Freitag, 4. September 2020

Naturkultur

Wie sehr bedingen sich Natur und Kultur?

Reproduktionsmedizin und Genetik wenden alte Kulturtechniken an, um Natur zu verändern. Wir schaffen damit Natur in ihrer eigenen Form und nutzen dazu Sprache und Zahlen, die unsere Wissenschaft hervorgebracht hat. Damit könnten die Grenzen von Natur und Kultur verschwimmen, der Zusammenhang von beidem deutlich werden.

Früher galt die klare Abgrenzung zwischen Natur und Kultur, geistiger Welt und natürlich gewachsener. Infolge der Industrialisierung haben sich immer mehr Menschen von der künstlichen Welt abgewandt und wollten zurück zur Natur, die sie als rein und gut betrachteten.

Diesen Virus hat schon Rousseau in die Welt gesetzt, der aber als einst gläubiger Mensch, der sich nie von seinen Wurzeln im Aberglauben geistig löste, die biblische Erzählung vom Paradies aufgriff und sich für ein Zurück zur Natur aussprach. Dem folgten leider nicht nur die französischen Revolutionäre und rechtfertigten damit teilweise auch ihren für viele kopflos endenden Terror sondern bis heute Millionen Menschen, die bedenkenlos die Natur idealisieren, ohne zu merken wie unmenschlich ihr Traum vom Paradies eigentlich ist, den Kant in seiner Schrift zum ewigen Frieden so wunderbar widerlegt.

Erst die Kultur machte den Menschen menschlich, brachte eine Zivilisation hervor, die zwar auch viele ökologische Nachteile mit sich bringt, aber darum nicht in ihrer Wirkung für eine unmenschliche Natur negiert werden sollte, weil so nie ein Fortschritt in der Kultur geistig erreicht werden kann. Doch ist dieses Denken tief verwurzelt in vielen Menschen, die in der Zivilisation leben und sich bei kurzen Ausflügen an der Natur als bloße Beobachter erfreuen, ohne je in ihr leben zu wollen oder zu können, deren natürliche Kriterien der Auslese für sich zu akzeptieren. Wie unkultiviert und unzivilisiert wäre es, die Gefahren des Corona-Virus zu ignorieren und den Tod hunderttausender alter und kranker Menschen zu riskieren, was bis auf wenige Covidioten auch die Mehrheit eingesehen hat, dennoch werden viele eine Impfung ignorieren wollen, die Schutz bringen könnte, weil sie meinen, die künstliche Erzeugung körpereigener Antikörper, welche die Natur imitiert, sei unnatürlich und da hilft auch keine Vernunft, weil der Glaube stärker als die Wissenschaft ist, was aber eben auch Teil unserer geistigen Kultur ist, so schädlich sie hier wirkt.

Doch der alte Gegensatz zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft, die von sich meinte, sich nur mit de, was ist, zu beschäftigen, könnte mit künstlicher Befruchtung, Klonen und Schöpfung von Leben durch andere gentechnische Methoden erledigt sein, wenn die Naturwissenschaft begriffe, dass nur die Nutzung alter Kulturtechniken sie dazu befähigt, zu beschreiben und zu erkennen, was Leben ausmacht und entstehen lässt, der Einfluss wechselseitig ist.

Der große Plan von der Weltformel, die am besten und denklogisch gleich das ganze Universum erfasst, aber, seltsam genug, trotz immer höherer Komplexität, nie die Liebe beschreiben konnte, dürfte an dieser überholten Trennung immer gescheitert sein, weil Mathematiker in schlichten Formeln dachten und Philosophen, Theologen und sonstige Geisteswissenschaftler, die Welt in Worten beschrieben. Beide überzeugt, alles zu erfassen, sahen im Wust der Komplexität nicht mehr, was ihnen dabei entscheidend immer fehlte, der Zusammenhang, der Sein erst ausmacht und alles erfasst.

Die Formel genügt so wenig, wie Verse allein je zum Beweis taugten, auch wenn sie so klug waren, wie Lukrez de rerum, Über die Dinge der Natur, was sogar Physiker wie Einstein noch als gültige und geniale Beschreibung der Welt ansahen, auch wenn es da schon 2000 Jahre alt war, weil er in Zusammenhängen dachte, wie schon Epikur vor ihm und es menschlich tat.

Leugne für gewöhnlich die Existenz einer Seele, als religiöses Subjekt, das nur aus dem Glauben stammt und keine materielle Grundlage hat, viele Menschen dazu verführt, diesem eine eigene unsterbliche Existenz zuzuschreiben. Als Begriff für die unfassbare Komplexität, die unser Sein bestimmt , könnte es aber tauglich sein. Weil unsere Entscheidungen nicht allein vom neuronalen Netzwerk in unserem Hirn getroffen werden, sondern daran auch die Hormone teilnehmen und alle anderen Botenstoffe und Teile aus denen unser Wesen besteht und wir noch dazu inzwischen feststellen, dass Natur auch in sich lebt, also auch der genetische Code jeder Zelle noch durch äußere Einflüsse verändert werden kann, von dem wir noch sehr wenig wissen, auch wenn diese Seele natürlich sterblich wäre wie alle Natur vergänglich ist.

Bisher wurde zwischen Modifikation und Mutation unterschieden, um innere und äußere Einflüsse voneinander abzugrenzen. Doch vermutlich ist dieses eigentlich schlicht dialektische Modell zu eng und greift zu kurz. Auch Mutationen durch äußere Einflüsse sind denkbar und nachweisbar, in der Gentechnik das täglich Brot. Wie stark Erziehung, Prägung, Leidenschaft sich auch auf die Struktur der Zellen auswirken, ob und wie sie das Genom beeinflussen, wissen wir noch nicht. Manche uns unerklärlich scheinende Techniken indischer Yogi würden damit im Zusammenhang verständlicher, ohne damit das ganze sogleich begreifen zu können.

