Montag, 6. Juli 2020
Erziehungsanlage
Sonntag, 5. Juli 2020
Über die Liebe
Liebeswahrheit
Samstag, 4. Juli 2020
Familiengefühl
Freitag, 3. Juli 2020
Familienerotik
Wie erotisch ist Familie oder hat Erotik in der Familie nichts verloren?
Während guter Sex überall und immer mehr ein Thema ist, wird der Bereich Familie davon gerne ausgespart. Auch das hat Tradition, wie so vieles in der Familie, und scheint, schon der Kinder wegen, auch sinnvoll. Zusätzlich ist aller Sex zwischen Familienmitgliedern des Inzuchtverbots wegen verpönt, wird unter nahen Verwandten immer noch als Straftat verfolgt, auch wenn diese erwachsen und freien Willens es miteinander tun, was manche Eltern nicht daran hindert, ihre Kinder zu missbrauchen oder zum Missbrauch zu verkaufen, wogegen mit aller Schärfe vorgegangen wird, was auch den meisten Menschen richtig und vernünftig so scheint, mich, der sonst an aller staatlichen Sanktion eher zweifelt, eingeschlossen, auch wenn ich nicht weiß, was Sanktion bringen soll und wen sie befriedigt als das empörte Publikum und damit ein Problem nur verstetigt, statt es zu lösen, aber emotional finde ich das auch gerecht und gut so, wider besseren Wissens.
Doch baut Familie zuerst auf Sex auf, der Zeugung von Nachkommen eben, was schon Generationen vor uns taten und wenn wir fortbestehen wollen, die nach uns wieder tun müssen, frage ich mich, bei der Betrachtung dieser schwierigen Gemengelage, die mit vielen Tabus behaftet ist, so dass es manchen schon bei obiger Wortverbindung gruseln wird, sicher auch bedingt durch den nicht so seltenen Missbrauch in diesem Bereich.
Konnte mir nie vorstellen, Kinder zu missbrauchen und hatte, wenn ich etwa meine Tochter wickelte und ihr kleines Geschlecht sah, eine natürliche Sperre, empfand keinerlei sexuelle Neigung, im Gegenteil, schon der Gedanke kam mir abstrus vor, es regte sich nichts. Als die Mutter meiner Tochter einmal zu mir meinte, so rein ästhetisch betrachtet, sähe das kleine Geschlecht schon schön aus, ohne damit, wie ich mir relativ sicher bin, irgendeine weitere Absicht zu verfolgen, schüttelte es mich schon innerlich. Konnte das Geschlecht meiner Tochter nicht mit Sexualität verbinden, es war für mich nur ein Organ ihres Körpers, das bei mir keinerlei sexuelle Gedanken auslöste.
So gesehen funktionierte ich, dem gesellschaftlichen Tabu entsprechend perfekt. Kinder sind für mich nicht sexuell sondern tabu und entsprechend finde ich die Mode der nackt rasierten Schöße eher abstoßend, faktisch Pädophilie fördernd und fand den Anblick noch nie reizvoll, frage mich eher, warum Frauen sich das antun, um einem Ideal zu gleichen, dem eine erwachsene Frau weder gleichen kann noch soll und nicht lieber ihre natürlichen Reize dementsprechend betont - würde nie etwas gegen gut frisierte Schamhaare sagen, finde nur die vollkommene Nacktheit dort das Gegenteil von erotisch, weil sie etwas verkörpert, was ich nie reizvoll finden möchte.
Das sehe manche anders und viele folgen heute, auch ohne größeres Nachdenken, der aus der amerikanischen Pornobranche wieder herübergeschwappten Mode und fördern damit etwas, was sie kritisch betrachtet, wie die meisten Menschen ablehnen würden. Andererseits, erinnere ich mich sehr gut daran schon als Kind gerne weibliche Schöße betrachtet zu haben und sie, wenn ich es ausnahmsweise mal durfte, bei Doktorspielchen oder ähnlichen Vorformen der Sexualität zu gerne berührt habe - bei gleichaltrigen Mädchen natürlich noch ohne Haare.
Wie so viele andere Menschen und wie literarisch und filmisch so gerne verarbeitet, sammelte ich meine ersten Erfahrungen im Bereich Erforschung und Berührung auch im Bereich der erweiterten Familie, wozu auch Freunde der Familie zählen könnten und was ich an dieser Stelle im Detail lieber offen lasse. Nicht immer stieß mein von Beginn an großes Forscherinteresse, was schon immer so ein angenehmes Prickeln im Genitalbereich bei mir auslöste, auf ganz große Gegenliebe der Beteiligten. Manche reagierten auch verwirrt, sprachen mit ihren Eltern darüber, was dann zu weiteren Gesprächen mit meinen Eltern führte oder hätte führen können. So ganz genau ist die Erinnerung an diese bald ein halbes Jahrhundert zurückliegenden ersten sexuellen Übungen nicht mehr. Zumindest, weiß ich genau, dass allein die Vorstellung, mit meinen Eltern darüber reden zu müssen, mir unendlich peinlich war, mich an allem erträumten eher hinderte, auch wenn mir andererseits der große Forscherdrang das noch unbekannte weibliche Geschlecht betreffend, sehr groß war, mein Wunsch immer schon war, Frauen Lust zu schenken, nicht zu besiegen.
