Montag, 3. August 2020

Liebessuche

Lässt sich Liebe suchen
Taugt das Netz je dazu
Einen Partner zu finden
Das Herz zu verlieren
Glücklich zu werden
Könnte ich mich fragen
Der beides dort fand
Große Liebe wie infolge
Schlimmsten Liebeskummer
Auch wenn auf realer Basis
Kann das Gefühl doch schon
Im virtuellen Raum seine ersten
Wurzeln schlagen aus denen
Liebe schönste Blüten treibt
Was mir de Frage stellte wie
Realistisch die Liebe noch ist
In Zeiten des Online-Dating
Ist sie eine virtuelle Illusion
Produkt unserer Phantasie
Oder ist sie unverändert stets
Weil der elektronische Brief
Nichts am emotionalen Inhalt
Verändert und sich in Worte
Wie zwischen Zeilen zu verlieben
Was könnte Dichtern näher liegen
So hardern zwar manche immer
Mit dem Online-Dating als einer
Völlig unrealistischen Begegnung
Doch denke ich sich in Worten
Die zuvor geschrieben wurden
Zu begegnen kommt sich näher
Als manch reale Begegnung je
Geht tiefer dabei weil es uns als
Schreibende mit Gefühl offenbart
Auch wenn manche wortlos dabei
In Zeichen als Ersatz flüchten die
Beliebig und schnell austauschbar
Während Verse und Worte genau
Zum Gegenüber gesucht werden
So denke ich es lässt sich manches
An Gefühl bereits virtuell entdecken
Füreinander auch physisch gefühlt
Feuer und Flamme werden sofern
Frau sich Mann ausgesucht hat
Er ihre Phantasien damit erfüllt
Was mehr als einmal gelang wo
Eine mich für interessant befand
Selten oder nie jedoch wenn ich
Meinte wählen zu wollen wer doch
Perfekt zu mir passen müsste was
Eher in Enttäuschung endete weil
Auch im Netz gilt Damenwahl hat
Stets Vorrang vor Männerträumen
Habe es aufgegeben zu kämpfen
Freue mich wo ich gewollt werde
Nehme es dankbar entgegen und
Tue das zum Schein der Eroberung
Nötige auch wenn jeder weiß es ist
Stets die Dame die wählt während
Der Gentleman sich dazu verbeugt
Um es zu genießen wie es sein soll
So sage ich heute die Suche nach
Liebe ist völlig unsinnig für Männer
Aber wird von Frauen erfolgreicher
Betrieben und als eben nur Mann
Erkenne ich die Natur als solche an
Suche nicht sondern lasse finden
Auch wenn Damen zu gerne das
Gegenteil dabei beteuern sogar
Den ersten Schritt in fast allem
Immer noch von uns erwarten
Weil wir in Liebesdingen doch so
Schrecklich konventionell bleiben
Es ist wie es ist mit der Liebe
Nahezu immer das gleiche nach
Einer gewissen kleinen Erfahrung
Frauen suchen sich Männer die dann
Ihre Rolle entsprechend spielen dürfen
Will mich nicht darüber beklagen nur
Sollte sich keiner für Don Giovanni
Halten sondern lieber wie Casanova
Alle verehren und diejenige die ihn will
Wird ihn schließlich doch wählen
Am Spiel der Liebe ändert sich nichts