Auch der Begriff von Familie hat sich durch die neuen Techniken verändert. Wenn ich mir, gedacht er wäre bald möglich, einen Klon meiner selbst als Ersatzteillager schaffen würde, das so mein Überleben sichern könnte, verginge ich mich im Falle der Nutzung wohl strafbar an meinem nächsten Verwandten. Bin ich mit den schon bald aus eigenen Zellen züchtbaren Organen nicht auch verwandt, frage ich mich und überlege, wie und ob solche möglicherweise lebensrettenden Eingriffe begrenzt werden dürfen und müssen. Wie ist die Verwandtschaft mit einer künstlich befruchteten Eizelle, die im Reagenzglas heranwächst oder mit den Kindern homosexueller Paare, die sich bisher das eine oder andere noch leihen müssen, überlege ich und wie könnten beide Elternteile eines schwulen Paares mit ihrem gemeinsamen Kind verwandt sein, was juristisch schon für verheiratete Paare angenommen wird aber nach der Natur eine Konstruktion ist, weil wir es gewohnt sind Verwandtschaft so zu definieren, was aber nicht zwingend ist.

Unser Begriff von Verwandtschaft ist von einem patrilinearen Denken von Nähe des eigenen Blutes bestimmt. Dies bestimmt auch unser Strafrecht, was eigentlich willkürliche Entscheidungen über zulässige und unzulässige Liebe damit trifft. Wer etwa seine Schwester oder einen Abkömmling liebt, darf diesen nicht zum Partner wählen, ohne eine Straftat zu begehen, egal wie echt und aufrecht das Gefühl beider Seiten ist, weil unser Verständnis von Recht und Unrecht noch durch kirchliche Normen geprägt ist, die stärker sind als alle Vernunft und so zu Strafverfahren führen, die absurde Ergebnisse haben können, in denen sich der Staat heute noch anmaßen muss über die Zulässigkeit einer Liebe und ihren Vollzug zu entscheiden.

Die noch angeführte Behauptung, dies diene der Vermeidung von Erbkrankheiten und dafür als berühmte Beispiele, das Habsburger Kinn oder die Bluterkrankheit in den Häusern Romanow oder Valois anführt, könnte völlig falsch liegen. Es mag Gründe geben, warum eine Neukombination des genetischen Codes günstig und besser ist. Bisher wissen wir davon zu wenig das bestehende Strafrecht bestehen zu lassen, Einschränkungen von Freiheit und sogar Würde, sofern es die Liebe verböte, für etwas ungefähres zuzulassen. Genug wissen wir aber längst, mögliche Krankheiten zu erkennen und zu vermeiden. Ein Grund für Strafe als die moralische Anmaßung ist nicht erkennbar.

Aber all dies resultiert eben auch aus dem alten Verhältnis von Natur und Kultur, das als Gegensatzpaar gesehen wird und was infolge vieles aus dem Zusammenhang reißt. Sich anhand der Methoden der Gentechnik, die notwendig alte Kulturtechniken nutzt, klarzumachen, dass beides in einem unauflösbaren Zusammenhang steht und wir das Ganze nur als solches verstehen können, eines das andere beeinflusst und alles in Zusammenhang miteinander steht, könnte helfen, die Komplexität zu begreifen und gerade deshalb mit ihr achtsam und vorsichtig umzugehen.

Es ist großartig, wenn Gentechnik uns helfen kann, Krankheiten zu heilen, Leben zu retten, das Überleben von Millionen Menschen etwa in Dürregebieten zu sichern und anderes mehr. Dagegen ist nichts zu sagen, doch sich bei allem bewusst zu sein, dass wir nur kleine Zauberlehrlinge sind, die nur einen winzigen Teil der Formeln und Zusammenhänge kennen und so auch nicht alle Folgen ihres Handelns absehen können, dürfte helfen, mit unserem Wissen achtsam und vorsichtig umzugehen.

Ein zurück zur Natur als reine Lehre und eine generelle Verbannung aller Gentechnik scheint mir so unsinnig wie ihre bedenkenlose Nutzung, solange wir so wenig über die Folgen unseres Handelns wissen. Es gibt da keine klare und einfache Antwort. Der Prozess der Erkenntnis wird weitergehen. Wir müssen aus Fehlern lernen ,aber können zumindest versuchen, die Folgen so wenig gravierend wie möglich zu halten, nichts zu tun, was wir nicht mehr beherrschen können, was sicher in den nächsten Jahrzehnten eine ständige Gratwanderung wird, von der wir noch nicht wissen können, wohin sie führt.

Es genügt nicht die einfache Kenntnis der Natur nach aktuellem Wissensstand, um eine gute Lösung zu finden, sondern es wird immer wieder neue Kompromisse brauchen, die sich an den aktuellen Bedingungen orientieren, die Gesellschaft auf dem Weg mitzunehmen. Es ist Zeichen einer guten, gewachsenen politischen Kultur, solche Prozesse zu durchlaufen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Wir brauchen keine starken Führer sondern kluge Verhandler, die Lösungen und Kompromisse suchen, den komplexen Bedürfnissen der Welt gerecht zu werden. Hier müssen Kultur und Natur zusammenspielen, eine taugliche Lösung zu finden, die es nicht mit einer Sicht und einfach gibt, sondern die das Produkt eines langen diskursiven Weges sein wird und das ist vermutlich die Formel, die unsere Welt gerade dringender braucht als alles andere. Suchen wir Wege und Kompromisse auf dem Weg zu zeitweise gültiger Erkenntnis. Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners, es gibt höchstens gerade noch nicht widerlegbares Wissen, lernen wir damit umzugehen und vereinen Kultur und Natur so konstruktiv, eine ist Teil des anderen und umgekehrt.

jens tuengerthal 4.9.20

Donnerstag, 3. September 2020

Cup of tea 053

Bei einer feinen Tasse Tee
Heute einem Earl Green
Grüner Tee mit Bergamotte
Aufgegossen im Gusseisen
In alter chinesischer Form
Statt voriger nur Glaskanne
Die sich fallend just erledigte
Wie Glas es gerne mal tut
Statt sich zu ärgern gewonnen
Dem draußen Regen lauschen
Auf den Kamin dabei blicken
Der Kamin spielenden Lampe
Aber was ist schon Wirklichkeit
Wenn es zur Stimmung genügt
Verbreite hier ein Wohlgefühl
Auf dem Diwan um mich
Als lebte ich wirklich noch
In der besten aller Welten
Wie Voltaire im Candide einst
Im Geiste der Aufklärung noch
An gute Zukunft glaubend trotz
Absolutistischer Realität um ihn
Und so gesehen ist es das auch
Ein Tee ein Buch ein Kamin
Ruhiger Regen vor dem Fenster
Die Welt scheint vollkommen
Für den Moment beim Tee
Was manchmal auch genügt
Jenseits aller Sehnsucht
Bald gibt es Spekulatius
Wieder ein Jahr rum

jens tuengerthal 3.9.20

Geschlechtersex

Welche Geschlechter haben Sex und wie?