Der Begriff Scham, bei der ich mich frage, ob sie eher anerzogen oder natürlich ist, spielt dabei eine große Rolle. Sexualität war, dessen war ich mir als Kind sicher, etwas irgendwie verbotenes und nur im Verborgenen stattfindendes, darüber musste geschwiegen werden und die Versuche fanden hinter Büschen, irgendwo im Wald oder unter Matratzenhöhlen verborgen statt aber nie öffentlich, was ja peinlich gewesen wäre, was bis ins frühe Teenageralter so weiter ging.
Wie ich meinen ersten wirklichen Sex mit einer deutlich älteren Frau im Alter von zwölf erlebte und genoss, auch wenn es bis zum nächsten mal dann noch einige Jahre dauerte, ist eine andere Geschichte, die nichts mit Familie zu tun hat, darum hier kein Thema ist. Fühlte mich damit als richtiger Mann und fand es großartig, sah mich keinesfalls missbraucht, sondern als privilegiert an, empfand es als eine große Ehre einer Frau so nah kommen zu dürfen. Habe dies Geheimnis lange für mich behalten, wie ich es ihr versprochen hatte, die schon knapp volljährig war.
Dieses Gefühl von Ehre und Glück, von einer Frau in sich oder ganz nah an sich gelassen zu werden, empfinde ich bis heute und ich fühle mich lieber von einer Frau verschlungen denn sie als Eindringling zu besiegen. Sehe Sex nicht als bloße funktionale Ausführung einer natürlichen biologischen Neigung beider Seiten, was es im Idealfall immer sein sollte, sondern als eine Gnade der bewunderten Frauen, der ich mich gern und voller Bewunderung würdig zu erweisen trachte, in dem ich ihrer Lust diene, sie so gut ich irgend kann befriedige, weil es beim Sex, wie bei allem im Leben, immer um geben und nehmen geht, ein ausgeglichenes und gerechtes Verhältnis zu finden, das beiden gut tut und in dem ich gerne weiblicher Lust, für die Gnade sie genießen zu dürfen, diene.
Denke einen Teil dieser Haltung Frauen gegenüber, habe ich durch meine Mutter und meine Großmutter gelernt. Wobei auch die schwärmerische Neigung meines Vaters ein nicht zu verkennendes Vorbild immer für mich war. So hat meine Mutter mir schon als jungem Jugendlichen erklärt, dass ich, wenn ich mit einer Frau Sex hätte, damit auch Verantwortung übernähme, die ein Leben lang währen könnte, sofern dabei ein Kind entstand. Sex war damit für mich schon sehr früh mit Verantwortung verbunden wie der Absicht eine Familie zu gründen, als Teil einer traditionellen Gemeinschaft zu handeln. Daran hat sich bis heute, trotz nicht nur einem bloß eine Nacht dauernden Sex, im Grundsatz nichts geändert. Wohl fühle ich mich beim Sex, wenn er mit Liebe und der Absicht zusammen zu bleiben, eine Familie zu gründen, verbunden ist, was längst nicht mehr unbedingt meinem Alter und den Bedürfnissen der beteiligten Damen entspricht, viele dennoch irgendwie ganz süß wohl finden, mich allerdings mehr als einmal in große emotionale Verwirrung stürzte, wenn aus der erhofften Liebe und Familie nicht mehr als Sex und Freundschaft mit etwas mehr wurde, eine Liebe zu Ende ging, die ich doch für ein Leben gedacht hatte und deren Ende ich nicht verstand. Dies auch wenn ich längst weiß, bezüglich des Verschwindens und Kommens der Liebe, gibt es nichts zu verstehen - sie ist, was sie ist, kommt und geht, wie sie will und ich es umgekehrt auch von meiner Seite her kannte, sich neu oder umzuorientieren, weil sich Bedürfnisse und Nähe eben manchmal ändern, manches einfach nie passt, so schön es für Momente auch romantisch geblendet schien.
Das zungige und sonstige Eintauchen in das weibliche Geschlecht oder zumindest die nahe gelegenen Öffnungen je nach Geschmack und Natur, erscheint mir immer noch und immer wieder als ein großes Geschenk, für das ich mich gern würdig zeigen möchte und irgendwas in mir will, wenn ich mit einer Frau glücklich Sex hatte, schnell an Familie und mehr denken. Dann möchte ich nur noch die eine und die Möglichkeit der Vielfalt erscheint mir nicht mehr reizvoll, weil ich mich ja als Familie auf Dauer binden möchte. Dahingestellt was davon meine Natur, was anerzogen und was unreflektierter Gehorsam nach erlernten Mustern ist, in denen ich mich aber meiner Natur nach scheinbar wohl fühle.