jens tuengerthal 3.8.20

Büchersammler

Sammler sind eigentümliche Wesen
Freuen sich an vollständigen Reihen
Jagen dafür auch Einzelstücken nach
Zahlen Unsummen für eine Hoffnung
Lieben was sie ihre Sammlung nennen
Habe verschiedene Sachen gesammelt
Als Kind Briefmarken vom Großvater
Dazu angestiftet wie beschenkt doch
Seine Leidenschaft hielt nicht lange
So wenig wie die für Wiking-Autos
Frauen ersetzten beide sehr schnell
Was ich bis jetzt nie bereut habe auch
Wenn manche lebensgefährlich wurde
Oder größte Schmerzen verursachte
Doch ohne Risiko bleibt kein Reiz aber
Die Liebe ist keine wirkliche Sammlung
Vor allem hast du selten diese noch
Gemeinsam da es meistens viel eher
Um Ausschließlichkeit dabei geht was
Zwar bei Einzelstücken der große Kick
Des Sammelns ist aber zu den Lieben
Doch irgendwie nicht passt zumal jede
Zumindest doch einige als Unikate die
Natürlich jede für sich schon war auch
Für die Ewigkeit gedacht war die nur
Real bescheideneres Maß hatte als
Das Lebe im übrigen warum ich nie
Frauen sammelte im Gegenteil nur
Die eine wahre stets für immer wollte
So illusorisch es auch war gab es
Dem vielfältigen Lebensweg noch mehr
Hoffnung als Realismus gut täte aber
Bücher die ich schon sehr früh liebte
Sammel ich immer noch irgendwie
Fraglich nur ob ich ein Sammler bin
Kann selten genug davon bekommen
Wenn der arme Poet ausnahmsweise
Selten genug Geld hat gibt er es zu gern
Für Bücher wieder aus und könnte also
Ein Büchersammler sein fehlte mir nicht
Das Jagd-Gen dabei genauso wie der
Absolute Wunsch nach Vollständigkeit
Habe einige Bände der Anderen Bibliothek
Doch möchte ich weder alle unbedingt
Manche interessieren mich gar nicht
Noch strebe ich wieder ein Abo an was
Der Lustleser in mir eher stressig fand
Mag es gerne etwas unvollkommen nur
Schön gebunden natürlich am liebsten
Einige Reihen aber ohne jede Leidenschaft
Alle davon haben zu müssen sondern nur
Jene die mich gerade besonders reizen
Auch ein Jäger der auf Flohmärkten wie
Angestochen Exemplare entdecken muss
Bin ich nie gewesen würde vielleicht wenn
Einiges für Diderots Enzyklopädie zahlen
Aber tue nichts dafür und vermisse nichts
Ohne diesen großen Schatz der Aufklärung
So fehlt mir das fiebrige des Sammlers ganz
Den eine Entdeckung zur nächsten treibt
Bin lieber mit dem zufällig ergänzten Bestand
Als Spiegel des Geistes relativ zufrieden um
Glücklich mit dem was ist sein zu können
Was ich wichtiger finde als ein unbedingtes
Haben wollen was mir völlig abgeht mich
Als Konsumwahn eher anwidern würde
Wie mir der sportliche Ehrgeiz völlig fehlt
Mit anderen es um die Wette zu tun übt
Keinerlei Reiz mehr auf mich aus weil
Die Zufriedenheit mir viel wichtiger ist
Warum auch die ewigen Verrenkungen
Zum immer mehr mir fremd bleiben
Was in der Liebe genauso stets war
Fände sich eine die es auch aushält
Mit dem ehrgeizlosen Genießer dem
Große Gefühle wie geistige Bewegung
Vollkommen zum Glück genügen ganz
Abgesehen von der gelegentlichen
Gemeinsamen Bewegung als Paar
Aber auch da inzwischen ohne jeden
Ehrgeiz die Sammlung zu vergrößern
Eher mit dem Wunsch nach Bestand
Der manchen vermutlich fremd bleibt
So bin ich wohl kein Büchersammler
Bloß ein Liebhaber schöner Exemplare
Als hoffentlich immer Genießer denn
Auf was sonst käme es schon an