Die Eindeutigkeit hat sich erledigt. Vater, Mutter, Kind ist irgendwie vorgestrig als Modell. Auch in Ordnung, für die Mehrheit noch normal, aber nicht mehr als durchschnittlich und eben nur eine solche Variante, deren es viel mehr heute gibt und das scheint für die Mehrheit, immer normaler zu werden, zumindest in Deutschland, andere Teile der Welt sind noch lange nicht soweit.

An der Universität von Kalifornien können Student*innen heute zwischen sechs verschiedenen Angaben für das Geschlecht wählen. Nach Geschlecht getrennte Toiletten wurden an amerikanischen Universitäten 2015 abgeschafft, sie wurden der realen Vielfalt nicht mehr gerecht, dahingestellt, ob das für alle Seiten von Vorteil war, hat es sicher zu mehr Gerechtigkeit für alle die geführt, die sich nicht nur männlich oder weiblich sehen sondern irgendwo dazwischen oder als etwas eigenes und das ist ein positiver Akt gegen Diskriminierung.

Ob Trump die Quittung für den Aufstand gegen sexuelle Diskriminierung und die staatlich verordnete Politik dagegen war, mit der viele noch nicht mitkamen, ist eine andere Frage, die ich hier nicht beantworten möchte. Sicher ist aber ist, dass teilweises Unverständnis für die neue Gleichheit, zur Hinwendung eines Teiles der Bevölkerung, die mit der neuen Vielfalt nichts anfangen konnte, zu den schlichten konservativen Mustern für die Trump steht, beigetragen hat.

Auch in Deutschland begann die Bewegung in den großen Städten, allen voran Berlin, was schon lange für seine größere Freiheit in Fragen der Sexualität bekannt ist, nicht umsonst den ersten bekennend schwulen Bürgermeister hatte, viele Arten zu Leben und seine Befriedigung zu suchen, toleriert - für jede Leidenschaft eigene Clubs hat. Der gleichgeschlechtliche Sex hat hier genauso viel Tradition wie Prostitution und Clubs, in denen freier Sex praktiziert wird, jeder nach seinem Gusto Befriedigung finden kann. Sei es zu mehreren oder gefesselt, mit mehr oder weniger Körperausscheidungen. Auch im Freien, wenn es die Witterung zulässt, wird sich gerne, im Rahmen des Zulässigen und auch darüber hinaus, worüber sich dann besonders die Regenbogenpresse freut, weil Sex immer geht, der jeweiligen Leidenschaft hingegeben.

Es gibt in Berlin in Sachen Sex nichts, was es nicht gibt, zumindest im Bereich des legalen - vom anderen weiß ich wenig und möchte darum nicht weiter darauf eingehen aber schon Christiane F. berichtete aus dem damals noch geteilten Berlin von der Prostitution ganz junger Mädchen, eben Kindern eigentlich, im Umkreis des Bahnhofs Zoo. Dagegen geht der Staat inzwischen mehr oder weniger konsequent vor und die Strafbarkeit wurde dabei verschärft, was zumindest einen gewissen Schutz geben könnte. Es haben sich mir auch schon mehrfach sehr junge Damen, vermutlich aus dem Kosovo, angeboten aber ich habe mich davon immer entsetzt abgewandt und diese irgendwann nicht mehr gesehen, nicht wissend, ob sich das in der vermutlich gut vernetzten Szene herumsprach oder die Polizei dem durch stärkere Kontrollen inzwischen wirksamer der Kinderprostitution vorbeugt.

Eine gewisse Zeit verdingten sich junge Männer wohl auch aus dieser Region als Prostituierte im Tiergarten im Bereich hinter dem Schloss Bellevue, dem ehrbaren Sitz des Bundespräsidenten, wobei mir nicht bekannt wäre, dass es dabei einen Zusammenhang gäbe. Auch diese habe ich schon länger nicht mehr gesehen und sie scheinen auch ihre Zeltlager dort abgebrochen zu haben, unklar ob die Polizei auf Beschwerden hin stärker durchgriff oder nur verstärkt kontrollierte und die Szene sich schlicht verlagerte.

In der Zeit der Schließung von Bordellen und Clubs aufgrund des Lockdown, hat sich die käufliche Sexualität ins Netz begeben. Sie tauchen auf den üblichen Partnerportalen wie Tinder oder Okcupid und Finya mit für die jeweilige Altersgruppe passenden Profilen auf, die aber die professionelle Absicht deutlich machen, teilweise sogar Tarife nennen. Im übrigen dienen diese Portale auch im nichtprofessionellen Bereich vielen zur Enteckung gelegentlicher Sexualkontakte. Für diesen Bereich gibt es auch noch eigene Portale, die es nicht an Deutlichkeit bezüglich der gewünschten Varianten fehlen lassen, regen Zulauf gerade in Zeite des Lockdown hatten.

Dabei finden sich auch Transgender, Doppelgeschlechtliche und viele andere Varianten lange unklarer Zuschreibung. Facebook bietet seinen Mitgliedern inzwischen über 30 Kategorien zur Wahl des Geschlechts an und drückt damit auch einen Trend zum uneindeutigen an. Bisexualität ist normal, Pansexualität weit verbreitet, Sapiosexualität von vielen mit ernsteren Absichten gewünscht, was immer sie sich darunter inhaltlich vorstellen. Was früher die Bar oder das Café um die Ecke zum Kennenlernen war, ist inzwischen das Netz geworden und die entsprechenden Orte werden nur für die ersten Treffen aufgesucht, um festzustellen, ob Sympathie und Reiz füreinander vorhanden sind. Mit Corona wurden auch verstärkt Parks aufgesucht und Spaziergänge gemacht, was den finanziellen Aufwand verringerte und die Chance zu größerer Konzentration aufeinander bot, manche schöne Schäferstündchen auf Bänken beginnen ließ.

Frauen suchen sich dabei Männer aus und lassen sich dennoch gerne in alter Manier überreden, was nicht ohne eine gewisse Lächerlichkeit ist, aber dem ganzen noch einen spielerischen Charakter gibt. Mann könnte sich darüber empören, weil es eigentlich völlig unemanzipiert ist, oder sich daran freuen, weil es ist, wie es ist und eben zum Spiel der Geschlechter beim Buhlen um Sex dazugehört, bei dem beide Geschlechter gerne zwischendurch in alte Muster verfallen. Zumindest beim herosexuellen Sex, wie ich ihn eigentlich ausschließlich pflege.