Fragte mich manchmal, ob diese Neigung auch als nicht völlig unerfahrener Liebhaber noch ein Reflex meiner Erziehung ist oder das Produkt der Erfahrung in einer relativ glücklichen Großfamilie aufgewachsen zu sein, an die ich mich damit anpasste, blieb. Kann es nicht ganz klar unterscheiden und benennen, finde den Zusammenhang aber spannend, insofern Familie ja eher asexuell für mich ist aber dennoch mein Sexualverhalten und meine Neigung dabei deutlich prägt. Warum finde ich, Sex am erfüllendsten, wenn ich glaube, die gerade aktuelle könnte die Frau meines Lebens sein, auch wenn es davon tatsächlich schon mehr als eine gab, frage ich mich und überlege, inwieweit eine solche Prägung zu einem gesunden Sexualverhalten führt oder ob auch beste Technik und genaue Kenntnis der physischen Natur nichts daran ändert, dass ich Sex suche, um Liebe zu finden, die für mich auch mit Familie verbunden ist, was manchen eher fremd erscheint.
Hier könnte nun spannend weiter erörtert werden, ob dieses Verhalten eher typisch männlich oder weiblich ist, weil Frauen sich angeblich ihrer Natur gemäß, die schwanger werden kann und damit nach Bindung sehnt, ist aber hier nur am Rande ein Thema, wo es um die Frage geht, welcher Zusammenhang zwischen Familie und Sexualverhalten besteht, und kann darum dahinstehen wie manches herum.
Früher fand ich es erstrebenswert mit möglichst vielen Frauen zu schlafen, um Erfahrung zu sammeln und die große Vielfalt des Wunders der Natur so sehr wie möglich zu genießen, heute, wo ich es viel leichter könnte, würde ich am liebsten nur noch mit einer schlafen und bei ihr bleiben, wenn das denn auch mit mir so einfach wäre. Ist diese Reduktion der Bedürfnisse der zunehmenden Erfahrung geschuldet, die lehrt, es ähnelt sich irgendwie immer und am Ende kommt es doch entscheidend auf das Gefühl dabei an und wenn das stimmt, ist eigentlich alles gut - mehr gibt es nie, egal mit wie vielen Menschen du Sex hattest oder schlicht Zeichen der altersbedingt zunehmenden Impotenz?
Zeigt sich nun in diesem stärker werdenden Bedürfnis die eine zu haben und bei ihr zu bleiben die wachsende Impotenz, wie das Wissen um die eigenen Grenzen oder ist es schlicht die Rückkehr zu meinen Wurzeln in der Familie, will ich als erwachsener Mann in dem Verband leben, der mich einst als Kind glücklich machte und der für mich immer über allem stand, so fern sich manche dort auch tatsächlich vielleicht längst wurden, überlege ich und habe keine sichere Antwort bisher.
Familienerotik habe ich dieses Essay genannt und habe noch nichts zur Erotik gesagt und was sie auslöst. Familie und was sie ausmacht, ist nichts, was ich je mit Erotik verbinden würde, trotz manch früher Erinnerungen, die ich heute aber eher als kindliche Spielerei betrachte, die keiner weiteren Worte wert sind. Dennoch kann ich sagen, dass der Sex dann für mich am intensivsten und schönsten war, wenn ihn der Wunsch trug, eine Familie zu werden - mussten nicht gleich Kinder sein, aber doch getragen von dem Bedürfnis dauerhaft zusammen zu bleiben. Dagegen schien mir der gelegentliche Sex mit Liebhaberinnen, bei denen dies Bedürfnis klar nicht bestand, immer etwa schal und als würde eine entscheidende Zutat fehlen und das auch, wenn dies mit Abstand und in Summa betrachtet, häufig der leidenschaftlichste und heißeste war, die Erscheinung also Unsinn vorgauckelt, was die Frage stellt, warum meine Psyche das tut und will.
Könnte also die höchste Erfüllung weniger im Körperlichen liegen und dem wie auch immer gearteten Formen des Vollzugs der Lust als in der gefühlten Nähe, die in der Familie oder dem Traum von ihr am größten wird. Gerne wird an dieser Stelle traditionell über den Gegensatz von Hure und Ehefrau philosophiert. Spannender fände ich, welche Entsprechung eines Paares es für Männer dabei gäbe, wäre es Casanova und Familienvater oder Zuhälter und Pastor - finde beides relativ unpassend, zumal der große Liebhaber Casanova, darin zumindest mir nicht unähnlich, immer nach der großen Liebe suchte, der einen, bei der er für immer bleiben könnte, damit die ewige Suche ein Ende hätte und dies Bedürfnis verstehe ich mit den Jahren immer besser.
Erfahrung machte mich zu dem, der ich bin, als Liebhaber, als Vater, als Sohn, als Partner - manches davon steht in einem scheinbaren Gegensatz - kannst du in einem nur gut sein, wenn du im anderen schlecht bist? Schließen sie sich nach ihrer Natur aus?