jens tuengerthal 3.8.20

Sonntag, 2. August 2020

Bücherleben

Lebe mit Büchern zusammen
Sie sind die zuverlässigsten Freunde
Treffe sie nach jeweiliger Stimmung
Wir unterhalten uns immer angeregt
Wird mir eines langweilig lasse ich es
Solange liegen bis die Lust kommt
Darin weiter zu lesen weil es nun
Gerade zu meinen Gedanken passt
Früher las ich Bücher nacheinander
Kam ich in einem nicht mehr weiter
Las ich so lange eben nicht mehr
Infolge natürlich viel weniger auch
Heute nehm ich einfach ein anderes
Aus den mich umgebenden Stapeln
In denen sich immer etwas findet
Falls ausnahmsweise doch nicht
Gehe ich an die Regale um dann
Nach Laune eines zu nehmen
Was gerade gut zu mir passt
Lektüre muss nicht erledigt werden
Sie ist eine mich bereichernde Lust
Die früher Scheu bloß nicht zu viele
Bücher auf einmal zu lesen habe ich
Durch die Lektüre von Montaigne
Verloren der ebenso eklektisch 
Nach Laune auswählt was gefällt
Seinen Gedanken nützlich ist
Weil Bücher für mich Reisen sind
In die dort beschriebenen Welten
Wechsel ich Ort Stimmung und Geist
Nach dem was mir gerade entspricht
Schlage ich dann ein Buch wieder auf
Beginnen wir die Unterhaltung dort
Wo wir beim letzten mal unterbrachen
So lebe ich mit den Büchern und sie
Zugleich nach meinen Launen mit mir
Nichts muss erledigt werden mehr
Dafür werden Gespräche fortgesetzt
Ohne dabei den Faden zu verlieren
Oder Nichtigkeiten auszutauschen
Wie es beim Wiedersehen üblich
Wenn wir uns formelhaft unterhalten
Reisen ist darum für mich nervig
Müsste entscheiden welche Bücher
Mitzunehmen sind und zu meiner
Dann Stimmung gerade passen
Was meistens dann nicht da ist
Oder ich nehme viel zu viel mit
Verstehe heute weshalb Montaigne
Sich in seinen Turm völlig zurückzog
So lasse ich mich von dem anregen
Was gerade am besten zu mir passt
Die Gedanken lesend weiter trägt
Warum Lesen und Schreiben für mich
In einem engen Zusammenhang steht
Gerne lese ich kleine Abschnitte nur
Um dann im nächsten Buch wieder
Einige Seiten zu verschlingen die
Den Gedanken Flügel zum nächsten
Verleihen was weitere Welten öffnet
Flaniere dabei lesend durch Zeiten
Wie Räume zugleich die beflügeln
Zusammenhänge mir offenbaren
Die Welt immer neu eröffnen
Manchmal fragen mich Besucher
Ob ich all die Bücher gelesen hätte
Lache dann nur und sage fast nichts
Was nahezu der Wirklichkeit entspricht
Tatsächlich lese ich wenige zu Ende
Auch um kein Ende lesend zu finden
Aber in vielen immer wieder gerne
Manche auch zum wiederholten male
So sie mir auf die eine oder andere Art
Neu oder anders interessant erscheinen
Lese etwa den Montaigne heute
Ganz anders als in den neunzigern
In denen meine Ausgabe erschien
Entdecke im Zauberberg immer neue
Bisher übersehene Details was auch
Für die Dinge der Natur von Lukrez gilt
Es ist ein Wiedersehen alter Freunde
Doch fragte mich jemand ob ich den
Lukrez oder den Montaigne kenne
Bis zum Ende verschlungen hätte
Würde ich nach dem Gefühl sagen
Nie nur ein wenig darin gelesen
Eben hier und da wie es passte
So ändert sich vermutlich nichts
Von dem was Montaigne schrieb
Aber für mich scheint es immer so
Weil ich ihn meiner Entwicklung nach
Unterschiedlich lese und dank meiner
Manchmal gnädigen Vergesslichkeit
Wie neu wieder wahrnehmen kann
Auch wenn ich ihn wie Lukrez häufig
Ohne es zu beabsichtigen zitiere wie
Durch seine Gedanken angeregt
Texte schreibe aus denen ich ihn höre
Weit unter seinem Niveau natürlich
Dazu fehlt mir die klassische Bildung
Ähnlich geht es mir auch bei Diderot
Der vielbändig hier herumsteht aber
Immer nur ausschnittsweise gelesen
So kann ich über manches reden
Was meine Gedanken gut ergänzt
Aber habe doch wenig ganz gelesen
Sondern werde im Leben mit Büchern
Mit zunehmenden Alter immer unsteter
Wollte ich früher alle Klassiker mal lesen
Habe ich solche Ziele längst aufgegeben
Bin froh wenn ich weiß wo ungefähr was
Die Gedanken ergänzendes steht
Lebe mit den Büchern und gestehe
Die wenigsten ganz gelesen zu haben
Dafür in immer mehr eingetaucht zu sein
Als beschränkter Abschnittsleser der
Nichts lesend zu erledigen hat sondern
Sich mit Büchern nur launig unterhält
Wie andere im Café plaudernd sitzen
Wo ein Gedanke zum nächsten führt
Neue Wege miteinander beschreiten
Die uns unklar wohin führen werden
So habe ich das Leben im Café nun
Gegen das im Bücherturm getauscht
Frage mich was sonst reizen sollte
Habe alles da und bin zufrieden im
Leben mit den Büchern um mich
Frage nicht mehr was mir fehlt
Habe ein Leben mit Büchern
Mehr findet sich nirgendwo