In Zeiten von me too hat Mann, wenn er nicht naiv ist, gelernt auf kleine Zeichen zu achten, Frau die Führung insoweit zu überlassen, vorsichtig zu fragen, statt einfach zu tun, sich in möglichst jedem Moment des Einverständnisses versichern zu lassen, was gelegentlich der sexuellen Stimmung nur bedingt förderlich aber dennoch unbedingt empfehlenswert ist, sich nicht unerwartet völlig veränderten Umständen gegenüberzusehen, die aus den verschiedensten Gründen resultieren können. Aufgrund meiner beschränkten Selbstwahrnehmung und der aus Erfahrung erkannten Unfähigkeit, den Willen von Frau je sicher zu erkennen, frage ich lieber einmal mehr, als einmal zu wenig und habe damit bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Dennoch passiert es auch mir gelegentlich, dass Frauen aus ihrer Sicht Dinge gänzlich anders wahrnehmen und es, egal was war, schlicht umdrehen, Mann einen Vorwurf zu machen, der ihnen Macht gibt. Dann genau zu wissen, was du gesagt und gefragt hast, bei absoluter Offenheit, die das Thema am Sex am besten zunächst wissenschaftlich abstrakt thematisiert, kann sehr hilfreich sein und es empfiehlt sich, vor allem, wenn Frau versucht zu verkehren und zu spielen, sich lieber gleich zurück zu ziehen, um kein Risiko einzughen, womit ich mir wohl manche Gelegenheit schon entgehen ließ aber zumindest mir von keiner den Vorwurf machen lassen musste, ich hätte sie gegen ihren Willen verführt, was mir schon einige Männer völlig schockiert berichteten, die gar nicht wussten, wie ihnen geschah und die ohne jede böse Absicht sich plötzlich als Angeklagte oder Beschuldigte sahen, was ihnen so fern wie irgendwas lag.

Es gibt sicher solche Fälle und es ist gut, dass Frau auch durch die Nein heißt Nein Kampagne stärker geschützt wurde. Doch sollte auch der gutwillige und leidenschaftlich zärtliche Mann überlegen, wie er agiert, um nicht zum Opfer von Spielen in diesem Kontext zu werden, bei denen es manchen mehr um die Stärkung ihres Egos als eine sexuelle Begegnung geht. Zwar mag etwas daran sein, dass sich manche Frau nach dem leidenschaftlichen Liebhaber sehnt, der auch einfach zugreift und will, aber dies lässt sich auch bei weiteren Treffen aufgrund ausdrücklicher Vereinbarung noch erreichen. Aus meiner geringen Erfahrung würde ich heute jedem Mann raten, sich dabei zurückhaltend und vorsichtig zu verhalten, lieber abstrakt über Sex zu reden, statt vorschnell zu handeln und ich habe damit nur gute Erfahrungen gemacht und konnte mich in den Fällen, die eben vorkommen, wenn die Dinge umgedreht werden sollen, vielleicht auch das eigene Gewissen zu beruhigen, immer auf ausdrückliche Erklärungen berufen und das war auch gut so.

Auch begegnet sind mir in den virtuellen Netzwerken inzwischen Hermaphroditen, die teils eine eher männliche Neigung zum Sex haben in weiblich anmutender Gestalt oder umgekehrt sehr weiblich sich geben bei relativ männlichem Aussehen. Es ist nicht klar, was es ist und muss es auch nicht sein. Sich von den Umständen dabei überraschen zu lassen, bei Einhaltung der üblichen Grundsätze, hat noch nie geschadet. Bin vielen Frauen begegnet, die ihre Erfahrungen mit Afrikanern oder Arabern gesammelt haben, teilweise von deren Potenz oder Männlichkeit noch schwärmten, teilweise deren Sozialverhalten beklagten, teilweise, zu einem gar nicht geringen Anteil inzwischen, von solchen Männern um viel Geld unter immer gleicher Vorgabe für die Familie in der Heimat sorgen zu müssen oder ein großartiges Geschäft an der Hand zu haben, an dem sie diese beteiligen wollten, betrogen wurden mit entsprechender Enttäuschung. Diejenigen, die infolge bei der Polizei waren, berichteten, diese winkte meist nur ab, weil die Fälle bekannt wären und gehäuft vorkämen, es keine wirkliche Aussicht gäbe, wieder an das Geld zu kommen oder die Typen zu kriegen. So sind auch neue einprägsame sexuelle Erfahrungen für manche Frauen ein Produkt der Flüchtlingspolitik, ohne jede Wertung. Von Männern wurde mir das seltener berichtet und ich kann auch nichts dergleichen erzählen, was aber auch an meiner Neigung zu weniger exotischen Damen liegen kann, die Leidenschaft sich eher gen Norden denn gen Süden oder Osten orientieren würde, der Dichter sich in der Minne am liebsten in seinem Sprachumfeld bewegt und dort eben mit Worten gewinnen kann oder nicht, weniger auf seinen bloßen Anblick dabei vertrauend, weil Bescheidenheit besser steht.

Bei unseren französischen Nachbarn, die in vieler Hinsicht in der Sexualität freier und offener schon lange lebten, ist die Toleranz gegenüber anderen Modellen der Ehe oder Familie geringer ausgeprägt und Gesetzesreformen haben dort immer wieder zu massiven Protesten konservativer Kreiser teilweise im Bündnis mit Psychoanalytikern geführt, die etwa behaupteten Kinder, die ohne Vater oder Mutter aufwachsen müssten, etwa bei homosexuellen Paaren, würden schwere psychische Schäden erleiden, weil das von ihnen seit Freud geglaubte und behauptete Unterbewusstsein, nicht darauf eingestellt wäre, was mir als Nichtgläubigen abstrus erscheint und nur die Nähe der Psychoanalyse zum vorigen monotheistischen Aberglauben belegt, mit dem sie im Bündnis auch protestierten, was an das unheilige Bündnis von Esoterikern, Anthroposophen, Verschwörungstheoretikern, Rechtsradikalen und anderen Spinnern gegen die Corona-Maßnahmen in Deutschland erinnert und geistig selten auf höherem Niveau ist.