Frauen wissen die Qualitäten eines Liebhabers zu schätzen, wenn sie genießen können, was leider so wenig Frauen wie Männern wirklich gelingt, nur sind mehr Frauen dabei auchh ehrlich zu sich selber, wenn auch selten gegenüber den Partnern. Ob sie meine Qualität als Familienmensch schätze können, bin ich nicht immer sicher. Als Liebhaber bekam und bekomme ich bisher mehr Lob denn als Familienmensch, was nicht nur quantitative Gründe hat, sondern vielleicht auch die Priorität der Bedürfnisse ausdrückt,
Die meisten Frauen in Partnernetzwerken, zumindest in denen, die ich kenne, schreiben heute von sich, sie wollten keine One night stands, was ONS abgekürzt wird. Auch wenn dieses Bekenntnis eher auf bescheidene Qualitäten als Liebhaberin hindeutet, warum sollte sonst ein vernünftiger Mann nur eine Nacht bleiben wollen, wie ich bei der Lektüre dieses Kürzels immer denke, wollen sich aber selten wirklich binden, weil ja noch etwas besseres kommen könnte oder sie genug schlechte Erfahrung mit Bindung und oft auch dem Versuch von Familie haben, auch wenn nahezu alle etwas anderes vorgaukeln, ist die Zahl der Bombenfunde beim Onlinedating fast höher als in der Nachkriegszeit.
Verständlich, denke ich, geht mir ja ähnlich und dennoch, würde ich mich zu gerne wieder ganz verlieben und alles wagen, auch wenn die Erfahrung lehrt, wie weise und klug es ist, davon lieber die Finger zu lassen, weil Beziehung immer schnell Erwartungen mit sich bringt, die nur dazu da sind, enttäuscht zu werden, es sich alleine doch gut lebt, außer vielleicht an Weihnachten und am Geburtstag.
Wie groß ist der Zusammenhang von der Sehnsucht nach Familie und dem Bedürfnis nach dauerhafter erotischer Erfüllung, auch wenn das dem Wortlaut nach fast wie eine contra dictio klingt?
Hat die familiäre Prägung damit Auswirkungen auf die erotischen Bedürfnisse und was wäre so gesehen für mich die größte Erfüllung.
Bei der Lektüre von Borchardts Weltpuff Berlin, in dem ja bekanntlich auf nahezu jeder Seite irgendwie gevögelt wird, außer er trifft gebildete Frauen von Stand, die sein Herz berühren und in die er nicht nur auf Aufforderung hin seinen Schwanz steckt, auch wenn das natürlich auch dazu gehört und dann als Gipfel der Genüsse beschrieben wird, nach seitenlangem Geplauder über griechische Dichter und ähnliches mehr, fiel mir wieder auf, wie stark die Erotik im geistigen Vorspiel wird, wie sehr mich dies emotional berührt und nicht nur körperlich, wie seine Vögelei mit acht Damen auf einmal im Massage Salon, was immer etwas von gehetzter Massenabfertigung hat, auch wenn er sie noch mit Eleganz genießt.
Geistige Nähe und intellektueller Austausch mit Niveau machen mich also mehr an, als freie Auswahl unter den schönsten der Schönen, was bei meinem familiären Hintergrund nicht weiter verwunderlich ist, da die Familie der Besserwisser, sich zu gerne gegenseitig auf die Schultern klopft für vermeintliche geistige Brillanz. Auch Rudolf Borchardt, dem Ich-Erzähler im Weltpuff geht es ähnlich, gesellschaftliche Nähe, geistige Spiele und Bewunderung über das physische hinaus, reizen ihn mehr als körperliche Perfektion oder wildeste Verfügbarkeit - was wirklich bleibt, ist mehr als geil, dahingestellt ob der besondere Reiz zweier Damen auch daran liegt, dass sie nur beschränkt verfügbar sind, sich längst anderweitig gebunden haben oder vernünftigerweise binden müssen.
Was breitbeinig vor dir liegt, verliert seinen Reiz schnell, auch ewige perfekt gespielte Potenz am makellosen Körper kann nicht über die Bewunderung für eine Dame hinweghelfen, die verehren zu dürfen schon mehr Ehre als genug ist, denjenigen adelt, der es zu schätzen weiß. Alte Weisheiten, die verkünden, es brauche in einer Beziehung der steten Spannung, um Reiz und Zuneigung wach zu halten - ewigen Sonnenschein wünschen wir uns im Glück alle, doch was bliebe von diesem ohne Ende und Gegensatz, fiele nicht ab und an wilder Regen, lebten wir längst in einer dürren Wüste, was kein wirklich reizvoller Ort noch sein kann für echte Genießer, weil nichts neues dort mehr blüht außer im Schatten der Oasen.
So scheint uns Unerreichbares, reizvoller als Verfügbares, verliert vieles auf die Dauer seinen Reiz, was für eine Konstanz des Wechsels spricht, der auch die Sehnsucht nach endlich Konstanz noch weiter erhöht. Ist die Familie und ihre Verehrung, Ausgeburt der Sehnsucht nach ihr im Mangel einer solchen oder hat das vertraute Umfeld seine eigene Erotik, über die es nie spricht und zu der am Ende auch ich als Familienmensch beredt schweigen werde?
jens tuengerthal 3.7.20
Donnerstag, 2. Juli 2020
Mitgiften
Ist eine Mitgift schon Gift für die Emanzipation, der erste Schritt zur gekauften Braut oder eine traditionelle Form sozialer Absicherung, die auch in der modernen Familie noch einen Platz haben kann?