jens tuengerthal 2.8.20

Sexliebe

Sex und Liebe schienen mir die schönste Kombination, die denkbar und erlebbar ist und ich vertrat dies theoretisch voller Überzeugung so sehr, wie ich es praktisch lebte. Alles andere schien mir müßig und so fand ich den Sex mit Prostituierten, die wenigen male, die ich von Freunden ins Bordell eingeladen wurde, langweilig und uninteressant, weil das entscheidende Element des großen Gefühls fehlte. Unerfüllter Sex wies für mich darauf hin, dass emotional etwas nicht stimmen konnte. Manches ließ ich darum scheitern, dahingestellt, ob das vielleicht gut so war und zugleich schien mir eine sexuell erfüllte Beziehung als der Himmel auf Erden, auch wenn es natürlich nur eine, wenn auch wichtige, Nebensache in der Beziehung ist, war sie doch für mich der wichtigste Schlüssel zum Glück.

Als ich auf die Forschung zum nervus pudendus aufmerksam wurde und zu verstehen begann, dass große Teile des weiblichen Sexualorgans innerlich liegen, konzentrierte ich mich auf dieses Thema und das Wunderwerk der Natur, das sie sich mit der Klitoris und dem langen Nerv und Schwellkörper hinter ihr geschaffen hatte. Das war faszinierend, schützte aber dennoch nicht vor langer Täuschung und falschen Illusionen, denen ich mich voller Gefühl zu gerne hingab, in der Überzeugung, wo ich mit ganzem Herzen liebte, würde ich auch den großartigsten Sex erleben, was zwar emotional so schien aber körperlich schlichter Unsinn war, weil Sex und Liebe eigentlich nichts miteinander zu tun haben, es keine sexuelle Beziehung gibt.

Natürlich haben wir meistens mit jemandem Sex, mit dem wir in irgendeiner Beziehung stehen, wie immer wir diese heute auch nennen, aber über die Qualität des Sex und die Befriedigung, die dieser seiner Natur nach erstrebt, sagt dies nichts aus und damit hat es nichts zu tun. Sex kann partnerschaftlich und voller Bemühen um den anderen ablaufen, von Gefühl getragen sein und einem die Illusion geben, all dies geschähe nun aus Liebe. Tatsächlich hat das eine mit dem anderen aber nichts zu tun.

Das Streben nach Befriedigung ist ein rein egoistischer Vorgang. So es in seltenen Fällen gleichzeitig gelingt, war dies gutes timing und fühlt sich hinterher noch schöner an, hat aber mit der Nervenkontraktion, die als Gipfel des sexuellen Reizes ausgelöst wird, nichts zu tun. In diesem Moment sind wir ganz bei uns und müssen das auch sein, um Befriedigung zu finden, alles andere ist die postkoitale Illusion, die uns unsere soziale Erziehung und der Traum von Liebe eingibt. Lange gab ich mich der Illusion hin und lebte sie auch, erst durch die orgiastische Kontraktion der Frau zum Höhepunkt geführt zu werden, was nett und gemeinsam klingt aber eher ein dennoch als ein deshalb war. Beim Höhepunkt sind wir mit uns allein, kommen als kleine geile Egoisten und wenn nicht, haben wir keinen.