Sexualität ist lange ein heikles Thema gewesen. Während Homosexualität inzwischen in Deutschland für die ganz große Mehrheit als normal gilt, auch künstliche Befruchtung in Familien weitgehend akzeptiert ist, wird es von Teilen der Bevölkerung für Singles oder Homosexuelle noch kritisch gesehen, was allerding die geltende Gesetzeslage erledigt hat, die damit die neue Normalität langfristig stärken wird.

Hatte mehr als eine Partnerin, die auch mit homosexueller Liebe mit Frauen Erfahrungen gemacht hat, was mich nie gestört hat, im Gegenteil war mein Gefühl dazu immer eher, dass ich diese Leidenschaft für den weiblichen Körper teilen und verstehen kann. Die eigene homosexuelle Neigung ist bei mir relativ gering ausgeprägt und bis auf kleine Versuche mit meinem damals besten Freund in Teenie-Zeiten, der sich da schon zu seiner Homosexualität bekannte, die über Knutschen und etwas Fummeln selten hinausgingen, wie die ungezählten Versuche schwuler Freunde, mich anzumachen, kann ich in diesem Bereich nicht viel berichten. Die Partnerinnen, die auch schon Frauen hatten oder parallel mit Frauen zusammen waren, berichteten so unterschiedliches, dass ich mir nicht anmaße, ein Urteil oder etwas generelles dazu zu sagen.

Es gibt dabei wohl genauso Partner, die in klassische Rollenmuster verfallen, wie es welche gibt, die eher zärtlichen Kuschelsex praktizieren, während manche sogar das fehlende Glied durch ein künstliches ersetzen, was andere völlig abstrus und fremd finden. Einige mochten es zu mehreren, allerdings dabei meist mit mehreren Frauen und mir als einzelnem Mann, während heterosexuelle Frauen eher von dem Wunsch erzählten gerne mehrere Männer auf einmal zu haben. Finde aber beides nach ausreichend praktischer Erfahrung weniger reizvoll als die konzentrierte Begegnung in den meisten Fällen, da das Element der Nähe, die das aufgehen und sich öffnen so schön macht, für mich in der Gruppe verloren geht. Aber da sind die Neigungen unterschiedlich und ich kenne auch Frauen, die sich gerne in Clubs mit bis zu sechs Männern in allen Öffnungen und mit beiden Armen auf einmal beschäftigen, die aber abgesehen von dieser etwas exzessiven sexuellen Neigung im Alltag wie schüchterne, freundliche Damen benehmen, es ist scheinbar ein sportliches Hobby wie für andere Tennis oder Golf, vielleicht mit dem Reiten auch inhaltlich am ehesten vergleichbar. Habe trotz mehrfacher Angebote nie an solchen sexuellen Massenveranstaltungen teilgenommen und ziehe beim Akt eher die Zweisamkeit vor, wobei natürlich jede Regel ihre seltene Ausnahme kennt, die durch ihre Seltenheit auch einen Reiz haben kann.

Mit zunehmenden Alter stelle ich immer mehr fest, wie lästig ich den Wechsel der Sexualpartner finde und wie gerne ich mich auf eine konzentriere, die und deren Körper ich kenne. Ob daraus gleich eine natürliche Neigung zur Monogamie abgeleitet werden kann, es so eine überhaupt gibt, weiß ich nicht zu sagen. Zumindest gewinnt Sex durch gewachsenes Gefühl und Vertrauen mit der Zeit sehr, außer wir vernachlässigen und fallen als Paar zu schnell in wiederholte Muster dabei. Den Sex mit mehreren fand ich immer eher sportlich und konkurent, ihm fehlte das Element der Innigkeit für mich.

Vermute, dass ich, durch die Erziehung meiner Mutter, eine starke Neigung zum partnerschaftlichen Sex habe und bei jeder Frau mit der ich schlafe oder mit der ich sonstwie Sex habe, das Gefühl habe, für sie da sein und irgendwie liebevoll sorgen zu müssen, weil meine Mutter mir schon sehr früh klar machte, dass Sex haben zwar völlig ok ist, aber als Mann auch bedeute, Verantwortung zu übernehmen, die im Falle einer Schwangerschaft, ein Leben lang gehen kann. 

Bin zwar ein erklärter Gegner der Psychoanalyse, deren Aberglaube an das Unterbewusstsein und deren dogmatische geradezu messianische Auslegung mir fremd ist und destruktiv erscheint, dennoch halte ich es für klug, auch bei den Neigungen auf die eigene Sexualisierung und Prägung zu schauen. So bin ich damit aufgewachsen, dass Sex zu Familie führt, Familie Verantwortung bedeutet und etwas positives ist und habe die entsprechenden Neigungen entwickelt, ist es mir beim Sex wichtiger, Frau zu befriedigen, als mich selbst, weil ich diese Kunst als hohe Qualiät sehe, die Partnerschaft sichert, warum mir viele heute praktizierte Formen der Sexualität eher fremd sind, ohne diese be- oder verurteilen zu wollen.

Auch darum waren mir die ONS immer eher fremd, hatte ich fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich nicht verliebte, weil ich Frau nicht nur benutzen wollte, sondern lieber leidenschaftlicher Diener ihrer Lust bin, wobei Ausnahmen die Regel nur bestärken. Eigentlich wäre ich also ein typischer Beziehungsmensch, denke ich, weiß aber andererseits auch, dass es gut sein kann, keine zu haben, weil es einem vieles erspart, was das Leben und die Sexualität weniger schön machen. Welches die ideale Form ist, suche ich noch, sollte ich es entdecken, werde ich natürlich darüber schreiben. Denke Familie ist ein gutes und bewährtes Modell des sozialen Zusammenhalts aber das ist unter den glücklichen Umständen, unter denen ich aufwuchs, auch leicht zu sagen. Für andere werden es andere Modelle sein. Manche brauchen den steten Wechsel, um darin Bestätigung zu finden, was sie glücklich macht, wie sie unglücklich und depressiv werden, wenn ihnen das fehlt.

Es liegt mir fern über die eine oder andere Form des Sex zu urteilen. Jeder Weg, der die Beteiligten glücklich macht, wird gut sein. Keiner sollte dabei Dinge tun, die ihr oder ihm nicht entsprechen, um seiner Rolle gerecht zu werden oder zu gefallen. Der Marquis de Sade, dessen Neigungen ich ansonsten nicht teile, schrieb eins, erlaubt und gut ist, was gefällt. Das teile ich, sofern die Beteiligten diese Entscheidung frei und verantwortlich treffen konnten, sich ihrer Neigungen und Vorlieben bewusst sind. 

