retter versuche das bestmögliche
In dieser Situation noch zu erreichen wobei
Sich das Mitleid mit den nun Opfern die sich
Von der Polizei gegängelt sehen noch relativ
Überschaubar bleibt sie haben ja die Wahl
Vernünftig zu handeln oder Opfer zu werden
Also unaufgeklärt zu handeln weil es egal ist
Ob dieses oder jenes Detail einer Maßnahme
Nun richtig und vernünftig ist es einzig auf die
Notwendigkeit eines Einschnittes ankommt
So verteidige ich lieber als freier Mensch
Die Grundsätze der Aufklärung als das ich
Unfrei Opfer notwendiger Maßnahmen werde
Die nur leugnen kann wer nicht bei Verstand
Mehr ist ohne über Details zu diskutieren die
Ansonsten sicher strittig sein können gerade
Aber vor dem exponentiellen Wachstum nur
Schlicht winzig und egal werden wenn es um
Menschenleben geht egal wie lästig nun die
Maßnahmen sein mögen bewirken sie nach
Ganz herrschender Meinung den nötigen
Bruch der viel an Elend verhindern kann
So kann ein Spaziergang um den Platz
Den philosophischen Einsiedler in seinem
Bücherturm genug anregen sich darüber
Klar zu werden warum gut und richtig ist
Was ich gerade tue und ich mich dabei
Noch besser fühle als mit jedem anderen
Gerade unsinnigen Vergnügen hoffe nur
Die Polizei verhält sich noch nachsichtig
Produziert nicht noch Märtyrer unter denen
Die lieber Opfer als frei sein wollen denn
Wie wir es auch drehen es musste etwas
Geschehen schlimmeres zu verhindern
Hoffen wir es kommen in den vier Wochen
Mehr zu der Erkenntnis dass es sich viel
Besser anfühlt so von sich aus zu handeln
Statt sich für einen Widerstand zu opfern
Der keinen Gewinn bringen kann als die
Zahl der Erkrankungen zu erhöhen aber
Der Trotz der vermeintlichen Opfer wird
Es schwer gegen die Vernunft haben
Warum das Gefühl etwas Gutes zu tun
Weiter bringen könnte an dieser Stelle
Und so endet auch alle Vernunft letztlich
Bei einem bloßen Gefühl damit wir uns
Damit auch wohlfühlen worauf es doch
Jeder Begründung zum Trotz ankommt
Bin gespannt wie es nun weitergeht

jens tuengerthal 1.11.20

Bibelliebe

Von wahrhaft biblischer Liebe
Dichtet Petrarca für seine eine
Bei der unklar ob es sie je gab
Auch Thomas Mann dichtete
Wenn auch in ungebrochener Prosa
In Joseph und seine Brüder
Er der seiner Katia real treu war
Vom mentalen schweigen wir
Knaben sind nicht mein Thema
Doch zurück zum Roman lieber
Für seine eine große Liebe lässt
Jakob sich mit Rahels Vater
Dem geizigen Sklaventreiber ein
Weil er leichtsinnig seine Stärke
In den Verhandlungen verspielt
Nicht beide Schwestern zugleich
Freien will sondern nur die eine
Die er doch über alles liebt was
Immer ein schlechtes Argument
In Verhandlungen mit Händlern
Weil Liebe keinen Preis hat ist
Lese es und bin ganz gerührt
Frage mich ob ich mich je für
Sieben Jahre als Knecht nur
Um eine Frau zu erlangen
Verpflichten noch würde was
Der Liebe aber biblischen
Charakter über alle Zeit gäbe
Muss es zum Glück gerade
Nicht wirklich entscheiden
Überlege nur ob die Verlobung
Nicht Anfang der Sklaverei ist
In die ich schon viermal nun
Freiwillig ging warum ich wohl
Allen dankbar sein sollte die mich
Vor weiterem Elend bewahrten
Oder wie meine guten Geliebten
Dies gegenwärtig erfolgreich tun
Auch als nach drei mal drei Jahren
Und drei Monaten noch dazu mit
Lächerlichem Drama endete was
Die längste und soweit bekannt
Folgenreichste Beziehung war
Hätte ich still und dankbar sein
Sollen statt empört über die mir
Widerfahrene Ungerechtigkeit die
In der Liebe keinen Maßstab kennt
Sie beschwor es sicher umgekehrt
Was war meine Kleine die mich
Heulend und verzweifelt damals
Zurückließ für eine gute Muse
Mit wahrhaft biblischer Qualität
Sobald sie endlich weg war wie
Großem Drama von Beginn an
Was ohne sachlichen Grund
Wie in der Liebe so üblich aus
Nichts alles Leben zauberte um
Spurlos zu verschwinden was
Dankbar mich heute macht in
Anbetracht der realen Freiheit
Die irgendwann erkennen ließ
Große biblische Liebe taugt
Viel in der Literatur aber wenig
In des Lebens rauhen Alltag
Musste 50 noch werden um
Zu merken was gut tut wie
Den Traum von biblischer
Liebe die alles erfasst um
Für immer zu bleiben endlich
Zu beerdigen oder doch
Zumindest den Vorsatz dazu
Voll Überzeugung zu fassen
Bis wieder mir eine bíblisch
Das Herz raubt wovor sich
Atheisten besser hüten sollten
Denn ohne lebt sich schlecht
Aber darüber dichten tut gut
Weil es so anmaßend grenzenlos
Alles auf einmal erfasst und so
Hab ich im Leben genug erlebt
Endlich davon zu erzählen
Auch wenn es ehrlich gesagt
Seit vielen Jahrtausenden immer
Die gleiche Geschichte noch ist
Darum bin ich nun lieber Dichter
Über die Liebe als ihr Opfer
Aber jeder Vorsatz ist nichts
Wenn das Gefühl es will