Darum gibt es keine sexuelle Beziehung zwischen Menschen sondern nur Menschen, die in einer sonstigen Beziehung stehen und sich zum Sex als egoistischen Vorgang, wenn er echt sein soll, zusammenfinden. Dieser ist gut, wenn er für beide befriedigend ist. Die Illusion, es wäre noch schöner, dem Partner Befriedigung zu schenken, ist eine emotionale Krücke, die nichts mit dem Sex an sich zu tun hat. Tue das aus emotionalen Gründen gerne, es ist mir eine Ehre und Freude gewesen, Frauen möglichst nachhaltig und häufig zu befriedigen, bis das Beben begann. Doch lebe ich dabei ein Gefühl aus, oder klammere mich an ein verloren geglaubtes Gefühl und habe keinen Sex, finde logisch selten oder nie Befriedigung dabei, um die es beim Sex als physischen Vorgang geht. Habe also keinen Sex per definitionem, liebe nur.

Somit habe ich von Liebe geblendet den Sex als natürlichen Vorgang emotional überlagert, meine natürlichen Bedürfnisse für die der jeweiligen sexuellen Partnerin zurückgestellt, weil ich ein guter Liebhaber sein wollte und vergaß darüber, was Sex der Natur nach ist, ließ ein Gefühl den physischen Vorgang mit erwartbaren Folgen ersetzen. Es ging mir nicht mehr darum, mich zu befriedigen, sondern Glück zu schenken. Dies bestätigt mir zumindest, das ich ein großer Liebender bin, ein guter Liebhaber wurde ich damit noch nicht, auch wenn sich selten eine beschwerte, fehlte mir der nötige Egoismus, der den Sex erst gut macht, weil er nach eigener Befriedigung sucht, die sich nur nebenbei aus nicht sexuellen Gründen noch um den Partner sorgt und wenn es zufällig passt.

Die Erkenntnis, dass Sex immer egoistisch bleibt und sein muss, wenn er funktionieren soll, hat etwas sehr befreiendes. Natürlich ist es emotional und sozial schön als emanzipierter Mann Frauen beglücken zu wollen und deren Befriedigung über die eigene zu stellen und ich fühlte mich dabei gut. So manche wusste, diese andere Art zu schätzen aber für mich wurde Sex zu einer sozialen Handlung, bei der meine Befriedigung immer uninteressanter war und deutlich gesagt, hatte ich damit eigentlich jahrelang keinen wirklichen Sex mehr, weil mich auch das wissenschaftliche Interesse am weiblichen Orgasmus, die unendliche Potenz der Frauen und anderes so sehr faszinierte, dass ich meine Befriedigung völlig zurückstellte und uninteressant fand.

Diese der Natur ferne Reaktion war praktisch natürlich kontraproduktiv und ich erinnere mich gut, wie abstrus ich es früher fand, wenn Frauen, die nicht dabei kamen, mir erzählten, es wäre ihnen nicht so wichtig, es ginge mehr um Zärtlichkeit und Nähe, wie ich daraufhin alles versuchte, dies zu ändern und ihnen zumindest auf verschiedenste Art manuell Befriedigung zu schenken, auch wenn ich frustriert war, dass dies nie zusammen gelang. Dennoch habe ich aus der idiotischen Überzeugung Sex verbunden mit Liebe sei das größte, eigentlich das gleiche gemacht, den triebhaften sexuellen Egoismus unterdrückt, um Frau Befriedigung zu schenken, was technisch relativ erfolgreich war, aber dennoch unbefriedigt ließ, impotent immer häufiger machte.

Die Betonung des Gefühls als Wertfaktor beim Sex machte es leichter, sich der Illusion hinzugeben, es sei alles gut und richtig so, dankbar zuckende Liebste im Arm, schienen den Weg zu bestätigen, der eine bloße Verkennung von Tatsachen war, in die Irre führte und mich vermutlich endgültig impotent gemacht hätte, wie Casanova im Alter klagte, würde nicht irgendwann das kritische Denken wieder einsetzen und die philosophische Lektüre half dabei.

Sex und Liebe sind zwei Dinge, die nicht vereinbar sind. Sie können gemeinsam auftreten und geben ein unvergleichlich schönes Gefühl, doch funktionieren sie nur unabhängig voneinander, wenn wir uns egoistisch um unsere Befriedigung bemühen, finden wir sie und wenn wir dabei noch aus Liebe oder auch mit schlechtem Gewissen noch an unseren Partner denken, kann es gegenseitig schön werden, was dann den Namen guter Sex erst verdient.