Etwas für den anderen tun, kann auch lustvoll und schön sein, als Befriedigung genügen aber gemeinsam wird der Sex erst, wenn beide sich in ihrem Streben nach Befriedigung auf ihre Art treffen und beglücken können und das ist wohl der Gipfel dieser wahrhaft königlichen Kunst, in der wir nie im Leben ausgelernt haben werden, weil jede Begegnung, auch die wiederholte mit dem gleichen Menschen, unter anderen Umständen, neues offenbart und ungeahnte Schätze preisgeben kann.

Es ist egal welches Geschlecht die Beteiligten haben oder welcher Gruppe sie sich eher zuordnen gerade, was für mich zählt, ist die offene Begegnung, die sich gut tun will und es auf ihre Art nach Neigung kann. Wer das findet, kann damit glücklich sein, was mehr sollte kommen?

jens tuengerthal 3.9.20

Mittwoch, 2. September 2020

Giftmordversuch

Mutig spricht Kanzlerin Merkel aus
Was alle schon lange geahnt haben
Der Kreml-Kritker Nawalny sei Opfer
Eines Giftmordversuches geworden
Was ja gute europäische Tradition
Denken wir nur an die Ringe die
Zu Hugenottenzeiten die spätere
Schwiegermutter Henris trug dessen
Erste Hochzeit noch vom Spektakel
Der Bertholomäusnacht gekrönt wurde
Bei dem Caterina von Medici wohl auch
Ihre mit Giftringen geschmückten Finger
Im Spiel um die Macht dazwischen hatte
Gleiches wird auch Papst Alexander VI.
Nachgesagt dem Borgia Papst der auch
Vater von Cesare und Lucrezia war die
Selbst als Giftpatin berühmt noch wurde
In Berlin wurde im 19. Jahrhundert die
Ursinus als Täterin unter Verwandten
Berühmt und berüchtigt aber mangels
Nachweis nicht hingerichtet anders als
Gesche Gottfried aus Bremen die als
Letzte noch 1831 mit dem Schwert
Hingerichtet wurde auch weil sie
Mit Freude Böses getan hatte spuckten
Bremer über Jahrzehnte auf den Stein
An dem ihr Kopf gelegen haben soll
Doch all diesen ist gemeinsam sie
Verwandten stets Gifte die auch
Andere hätten bekommen können
Während die Vergiftung Nawalnys
Der nun zur Erholung in der Charité
Durch einen Kampfstoff erfolgte
Auf den keiner sonst Zugriff hat
Als die üblichen staatlichen Kreise
Warum der Botschafter einbestellt
Merkel eine Mahnung nach Moskau
Schickte zur Aufklärung beizutragen
Was die Frage stellt wohin soll die
Preußische Ehrlichkeit führen beim
Verlogenen Geheimdienstmann Putin
Der wiederholt genau solche Taten
Schon beging und damit allen zeigt
Hütet euch vor meiner Macht doch
Wieder das alte Spiel lächelnd spielt
Er wisse von nichts und ihm könne
Keiner etwas jemals beweisen was
Die Frage stellt wie gehen wir nun
Mit dem bekennenden Mörder um
Wie mit denen die ihm zujubeln noch
Wann werden staatliche Verbrechen
Durch Regierungen endlich gesühnt
Wer kann sich hiergegen wehren
Ist es ein Fortschritt dass Merkel
Die Dinge mutig beim Namen nennt
Zumindest sehen wir daran deutlich
Die politische Kultur in Russland
Hat sich seit der Renaissance 
Nicht wesentlich weiterentwickelt
Was den Opfern wenig hilft aber
Die Lage einschätzen lässt
Russland bleibt vorgestrig

jens tuengerthal 2.9.20

Covidiotie

Alle Covidioten zu nennen
Die eine andere Meinung haben
Wäre schrecklich intolerant
Liegt mir eigentlich völlig fern
Gerne hätte ich Verständnis
Für Menschen die sich durch
Die mildesten Maßnahmen noch
Beschränkt fühlen lieber die
Bekannte Realität leugnen wie
Menschenleben weiter riskieren
Sich mit Rechstradikalen verbünden
Verschwörungstheorien anhängen
Aber so sehr ich mich bemühe
Es will mir einfach nicht gelingen
Halte sie alle für entweder
Völlig bescheuert oder schlimmer
Noch für lebensgefährlich bösartig
Frage mich selbstkritisch ob dabei
Aufklärung jemals helfen könnte
Die aus selbstgewählter Unmündigkeit
Die Aluhutträger befreien könnte
Solange diese Impfgegner eine
Krankheit leugnen die so viele
Tote weltweit bereits gefordert hat
Eine Regierung stürzen wollen
Mit Feinden der Demokratie sich
Verbünden aus dummer Angst
Vor einem noch unbekannten Virus
Dessen Existenz sie zugleich leugnen
Sich schlicht asozial nur verhalten
Als vermeintliche Freiheitskämpfer
Aber ich muss es wohl zugeben
Kann gegenüber soviel Dummheit
Weder tolerant noch großzügig sein
Sie gefährden auch andere Leben
Schaden mit Lügen der Demokratie
Bejubeln autoritäre Herrscher
Es sind einfach Idioten
Rücksichtslos noch dazu
Da endet alle Toleranz
Für Menschen die Rechte wie
Freiheiten benutzen die sie
Zugleich beseitigen wollen

jens tuengerthal 2.9.20

Doppelnatur

Ist alles Natur oder nichts ohne Kultur?

Betrachte ich die Familie und ihre Geschichte, wird mir das Doppelte im einheitlichen deutlich. Familie ist etwas natürliches, ihr entstammen wir durch Zeugung und sie ist die Umgebung des Aufwachsens. Es läge also nahe, anzunehmen, Familie läge in der Natur und sei eben, wie es über die Liebe gesagt wird, was sie sei, Etwas, das uns innewohnt gegen das wir wenig tun können, weil seine Eigenschaften schon in unserer Natur steckten, seien es die Gene oder andere Orte, die familiäres Erbe uns anzeigen, die wir vielleicht noch entdecken müssen.