Es gab eine Zeit, in der Mitgiften und Kranzgelder oder die Morgengabe als Preis der in der Hochzeitsnacht geschenkten Jungfräulichkeit und ähnliche Gaben mehr üblich waren, die das sexuelle mit dem materiellen, dem eigentlichen Zweck der Ehe, die dauerhafte Absicherung des Vermögens der Beteiligten und deren soziale Sicherung zu gewährleisten. Davon ist die Romantik nur teilweise abgekommen und hielt die Liebesheirat oder die Flucht aus Liebe für die bessere, weil gefühlvollere Art zu leben, ohne zugleich den Beteiligten ein neues Sozialmodell anzubieten, was die traditionelle Ehe, auf der Familie aufgebaut wurde, ersetzen konnte.
Es ging zuerst um Versorgung wie ein Modell, was dies langfristig ermöglicht, also den Bestand der Familie auch emotional sichert und soziale Fürsorge garantieren kann. Dazu dienten auch die Mitgiften, die sich schnell verselbständigten und Ausmaße annahmen, die Väter vieler Töchter in den Konkurs führen konnten.
Nach einer Trennung hatte die Frau Anspruch auf Rückgabe der Mitgift, um ihre Versorgung in der Familie zu gewährleisten, die Kosten für eine eventuelle Wiederverheiratung decken zu können. Inwieweit eine Trennung möglich war, unterschied sich je nach Region und der dort vorherrschenden Religion. In katholischen Gegenden war es eher undenkbar und nur mit einem Dispens in seltenen Ausnahmefällen möglich, warum manche danach strebten, durch den Tod geschieden zu werden, der wieder alles möglich machte. In protestantischen war es möglich, wobei in ländlichen Gegenden schwer und noch in meiner Kindheit hatten wir eher Mitleid mit Scheidungskindern, dahingestellt, ob der reale Kampf vieler Paare das Leben erträglicher macht.
Auch wenn die finanziellen Regelungen zu Mitgift und Morgengabe für eine gewisse finanzielle Sicherheit der Frauen sorgten, bekamen in der Realität dennoch viele Frauen nichts davon wieder, weil die Männer das Geld verspielt oder anderweitig in das Familienvermögen investiert hatten, das patrilinear weitergegeben wurde nach dem sich dann durchsetzenden Prinzip der Primogenitur an den ältesten Sohn.
Teilweise wurde die soziale Versorgung mittelloser Frauen durch die Kirche übernommen, teilweise gab es Stiftungen oder die Familie musste dafür aufkommen. Die Kirche hatte ein Interesse am Erhalt von Mitgift und Morgengabe, weil ihnen vielfach daraus später Schenkungen zugute kamen. Besonders die Jesuiten haben auf diesem Gebiet viel Erfolg gehabt und reichlich bei Witwen geerntet, denen sie geistigen und sonstigen Beistand spendeten.
In vielen Regionen der Welt ist diese Zeit noch nicht zu Ende, die Ehe dient der sozialen Absicherung und hat mit Gefühlen nur idealerweise etwas zu tun, auch wenn Hochzeit und Ehe immer noch mit dem Ideal von Liebe und Glück umgeben werden, sind sie doch meist primär Versorgungsgemeinschaften mit emotionalen Anspruch. In Gegenden, in denen die Ehe noch primär, neben der Fortpflanzung, der sozialen Sicherung dient, sind Scheidungen, auch mangels tauglicher Alternative relativ selten. Ob dies für diese Ehen und ihre so erzwungene Haltbarkeit spricht, ist eine andere Frage, zumindest wurden darauf Familien gegründet.
Der Begriff Mitgift kommt vom Mittelhochdeutschen “mitegift”, was das Mitgegebene bezeichnet, was die Braut für den neuen Hausstand in die Ehe einbringt. Dies auch Aussteuer genannte Gut wurde traditionell, bis ins späte 20.Jahrhundert und beim Adel und in ländlichen Regionen bis heute, von der Familie der Braut aufgebracht und schon als Geschenke über Jahre angesammelt. Die Steuer in Aussteuer leitet sich vom althochdeutschen Stiura ab, was Hilfe oder Beihilfe heißt. Diese wurde, bei den entsprechenden finanziellen Möglichkeiten der Familie so gewählt, dass sie bis ins hohe Alter reichen sollte und viele Frauen bestickten Jahre vorher schon ihre Aussteuerwäsche, was Tisch-, Bett- und Leibwäsche meint, mit dem Monogram ihrer Familie. Es war die Ausrüstung für den Lebensbund auf dem sich an Festen, die Herkunft der Frau noch einmal zeigte, die gewöhnlich den Namen des Mannes annahm aber im schönsten Glanz auf ihre Herkunft in den Initialen verweist, ohne das hier sozial bewerten zu wollen.