Die Vermischung von Liebe und Sex führt dagegen zu einer beidem abträglichen Reaktion, die nur Unzufriedenheit hinterlässt. Es ist nicht moralisch schlecht, die Dinge so zu genießen, wie sie sind. Sex als egoistischen Vorgang der nach Befriedigung strebt und Liebe als ein altruistisches Gefühl, was dem anderen gut will. Beides ist menschlich und gehört zu uns, es kommt nur auf das richtige Gleichgewicht an und alles zu seiner Zeit zuzulassen.

Spannend wäre noch, zu fragen, woher die ungesunde Vermischung kam, ob meine übertriebene Reaktion auch ein Produkt der me too Debatte ist, in der ich als Mann, der Frauen liebt und ihnen immer gut will, nicht als Egoist dastehen wollte, der sich in Frauen nur befriedigt, wie so viele meiner Geschlechtsgenossen es nach Aussage von zahlreicher meiner Liebhaberinnen bloß tun. Genau das Gegenteil war mein Ziel. Wollte Befriedigung und Glück schenken, meinen Egoismus zurückstellen, um zu zeigen, es geht auch ganz anders und ist viel schöner, was zwar eine sozial vielleicht noch anerkennenswerte Reaktion war, die von viel Gefühl getragen wurde, aber mit Sex und vor allem mit gutem Sex nichts zu tun hat.

Es gibt keine sexuelle Beziehung, Menschen tun sich nur zum Sex zusammen, weil die eigene Befriedigung so noch besser erreicht werden kann. Durch die damit teilweise verbundene Möglichkeit der Zeugung neuen Lebens und in Übereinstimmung mit der christlichen Doppelmoral wurde dem ganzen ein emotionaler Mantel umgehängt, der mit dem Vorgang an sich nichts zu tun hat, diesem eher abträglich ist, und so konsequent auch den für die meisten Frauen nach der Natur des nervus pudendus eigentlich befriedigenderen Analverkehr pönalisierte, woraus über Jahrhunderte die Mehrheit der Frauen den Sex unbefriedigt ertrug und ihre Hingabe als Ausdruck von Liebe sah. In den siebzigern wurde den Frauen dann eingeredet, es gäbe einen G-Punkt, den es physiologisch nicht gibt, es gibt nur die Stelle, an welcher der nervus pudendus bei einem geringen Prozentsatz der Frauen die Vagina, wenn angeschwollen und also erregt, berühren kann, wodurch diese beim vaginalen Verkehr Befriedigung erlangen konnten. Aber das waren immer wenige und der große Rest täuschte vor, damit ihre Begatter nicht enttäuscht waren, es so von ihnen erwartet wurde, vieles in der Sexuallität unausgesprochen bleibt und so zu seltsamem Verhalten führte.

Befreit festzustellen, selbst auf einem völligen Irrweg aus Liebe gelangt zu sein, die alles nur für die je Liebste wollte aber nicht an seine Natur und ihren Egoismus dachte, den es braucht, um zu funktionieren, sehe ich, wie wichtig es ist, unterschiedliche Dinge auch verschieden zu betrachten, nicht ungleiches miteinander zu vermengen. Sex ist dann gut, wenn er befriedigt und das erfordert eine gehörige Portion Egoismus dabei, auch wenn wir lernen uns diesen abzutrainieren, um sozial gut zu funktionieren, geliebt zu werden, hat dies langfristig nur zur Folge, dass beide irgendwie unbefriedigt bleiben und sich den Sex als natürlichen Vorgang auch sparen können, der auf die Erleichterung und Entspannung durch Befriedigung zielt.

Vermische nicht mehr Gefühl und Sex, sondern trenne es streng. Beim Sex bin ich ein nach Befriedigung strebendes Tier. Weil ich dennoch ein ganzer Mensch bin, zu dem auch seine Gefühle gehören, Frauen liebe und eine Erziehung genoss, die Frauen wert schätzt. halte ich das Tier ein wenig im Zaum oder bemühe mich zumindest auch um meine Partnerin, aber ich vermische nie wieder Gefühl und Sex, die nichts miteinander zu tun haben, auch wenn es geistige Nähe und Vertrauen erleichtern, sich auch in den Trieben fallen zu lassen.