So weit schien alles klar und natürlich. Andererseits kenne ich genug Menschen, denen Familie eher fremd ist, die ihre eigene furchtbar finden und lieber fliehen. Keineswegs natürlich finden diese Menschen es, sich nach der Familie zu sehnen und den Kontakt zu genießen. Manche haben gar traumatische Erfahrungen, bis zum Mißbrauch, die ihr Leben prägten - ihnen käme es unnatürlich und krank vor, sich noch nach ihrer Familie zu sehnen, die sie psychisch oder körperlich mißhandelte.

Was Familie für mich ausmacht und als eine schöne Erinnerung wach hält, ist die Kultur des Zusammenlebens, wie ich sie kennenlernte und die geprägt ist von Sitten und Gewohnheiten, die mir vertraut sind und mit denen ich aufwuchs. Es ist dies anerzogenes und geprägtes Verhalten, was mit dem Sozialverhalten meiner Umgebung zusammenhing. 

Von anderen hörte ich Geschichten von Konkurrenz, Missbrauch wie Missachtung in der eigenen Familie, dabei einmal dahingestellt, inwieweit das Gefühl nicht genug Beachtung zu bekommen, schon Quelle eines pathologischen Sozialverhaltens war, was immer nur Unzufriedenheit erzeugen kann, also eher einen kranken Zustand ausdrückt, als einen Mangel zu beschreiben. Jedoch tritt dies so häufig in Zeiten von Instagram und der Kunst der unbescheidenen Selbstinszenierung auf, dass sich fragt inwieweit frühere Krankheit durch neue Normalität in der Identität ersetzt wurde, eine solche Unterscheidung noch angemessen wäre.

Ob nun die bemängelten oder beklagten Familienumstände, im Gegensatz zu dem, was ich erlebte, eher der schlechten menschlichen Natur entsprechen oder was meine Familie miteinander meistens lebte, natürlich war oder ist, weiß ich nicht zu sagen. Sicher ist nur, dass viel von dem, was mir wichtig ist in der Familie, auch Produkt unserer familiären Kultur war.

Christina von Braun, die über diesen Doppelcharakter in ihren Blutsbanden für die Familie nachdenkt, bringt dafür das wunderbare Beispiel von Kants Traktat zum ewigen Frieden, wo uns der kluge Königsberger genau dies an einem der viel diskutierten Themen der Aufklärung musterhaft vorführt.

Der ewige Frieden ist nach Kant kein natürlicher Zustand, sondern einer, um den sich bemüht werden muss, der die Einhaltung Vernunft geleiteter Maximen braucht, um zu bestehen, also eine gewachsene Kultur, die sich entwickelt und im gemeinsamen Interesse die egoistischen nationalen Antriebe zurückstellt und daraus eine Völkerrecht entwickelt, was sich dem höheren Ziel der friedlichen, republikanischen Koexistenz unterordnet. Darin zeigt sich ein Mißtrauen gegenüber der kriegerischen menschlichen Natur, die durch Verträge und Vereinbarungen wie geschäftliche Interessen am besten gezähmt werden kann.

Wir können diese Realität derzeit gut in der Welt beobachten. Während sich ein, von den eigenen kolonialen Verbrechen teilweise geläutertes Europa, sich um friedliche, durch Verträge geregelte Koexistenz bemüht, sehen wir von den Irrwegen mancher Regierungen in den Staaten des ehemaligen Ostblocks wie Polen und Ungarn einmal ab, die ihre Identität durch reaktionären nationalen Trotz behaupten wollen und hoffen damit Mehrheiten dauerhaft erringen zu können, dass sie die Prinzipien der Demokratie aushebeln, sich wie immer in der Geschichte ien wenig schwierig zeigen, haben die ehemaligen Supermächte Russland und die USA sich derzeit von vertraglichen Lösungen und den Prinzipien der Vernunft auf internationaler weitgehend verabschiedet. Was zum einen an der Natur der dort gewählten Führer Putin und Trump liegt, zum anderen an einem Wiedererstarken des Glaubens gerade in ländlichen Regionen, der den republikanisch vernünftigen Prinzipien zuwiderläuft, die Kant zum ewigen Frieden als nötig voraussetzt.

Sicher gibt es auch noch die kleinen Diktatoren wie in Nordkorea und auch die Situation in China ist noch fern von den Prinzipien der Aufklärung, wo immer noch die Erben einer totalitären Partei regieren, die andere Länder besetzten und sich nur so lange um Verträge kümmern, wie diese ihnen nutzen und die Prinzipien des Ewigen Friedens in vieler Hinsicht egoistisch nationalistisch ignorieren, doch lassen sich mit diesen zumindest zuverlässig Geschäfte machen, wovon bei einem Trump nicht ausgegangen werden kann, der in seiner Unbildung unberechenbar ist, was über Putin niemand sagen würde, auch wenn er sicher kein lupenreiner Demokrat ist, wie persönlich interessierte Stellen einst äußerten.

Doch soll dieser kleine Ausflug eigentlich nur verdeutlichen, wie aktuell Kants Denken bis in die Gegenwart ist, wie seine Prinzipien, die der alte Feldmarschall Moltke, der große Schweiger, der gewiss auch ein kluger Mann war, berufsbedingt zu widerlegen trachtete, weil alles andere seine Lebensleistung relativ überflüssig gemacht hätte, insofern die Eroberungskriege unter Bismarck, die Moltke militärisch führte, nach Kants Theorie illegale Verbrechen gewesen wären, weil sie als Angriffskriege zumindest teilweise auf die Eroberung von Territorium zielten und die Macht des Nachbarn beschneiden wollte, nicht dem ewigen Frieden dienten, sondern vielmehr einer der Auslöser des grausamen 1. Weltkrieges wohl waren.

Den Helden von Königgrätz als Kriegsverbrecher zu sehen, wäre so einseitig wie das Urteil der Alliierten nach dem 2. Weltkrieg über Preußen, das sie als Hort des Militarismus schlicht auflösten, ohne auf die positive kulturelle Prägung dabei zu achten, die eben in Ostpreußens Königsberg den Vordenker des ewigen Friedens, der Freiheit und der egalitären Republik hervorbrachte, eine Kultur der Toleranz wachsen ließ, die Hugenotten anlockte, einem Moses Mendelssohn, den Aufstieg ermöglichte, eine Kultur der Bescheidenheit prägte, von der viele bis heute lernen könnten, was besonders beim Blick in die USA auffällt, aus der auch ein Widerstand gegen die Diktatur des Österreichers wuchs.