Die Aussteuer führte in Gesellschaften mit Patrilinearität beim Erbe meist zum Ausschluss der Töchter vom sonstigen materiellen Erbe besonders bei Gütern, die nicht geteilt werden sollten, sondern in Sohneslinie nach primogenitur weitergegeben wurden. Damit waren für die Erben und Geschwister die Kosten klar kalkulierbar. Eine Tochter konnte, je nach Vermögen ihrer Familie, diesen oder jenen Betrag erwarten, der dafür aus dem Familienvermögen abgeführt wurde, sie aber von weiteren Ansprüchen traditionell meist ausschloß. Beim Scheitern der Ehe, war sie dann häufig auf die Gnade der Familie oder, wo es kein Vermögen mehr gab, auf die der Kirchen und der öffentlichen Hand angewiesen.
Genau diesen Vorgang beschreibt Thomas Mann sehr eindrücklich in den Buddenbrooks, wo Tonis erster Ehemann lang über die Aussteuer verhandelt, um sich aus den Schulden zu retten, die ihn schließlich in den Konkurs führen, auch wenn Mann beim Konkurs des schmierigen Bendix Grünlich für einen seiner Gläubiger leider ein schlechtes antisemitisches Klischee bedient hat. Dies Modell wird für die zweite Ehe mit dem Münchner Bierbrauer Permaneder noch weitergeführt, der zu Tonis Entsetzen nichts besseres mit dem vielen Geld vorhat, das ihr Vater mit schlechtem Gewissen noch mal aufbringt, weil er Toni in die erste vermeintlich gute Ehe gedrängt hatte, weil dies ihre Pflicht als Tochter sei, wie es im Buch der Familie steht, dass sie mit Stolz betrachtete, als sich zur Ruhe zu setzen und den Tag im Wirtshaus zu verbringen und Toni dann Anlass zur endlich Flucht aus München gibt, als er sie im Treppenhaus mit einem Hausmädchen betrügt und dabei auch noch betrunken erwischen lässt. Der verlassene Permaneder erstattet dann das fällige Vermögen ordnungsgemäß zurück und Toni lässt sich als zweimal geschiedene in Lübeck nieder und hilft lieber ihrem Bruder Thomas bei der Einrichtung, als dieser ordnungsgemäß ihre Pensionsfreundin Gerda heiratet, die nur so gegen alle Ordnung leidenschaftlich gut Geige spielt und sich dabei in Abwesenheit ihres Vaters von einem jungen Offizier begleiten lässt, was aber wieder eine andere Geschichte wäre, die weiterzuführen uns Thomas Mann erspart, der selbst gut Geige spielte und die Abwicklung des väterlichen Kontors in Lübeck erlebte, nach der die Mutter mit den Kindern nach München zog, wo es sich ein Permaneder so gern gemütlich machte.
Auch aus meiner Familie kenne ich die Aussteuer Tischwäsche, mit dem Mädchennamen meiner Mutter oder später als Erbe auch die meiner Großmutter mit deren Mädchennamen Monogram, weil bei Beginn der Sammlung ja nicht klar war, welchen Namen sie tragen würde und das gleiche gilt für das familiäre Silber für die Festtage und anderes mehr. Es ist schon beim Eindecken der Tische an Festtagen, wenn das gute Silber aus den tiefen Schubladen im Wohnzimmer geholt wird, gelegentlich vorher noch ein wenig überpoliert werden muss, weil es ja natürlich nicht im täglichen Gebrauch ist, als würde in eine andere Zeit getaucht und die bürgerliche Kultur, die Thomas Mann so treffend in den Buddenbrooks für das 19. Jahrhundert karikierte, ist gegen Ende des 20. Jahrhunderts und bis in unsere Tage noch lebendig, als hätte sich nichts geändert - auch die Dialoge bei Tisch ähneln dann teilweise, den dort bereits wunderbar beschriebenen und sogar die Witze wiederholen sich auf ähnliche Art und wir nennen es familiäre Tradition, die aber zu einem Teil eben auch von der patrilinearen Tradition von Aussteuer und Mitgift mitgetragen wird, die so bis in die Gegenwart auch einen positiven Zusammenhalt der nachfolgenden Generation trägt.
Das macht Familie so und es wird weiter so gemacht, wie etwa das Tischgebet, was auch ich als radikaler Atheist gerne mitspreche, wie den Segenspruch, bei dem wir uns vor dem Essen die Hände reichen und dabei darum bitten, der Vater möge diese Speise uns zum Wohle, ihm zum Preise segnen. Es sind schöne Traditionen des Innehaltens vor den meist lauten und amüsanten, häufig auch weinseligen Familienfesten, zu denen das Meißen wie das gute Silber ausgepackt wird. Sie haben nicht nur Tradition, sie geben auch Geborgenheit in einer sich rasend verändernden Umwelt und so betrachte ich die Tradition von Aussteuer und Familienerbe mit zwei Augen. Das kritische, was den traditionellen Ausschluss der weiblichen Linie beim Erbe durch die Gabe der Aussteuer, klar verurteilt und das liebevolle, des in diesen Traditionen groß gewordenen, die längst keine Töchter mehr vom Erbe ausschließt und mein theoretisches primogenitur ist keinen Pfennig mehr wert in einer egalitären Gesellschaft, was gut so ist.