So muss sich der Philosoph erst klar machen, was andere, ihrer Natur einfach folgend, bloß tun, weil es eben so ist, der Trieb zur Befriedigung drängt und das auch soll. Indem der egoistische Sex sein darf, wie er ist und das Gefühl dennoch bestehen darf, kann es, wenn es mal passt, guten Sex geben, alles übrige ist etwas anderes, vom Liebesdienst bis zur sozialen Dienstleistung für die Partnerin. Vielleicht wäre es leichter, mit der Natur glücklich zu werden, wenn wir sie nehmen, wie sie ist.

Bei einer meiner besonders innig geliebten Liebsten, hat es mich immer etwas enttäuscht gehabt, dass sie beim Orgasmus ganz bei sich war, nicht küsste oder umarmte, sondern sich auf mir befriedigte und völlig auf sich konzentrierte. Fand das befremdlich im Vergleich zu ihrer sonstigen emotionalen Anhänglichkeit, weil ich Liebe und Sex vermischte. Heute sage ich, sie hat es genau richtig gemacht. Sie hat sich für sich befriedigt und anders geht es ohnehin nicht, manchmal ist nur die Geilheit so groß, dass wir uns sogar beim Kommen noch der Illusion hingeben können, wir täten aus Liebe, was wir einfach aus körperlichen Bedürfnissen heraus tun. Von allem anderen zu schweigen, war zumindest diese Reaktion gut und gesund, meine Vermischung dagegen pathologisch und führte zum erwartbaren Ergebnis.

So musste ich erst fast fünfzig werden, eine wunderbare, bebende Liebhaberin haben, mit der ich keine Beziehung habe, um zu lernen, Sex ist egoistisch und hat mit Liebe nichts zu tun, was für meine Natur früher selbstverständlich war, auch wenn ich dabei, ob meines Egoismus beim Sex häufig ein schlechtes Gewissen hatte. Die Liebe macht das gemeinsame Erlebnis und Leben schön, trägt auch über verunglückten Sex mal hinweg, aber mit dem Sex an sich hat sie nichts zu tun, weil Liebe altruistisch ist, während das Streben nach Befriedigung logisch egoistisch bleibt. So hätte ich aus lauter Liebe lange beinahe meine Potenz verspielt, die sich ansonsten noch ziemlich unersättlich anfühlt, weil ich Frauen, gut tun wollte, sie liebe und ein wunderbarer Liebhaber sein wollte, der sein Bestes dafür aufgab was ein ziemlich idiotisches Geschenk wäre. 

Wie schön ist es, noch im fortgeschrittenen Alter durch philosophische Lektüre unter anderem von Michel de Montaigne und Alain de Bottons Über die Liebe wieder zu erkennen, wie gut doch die Natur eingerichtet ist und wie idiotisch es ist, sich als Mensch über sie hinwegsetzen zu wollen, was nur krank machen kann. Sex als egoistisches Streben nach Befriedigung und Liebe als altruistisches Schenken wollen, können sich gut ergänzen und zu wunderbarster Harmonie führen, ihre Vermischung ist Murks und nur Ausdruck von Impotenz, zu der sie auch führt und so ist es manchmal gut das Gute zu überwinden, um zu sich zu finden und am Ende mit allem und allen glücklicher sein zu können.