Kant erkannte die Notwendigkeit der Zähmung der menschlichen Natur und ihrer Neigung zu Kampf und Krieg durch die bürgerliche Gesellschaft und ihre Gesetze. Ob das Recht dabei der absolute Faktor ist, als den viele ihn heute sehen und wie mancher Kant liest, würde ich an dieser Stelle bezweifeln. Wer den kategorischen Imperativ als höchsten und unwiderlegbar wichtigsten moralischen Grundsatz entwickelte, wird nicht Gesetze über das Gewissen legen wollen, an dem alles zu messen ist und gibt damit allem Recht eine relative Gültigkeit vor dem eigenen Gewissen, auch wenn die Notwendigkeit der Befolgung sich aus dem Kontext erschließen kann, ist Kant kein rechtsgläubiger Positivist, sondern immer noch ein pragmatischer Philosoph der Freiheit, der es den Menschen ermöglichte, sich völlig von der transzendenten Bindung der Moral in irgendeinem Aberglauben zu befreien. 

Genau hier zeigt sich wieder die Doppelnatur guten Handelns, das sich aus einer Kultur entwickelt, die das kriegerische, triebhafte Sein der unkultivierten Naturwesen überwindet, sich damit klar in Gegensatz zu einem Gläubigen wie Rousseau stellt, der von paradiesischen Naturzuständen träumt und damit auch philosophisch ein Opfer des alten Aberglaubens an den Mythos von Adam und Eva wurde, statt Freiheit zu erkennen zum Vorbeter des Terreur wurde.. Andererseits auch im moralischen Maßstab des kategorischen Imperativ an das Gewissen als natürliche Eigenschaft appelliert, was es zu kultivieren gilt. Über all dem noch das Prinzip der Aufklärung als Befreiung aus selbstverschuldeter Unmündigkeit, weil der Mensch sich durch aktive geistige Handlung befreien kann, um gut und glücklich zu leben.

Der unkultivierte Mensch möge zur Kultur finden, um sich zu befreien, womit die Freiheit kein paradiesischer Naturzustand mehr ist, sondern Produkt einer Kultivierung, die Einsatz und Engagement erfordert. Ob wir die Fähigkeit haben, befreit zu leben und damit die Normen an unserem Gewissen zu messen, moralisch gut zu handeln, liegt an uns und unserer Natur. Es zeigt damit Kant den gleichen Ansatz, den auch der Gilgamesch Epos bei der Initiation zeigt. Dort wird Herikat rasiert, also kultiviert, um wie ein Mensch auszusehen, was auch immer spätere griechische Philosophen darüber denken mochten, könnte eine Frage der Mode sein, die so unerheblich ist, wie vieles dabei und lernt im Anschluss Liebe und Lust bei einer Hure kennen, was den Prozess der sexuellen und emotionalen Kultivierung meint. Der Mensch muss an sich arbeiten, um sich zu befreien. Es ist dies ein ständiger Prozess mit offenem Ausgang, der immer neue Anforderungen an uns stellt.

Der Mensch kann, wenn er nach den Prinzipien des KI lebt und seinem Gewissen folgt, auf alle Normen und Gesetze verzichten. Wenn wir so handeln, dass unser Handeln zugleich Gesetz für jedermann sein kann, können wir von allen staatlichen Normen befreit und aufgeklärt leben. Ob dies der unserer kultivierten Natur am ehesten entsprechende Zustand ist, wäre die eine Frage, wie wir dorthin gelangen können die andere.

Für die Familie gilt ein gleiches. Sie ist ein Stück unserer Kultur, lebt von ihren Sitten und Gebräuchen und ist ihrem Wesen nach, als Bündnis der Verwandten, auch Teil unserer Natur. Wie unglücklich Menschen ohne Familie sind und was sie sich anstatt einbilden, wäre ein anderes Thema über das ich ohne eigene Erfahrung des Mangels vermutlich nicht urteilen kann. Was ich davon bisher im Leben bei anderen beobachten konnte, war nicht eben vielversprechend und widerlegt die These von der Bedeutung nicht wirklich.

Zwischen Natur und Kultur balancieren wir durch das Leben. Kann nur so kultiviert werden, wie es meiner Natur entspricht. Wer darüber hinaus etwas erreichen will, muss an sich arbeiten und seine Grenzen überwinden. Menschen sind nicht sondern werden immer weiter, sind keine Geschöpfe eines erdachten Schöpfers sondern Kinder der Natur, über die sie nur geistig hinaus wachsen können, wo wir es wagen, diese Verantwortung wahrzunehmen. Dazu gehört wohl auch Mut, darum bleibt der Wahlspruch der Aufklärung bis in die Gegenwart: sapere aude! Habe Mut! (dich deines Verstandes zu bedienen, woraus der Rest logisch folgt).

jens tuengerthal 2.9.20

Dienstag, 1. September 2020

Liebeswirren

Liebe ist ein klares Gefühl
Was gerne völlig verwirrt
Wir wollen uns sicher sein
Auf Basis unberechenbarer
Emotionen die noch dazu
Gerne nach Laune schwanken
Die Ausgangskonstellation
Des sich verliebens trägt
Nicht wirklich zur Aufklärung
Wie Herrschaft der Vernunft
Irgendetwas bei im Gegenteil
Dennoch wollen wir uns gerne
In Sicherheit wiegen was die
Planung unseres Lebens
Wozu Ehe und Familie einst
Als Institut erfunden wurden
Doch Sicherheit geben auch
Versprechen ewiger Liebe nie
Die schneller wieder verschwinden
Als Mensch sich vorstellen kann
Was immer nun ewig sein soll
Im begrenzten Menschenleben
Und so schwanken wir weiter
Ohne zu wissen wohin was
Wohl Leben eben ist das
Nicht immer gut endet
Auch wenn zumindest das
Es irgendwann halt endet
Wir mit Gewissheit wissen
Wie Fontane einst dichtete
Der es das Beste nannte
Was uns das Leben sendet
Auch in der Liebe ein Trost
Nur wie glücklich wir sind
Mit dem was übrig bleibt
Können wir entscheiden
Was bei aller Verwirrung
Doch eine gute Aussicht ist
Ganz vernünftig betrachtet

jens tuengerthal 1.9.20