So frage ich mich, was an Traditionen solle unbedingt bewahrt werden und was können wir aufgeben, weil es sich schlicht überholt hat. Darüber, was bewahrenswert ist und wie wir es nennen, besteht wohl keine klare Einigkeit in der Familie. Vieles machen wir einfach, weil es Tradition hat und schön so war in unserer Kindheit und der unserer Eltern und der Großeltern und so über Generationen weiter. Würde es eine typisch bürgerliche Kultur nennen, über die ich mit Thomas Mann in Gedanken liebevoll lächle, weiß aber, zumindest eine meiner Schwestern, würde auf diesen Begriff vermutlich hoch allergisch reagieren, weil er für sie vermutlich eher Ausdruck eines überholten Klassendenkens ist, für das ihr nach bürgerlichen Kriterien relativ erfolglose Bruder nun wirklich keinen Grund hat, ganz im Gegensatz zu ihr.
Trotzdem eint uns eine Tradition, die auch auf bestickten Leinen-Tischdecken sowie Silber mit Monogramm und Perlrand ruht, typisch bürgerlichen Attributen in einer Zeit, in der das Bürgertum lange als überwunden galt und mit den Siebzigern, in denen wir als Kinder aufwuchsen, gerne alle Traditionen über Bord warf, die wir durch die Großeltern noch getrieben, bis zum Ende der neunziger aufrecht erhielten und vielleicht eines Tages weitertragen, die manchen wieder aktueller und nötiger erscheinen als je. Können sie auch ein Stück kultureller Integration leisten, frage ich mich dabei.
So habe ich, der gelegentlich leicht genervt über seine Mutter war, die seine Freunde, die nicht gut essen konnten, immer zwang bei Tisch neben ihr zu sitzen, wenn sie bei uns aßen, damit sie es nicht sehen musste und die sich über degoutante Essmanieren schon gelegentlich mit einer hochgezogenen Braue zumindest mokieren konnte, was es mir nicht unbedingt leichter bei meinen Freunden machte, doch wieder sehr darauf geachtet, dass meine Tochter die Regeln beherrschen lernte, welche die Großmutter erwartete und die es ihr im Leben leichter machen würden und hatte dafür immer das gute Beispiel von Angela Merkel, die es wie manche Kita geprägte Ossis nach der Wende erst lernen musste, was bei großen Essen von ihr erwartet wurde und die Helmut Kohl damit Anlass zum Lästern gab, auch wenn dieser es hinterher nie so gesagt haben will, wussten wir doch alle genau, was gemeint war und von uns erwartet wurde, auch wenn Merkel in ihrer Aufgabe längst über sich und Kohl hinausgewachsen ist.
Natürlich durfte meiner Tochter auch mal, so schweinisch wie sie nur konnte, Spaghetti essen, weil ich wusste, sie konnte es und würde es, wo es darauf ankam, beherrschen. Diese formalen Tischmanieren, über die ich mich erst kürzlich wieder mit einer kurzzeitigen Liebsten von Familie unterhielt und wir uns dabei erstaunlich einig waren, scheinen auf der einen Seite lächerlich und überholt, andererseits geben sie auch, wenn wir sie kennen und beherrschen und wissen, was, wann, wo, gefragt ist, eine Form von Sicherheit, die denen, die nicht damit aufwuchsen fehlt.
Als zeitweise nomineller Sozialdemokrat habe ich noch darüber nachgedacht, ob diese Fragen nicht Ausdruck eines überholten Klassendenkens sind, wie es vermutlich viele in der Partei sahen, denen solches eher fern lag, doch kann ich als armer Poet mich da von jeder Klasse lösen und über eine Form sprechen, die Würde gibt und es einem im Alltag leichter macht. Du weißt, dich zu benehmen, tust es mit Anstand und Würde und kannst die Regeln auch spielerisch übertreten, weil du diese quasi im Blut hast, mit ihnen, mit mehr oder weniger großer Strenge, aufgewachsen bist. So sehe ich die Kenntnis und Gewohnheit der Sitten der Höflichkeit auch im Umgang mit Damen, was manche heute seltsam befremdet, als ein Stück Freiheit an, was mich stärkt.
Es ist weniger ein Zwang, der in Formen drängt, als ein Gebot der Höflichkeit, die auch dem Essen eine gebührende Achtung entgegenbringt, wie es einer Zeit, entsprechen könnte, die wieder langsamer werden sollte, um gut zu überleben und mit ihren Ressourcen auszukommen und so führte die eigentlich aus patriarchalen Strukturen geboren Mitgift und Aussteuer, die fast nach Frauenhandel klang, mich in der praktischen Anwendung der traditionellen Familie zu ressourcenorientierten Werten, die Freiheit sichern, auch wenn sie von denen, die ohne aufwuchsen vielleicht als Ausgrenzung empfunden werden könnten.