jens tuengerthal 2.8.20

Samstag, 1. August 2020

Leserinnenlust

Habe es schon lang gemerkt
Zeit darüber auch zu dichten
Lesende Frauen finde ich viel
Erotischer als alle anderen
Lief um den Platz und sah
Wieder einige mit Buch im Café
Egal was sie nun dabei lasen
Zumindest hatten sie Bücher
Was sie für mich sinnlicher
Als all die anderen machte
Die mit Telefonen nur spielen
Egal wie schön angezogen
Zog die Lektüre bei mir mehr
Natürlich heißt es noch nichts
Nur ein Buch zu halten oder
Irgendwas zu lesen dennoch
Bemerkte ich wie Leserinnen
Eine erotische Wirkung haben
Die Verbindung Frau und Buch
Auf mich sinnlicher wirkt als
An heißen Tagen wie heute
Gerne gezeigte Unterwäsche
Ist auch schön und reizvoll
Präsentieren sich genug hier
Zur Freude der Flaneure aber
Eine Leserin fesselt mich mehr
Reizt mich als solche wirklich
Macht neugierig auf die Frau
Gibt nicht nur den kurzen Kick
Sondern scheint vielversprechend
Das mag Unsinn sein wird vielen
Die zufällig gerade nicht lesen
Sicher nicht gerecht beanspruche
Dabei auch keinerlei Objektivität
Aber freue mich an lesenden Frauen
Als Flaneur im Vorübergehen
Was genügt Leben zu genießen
Mit Büchern am Platz im Sommer

jens tuengerthal 1.8.20

Pandemienie

Heute demonstrierten die Leugner
Von Corona und der Pandemie
In Berlin für ihre Freiheit die sie
Durch die Regierung gefährdet
Sehen wobei die Polizei sie nun
Am weiteren hindert und auflöst
Weil sich die Demonstranten nicht
An Hygienevorschriften hielten
Gegen die sie demonstrierten
Im Gegenteil sogar diejenigen
Die sich korrekt verhielten noch
Als Maskenträger beschimpften
Wie mit Maske runter damit zum
Illegalen Widerstand aufforderten
Asoziales Verhalten Freiheit nennen
Nun mag es welche geben unter
Den Demonstranten die wirklich
Nicht rechtsradikal waren oder
Meinten sie verteidigten die Freiheit
Weil sie nicht begriffen haben wie
Frei wir sind und was Pandemie
Die sie leugnen bedeuten kann
Als stürben nicht Hunderttausende
Aufgrund zu großem Leichtsinn
Wie in den USA derzeit sichtbar
Könne das Leben normal werden
Solange es keinen Schutz gibt
Ohne auf Extremisten einzugehen
Genügt die Lebensgefahr völlig
Diesen Unsinn zu verurteilen
Wer seine kleine Freiheit nun
Für wichtiger hält als den Schutz
Gefährdeter vor Lebensgefahr
Handelt grob fahrlässig wider
Alle Vernunft warum Mitleid nur
Den Polizisten gehört die diesen
Asozialen Widerstand auflösen
Wir achten die Meinungsfreiheit
Aber solche Narren sollten doch
Für die von ihnen verursachte Gefahr
Mindestens persönlich haften
Berlin erträgt auch diesen Unsinn
Aber besser wäre es strenger noch
Gegen diesen Widerstand vorzugehen
Der sein Vergnügen über Leben stellt
Um Verantwortung klar zu stellen
Es geht nicht um Freiheit dabei
Sondern gefährdet Leben anstatt

jens tuengerthal 1.8.20

Sagenhaftes

Lese gerade Sagen wieder
Die ganz alten Geschichten
Die vom Ursprung erzählen
Aus der bremischen Heimat
Wo ich zufällig geboren wurde
Wie aus Mecklenburg wieder
Betrachte sie viel weniger
Literarisch denn als Schüssel
Zum Denken ohne alle Zeit
Nicht als mythisches Märchen
Was sie sicher immer sind
Dafür als Dechiffrierung der
Gedanken jenseits aller Zeit
Was bleibt kommt wie war
Verorte mich als Heimatloser
In ihnen und lasse sie leben
Als wesentlich wie natürlich 
Zurück im Norden damit der
Immer ein Gefühl von Heimat
Mehr gab als jeder andere Ort
Ist es die geistige Sommerreise
Zeitgemäß nur seitenweise
Kehre ich heim und bleibe da
Um von da zu erzählen wo
Einst für mich alles anfing
Tauche in dortigen Geist ein
Kenne manches längst erzählt
Als Sagen auch der Familie
Von Großmüttern erzählt die
Selbst fast sagenhaft waren
Womit die Welten sich wieder
Am Ursprung vermischen
Wessen Schoß auch immer
Einst l'origine du monde war
Im weiten Feld der Sagen

jens tuengerthal 1.8.20