jens tuengerthal 1.11.20

Zigeunerleben

Zigeunerleben

Lustig ist das Zigeunerleben,
Faria, fariaho.
Brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben,
Faria, fariaho.
Lustig ist's im grünen Wald,
Wo des Zigeuners Aufenthalt.
Faria, faria, faria, faria,
Faria, fariaho.

War früher ein deutsches Volkslied
Was seit sie Sinti und Roma heißen
Oder doch genannt werden sollen weil
Zigeuner diskriminierend ist ein wenig
In der Versenkung verschwand doch
Seit der Ankunft vieler Flüchtlinge
Auch aus dem Kosovo hat das Thema
Auch in Berliner Hinterhöfen eine
Neue Aktualität gewonnen die
Schlicht unüberhörbar meist ist
Was nicht verwundert wenn dort
Neun Personen in zwei Zimmern
Eng zusammenleben müssen
Auch woher die von der Stadt
Eingewiesenen Flüchtlinge das
Geld für große Autos haben geht
Den Nachbarn dem neulich das
Rad vom Hof geklaut wurde
Nichts an er ist ja offen tolerant
Hat geholfen als die Flüchtlinge
Alle kamen sie willkommen zu
Heißen damals in der Turnhalle
Da wird eben das Fenster auch
Im Sommer geschlossen weil es
Immer laut ist mit Geschrei bei dem
In diesem ordentlich ehrenwerten
Haus längst wer die Polizei gerufen
Oder sorgenvoll nachgefragt hätte
Nun tun wir nichts und üben uns
In Toleranz gegenüber dieser Art
Zu leben die hier nicht reinpasst
Wie manche insgeheim flüstern
Weil wir es natürlich schaffen wollen
Manchmal fällt es auch schwer
Aber so ist das eben am Berg
Keiner singt mehr lustig ist das
Zigeunerleben dafür üben wir
Die Nachbarn aus dem Kosovo
Still zu ertragen was nicht
Immer ganz einfach ist aber
Wir sind sicher wir schaffen das
Will ja keiner intolerant hier sein
Manchmal nur frage ich mich
Was die Nazis im roten Wedding
Einst so stark machen konnte
Vorurteile hat ja keiner mehr

jens tuengerthal 1.11.20

Austauschbarkeit

Die virtuelle Liebe ist so
Herrlich austauschbar ein
Kleines Vergnügen zur
Unterhaltung mit gewissen
Sportlichen Effekten auch
Wenn es zum Sex kommt
Was gelegentlich passiert
Aber unwichtig eher ist
Doch hängt nichts mehr
Nur an einer weil jede
Durch den nächsten Wisch
Ersetzbar ist alles andere
Nur eine kurze Illusion bleibt
Bekommt die Liebe Leichtigkeit
Ganz ohne überflüssige Dramen
Dient alles nur dem Vergnügen
Es bleibt fast nichts aber wir
Haben uns gut unterhalten
Dabei wenn auch eher selten
Wirklich mal miteinander was
Aber auch gefährlich wäre denn
Es könnte reale Inkompatibilität
Trotz vorher Ineinanderstecken
In aller Tiefe uns offenbaren was
Keiner wissen will der nur gute
Unterhaltung miteinander sucht
Was mehr als ein Lustgewinn
Sollte die Liebe auch noch sein
Die früher lebensgefährlich war
Und zu nichts gutem führte warum
Romeo und Julia auch tödlich nur
Enden konnte als kurzer Traum
Die Liebe könne wirklich alles
Wie eine Ewigkeit halten was
Nicht in eine Zeit mehr passt
Die messbar optimiert wird
Um gut und gesund zu sterben
Manche machen trotzdem weiter
Weil keine Alternativen in Sicht
Oder aus anderen Gründen die
Gerade in keine Skala passen
Was aber nichts macht als nur
Ausnahme solange am Ende
Wieder alles austauschbar ist
Ist alles gut und wie immer
Auf dem großen Markt der
Virtuellen Liebe im Leben

jens tuengerthal 1.11.20