Weiß, wie ich auch mal Partnerinnen hatte, denen diese Sitten eher fremd waren und wie sehr mich das wiederum befremdete - wie ich mit mir rang, ob und wie ich es ansprechen sollte oder könnte, um ihnen Peinlichkeiten zu ersparen, was mal mehr, mal weniger gelang, bis ich mich darauf beschränkte, es lieber nur noch vorzuleben, was erstaunlicherweise nachhaltiger wirkte, so hatte eine Liebste am Anfang unserer Beziehung das Besteck weder richtig halten können, noch gewusst, wo ihre Arme beim Essen am besten lägen, obwohl sie sonst sehr zurückhaltend und elegant sein konnte - doch indem ich ihr Geschichten von anderen erzählte und meiner Sorge darüber, wie wohl meine Mutter diese oder andere sie bei einem Fest, zu dem wir eingeladen waren, wahrnehmen würden, entwickelte sich vermutlich vielmehr als wenn ich es je angesprochen oder kritisiert hätte. Irgendwann sprach sie ganz selbstverständlich davon, wie wichtig ihr das wäre und wie schrecklich sie es fände, zu beobachten mit wie wenig Esskultur manche Studenten äßen, was ihr plötzlich wichtig geworden war, womit sie doch zumindest eine kostbare Freiheit aus der gemeinsamen Zeit mitgenommen haben könnte, wie ich es heute sehe, was immer davon wirklich war und was nur ein Spiel der Anpassung, um zu gefallen.
Die Chance mit dieser Freiheit, die wie eine Beschränkung manchen erscheint, aufgewachsen zu sein, habe ich zuerst dadurch schätzen gelernt, als ich in den Schriften des Freiherrn von Knigge las, nicht nur seinen Benimmratgeber vom Umgang mit Menschen, der ist nett und war nicht unwichtig, aber vielmehr sein Engagement für Emanzipation und bürgerliche Freiheit, was auch hinter diesem Ratgeber eigentlich steckte, der einem Welten öffnet, die in einem bis dahin verborgenen Kodex kommunizieren. Dabei war dieser große Illuminat ein Aufklärer und Vordenker, der erkannt hatte, auf was es ankommt, um auf dezente Art erfolgreich zu sein.
Ähnliches auf andere, eher etwas konservativere aber nicht weniger humorvolle Art hat seine kaiserliche Hoheit Asfa Wossen Asserate, ein Neffe Kaiser Haile Selassies in seinem Buch Manieren wieder getan und auch dieses kann als Schlüssel zur Freiheit gelesen werden, die ein guter Umgang miteinander ermöglicht. Es ist zu schön, wie ein Afrikaner aus bester Familie, dessen Adel sich schon auf König David und die Königin von Saba zurückführen lässt, hierin als ehemaliger Tübinger Corpsstudent, der infolge der Revolution nicht in seine äthiopische Heimat zurückkehren konnte, über gutes Benehmen und die Gewohnheiten der Familien, die auf sich halten, berichtet und so plaudernd eine kleine Anleitung gibt. Hatte das Glück, zufällig seine kaiserliche Hoheit, was ich eine herrlich altmodischen Titel finde, der so aus der Zeit fällt, dass er schon wieder schön ist, in einer Rauchpause zwischen den Hallen auf der sonst eher sehr jugendlich zu bunten Leipziger Buchmesse zu treffen und ein wenig mit ihm über gemeinsame Bekannte zu plaudern, wozu ich mit Augenzwinkern genau diese Anrede wählte, womit er lachend humorvoll umzugehen wusste, der seit Jahrzehnten als Geschäftsmann in Frankfurt lebt und als Bestsellerautor sehr erfolgreich ist.
Im Rahmen bleiben können, um ein wenig an passender Stelle aus dem Rahmen zu fallen, ist vielleicht der Schlüssel zu wirklicher Freiheit, die denen verwehrt bleibt, die all dies nur als bürgerlich traditionelles Klassendenken betrachten und nicht die zeitgemäß kostbaren Werte mehr daraus schöpfen können, was vielen Alltag unnötig hässlich macht. So habe ich mir angewöhnt, wann immer ich mit einer Dame esse und ich bemühe mich nur mit solchen zu genießen, was das Leben uns offenbart, sie als eine solche zu behandeln, wie ich es von meinem Großvater meiner Großmutter gegenüber kannte, also sich erst zu setzen, wenn sie sitzt, ihr einzuschenken, solange ich dazu noch fähig bin, sich vor dem Essen die Hände zu reichen, um dem ganzen eine besondere Würde zu geben, weil alles andere weniger schön wäre.
Dies geschieht nicht, weil ich traditionell auf Frauen herabschaue, schlicht patrilinear denken würde, bemühe mich eher um das Gegenteil, sondern um die Gegenwart einer Dame zu genießen, weil ich Frauen bewundere und die Gegenwart einer Dame die größte Ehre für einen Gentleman sein kann, es ein Stück Freiheit gibt, um den Raum dahinter mit Phantasie zu füllen, die in den klassischen Formen nur den Rahmen hat, sich zu voller Schönheit zu entfalten und so kann sogar die Mitgift meiner Mutter, die in traditionellen Tischsitten auch über die Großeltern zu mir wanderte, mehr Freiheit entfalten, als sie ihrer patrilinearen Struktur nach an Einschränkung bringt, sondern öffnet den Horizont für schönere gemeinsame Welten jenseits der Grenzen, die in diesem Text, der mal weniger erotisch ist, kein Thema sind, auch wenn die Lust als Untergrund und Gegensatz natürlich im untergründigen Beben überall mitklingt.
jens tuengerthal 2.7.20